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Hauptversammlung Bei Zetsche-Abschied: Daimler-Investoren sind frustriert über Rendite und Aktienkurs

Nach 13 Jahren endet eine Ära bei Daimler. Die Aktionäre ziehen eine gemischte Bilanz: Dieter Zetsche hat Mercedes gerettet, hinterlässt aber viele Probleme.
Update: 22.05.2019 - 12:28 Uhr Kommentieren

So verlief der Abschied von Dieter Zetsche

BerlinNach mehr als vier Jahrzehnten im Unternehmen und 13 Jahren als Daimler-Chef ist Schluss: Dieter Zetsche geht in Rente. Der Mann, der Daimler nach dem Chrysler-Desaster gerettet hat, stellte sich am Mittwoch ein letztes Mal den Aktionären und blickte auf seine Ära zurück.

„In meiner ersten Rede vor der Hauptversammlung im Jahr 2006 habe ich gesagt: Unser Anspruch ist es, das Unternehmen wieder ganz nach vorne zu bringen“, erklärte Zetsche. Damals war der Mercedes-Hersteller beim Absatz weit abgeschlagen, Erzrivale BMW war weit enteilt. Und heute? Erfüllt Daimler seinen eigenen Anspruch „Das Beste oder nichts“? „In vielen Bereichen, ja“, sagte Zetsche.

Die Marke mit dem Stern ist seit 2016 wieder die unangefochtene Nummer eins unter den Premiumherstellern. In seiner Amtszeit hat der Schnauzbartträger den Umsatz von Daimler um fast 70 Milliarden auf zuletzt 167 Milliarden Euro gesteigert. Der addierte Reingewinn unter Zetsches Führung beträgt 76 Milliarden Euro.

„Mit Dieter Zetsche geht ein Ausnahmemanager“, würdigt Aufsichtsratschef Manfred Bischoff die Leistungen des 66-Jährigen: „Ihm gebührt unser uneingeschränkter Dank.“

Zetsche reagiert gerührt auf diese Worte, hat Tränen in den Augen und verbeugt sich mit Krawatte um den Hals vor den Anteilseignern. Das starre Industriekonglomerat, zu dem nicht nur die markenprägende Pkw-Sparte zählt, sondern mit Daimler Trucks auch der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt, ist unter seiner Ägide deutlich vorangekommen. Das ist unstrittig.

„Aus Aktionärssicht können wir heute dennoch nur eine gemischte Bilanz der Ära Zetsche ziehen“, rügt Janne Werning von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Daimler-Aktie habe sich, Dividenden mit eingerechnet, seit 2006 insgesamt schwächer als der Leitindex Dax entwickelt und deutlich schwächer als die Aktien von BMW und VW.

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„Für die Spitzenposition im Premiumsegment konnten sich die Aktionäre nichts kaufen, denn Daimler hat es nie wirklich geschafft, aus Premiumpreisen auch Premiummargen zu generieren“, sagt Werning: „So schnell das Geld reinkam, so schnell wurde es wieder ausgegeben.“ Daimler habe ein chronisches Effizienzproblem, Zetsche habe zuletzt nicht mehr vorausschauend agiert, sondern nur noch reagiert.

Auch Ingo Speich von Deka Investment geht mit Zetsche hart ins Gericht: „Die CO2-Bilanz der Mercedes-Neuwagenflotte in Europa ist katastrophal, und eine Besserung ist nicht in Sicht“. Tatsächlich ist der CO2-Flottenwert von Mercedes im vergangenen Jahr nicht etwa gesunken, sondern leicht angestiegen auf 132 Gramm pro gefahrenem Kilometer.

„Das ist ein beängstigender Rückschritt“, erklärt Speich. Schließlich drängt die EU auf sauberere Antriebe, bis 2021 muss Mercedes seine CO2-Grenzwerte in der Flotte auf unter 105 Gramm pro Kilometer drücken, andernfalls drohen empfindliche Strafzahlungen.

Die Marge von Daimler droht weiter unter Druck zu geraten. Dabei ist der Gewinn des Konzerns 2018 bereits um fast 30 Prozent eingebrochen. Im ersten Quartal verdienten die Stuttgarter kein Geld, sondern verbrannten zwei Milliarden Euro.

Die Umsatzrendite der einstigen Ertragsperle Mercedes-Benz Cars ist von neun auf 6,1 Prozent abgestürzt, in den Divisionen Vans und Busse schreibt der Konzern sogar Verluste. Das Ergebnis der Finanzsparte ist durch einen Sondereffekt geschönt. Operativ läuft es bei den Stuttgartern dagegen nicht mehr rund.

„Die Transformation des Unternehmens wirkt sich auch finanziell aus“, räumt Zetsche ein. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat Daimler seine jährlichen Investitionen beinahe verdoppelt. Die neuen Technologien – von der Gestensteuerung über Elektroantriebe bis hin zum autonomen Fahren – hätten eben ihren Preis, versucht Zetsche, die Anteilseigner milde zu stimmen. Und er verspricht: „Alles steht auf dem Prüfstand: fixe und variable Kosten, Sach- und Personalkosten, Investitionsvorhaben, die Wertschöpfungstiefe und die Produktpalette.“

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Es liegt nun an seinem Nachfolger Ola Källenius, Daimler wieder auf Kurs zu bringen und etwa in der Pkw-Sparte die avisierte Zielrendite von acht bis zehn Prozent zu erreichen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Ola der Richtige ist, um unser Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen“, sagt Zetsche abschließend. Der gebürtige Schwede steht vor einer Mammutaufgabe. Dafür verpasst sich der Konzern zunächst eine neue Struktur.

Das Konglomerat soll drei rechtlich selbstständigen Einheiten (Pkw, Trucks, Mobilitätsdienste) unter dem Dach der Daimler AG weichen. Stimmen die Aktionäre zu, wird Källenius die Holding und die Pkw-Sparte in Personalunion führen und die Lkw-Division als Oberkontrolleur beaufsichtigen. Källenius vereint eine damit eine gigantische Machtfülle auf sich. Jetzt muss er sie nutzen.

Mehr: Bei Daimler erodiert der Gewinn, jetzt wird gespart. Die Kosten in der Verwaltung sollen um 20 Prozent sinken. Der Handelsblatt-Bilanzcheck zeigt, wie es um den Autobauer bestellt ist.

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