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Hauptversammlung des Autobauers Daimler verschärft in der Krise den Sparkurs – Källenius rechtfertigt Dividende

Die bisherigen Sparpläne reichen für CEO Källenius nicht aus, um eine Rezession durchstehen zu können. In allen Unternehmensbereichen muss gespart werden.
08.07.2020 Update: 08.07.2020 - 13:34 Uhr Kommentieren

Daimler kündigt verschärften Sparkurs auf digitaler Hauptversammlung an

München Ola Källenius ist am Mittwoch erstmals als Daimler-Chef vor die Aktionäre getreten. Zu feiern gab es bei seinem Debüt als CEO auf der Hauptversammlung des Mercedes-Hersteller aber nichts. Denn „vieles ist anders in diesen Tagen“, erklärte der Schwede den wegen der Coronakrise dieses Mal nur digital zugeschalteten Anteilseignern.

Konkret heißt das etwa, dass die Bilanz 2020 noch stärker leiden könnte als im Vorjahr. Der Dax-Konzern erwartet zumindest im zweiten Quartal einen wohl deutlichen Verlust und ein Milliardenminus beim Free Cashflow. „Der Umgang mit dieser Pandemie ist nach wie vor eine Herausforderung historischer Dimension“, konstatierte Källenius.

Die Folge: Daimler muss seine Kosten noch drastischer reduzieren. Schon vor der Coronakrise beschlossen die Stuttgarter den Abbau von bis zu 15.000 der weltweit 300.000 Stellen. Diese Einsparungen würden aber nur die Transformation hin zu Elektromobilität kompensieren, eine globale Rezession sei darin nicht eingepreist. „Deswegen schärfen wir unseren Kurs nach“, kündigte Källenius an. Details zu den geplanten Maßnahmen nannte er nicht. „Derzeit befinden wir uns mit den Arbeitnehmervertretern in konstruktiven Verhandlungen“, erklärte der 51-Jährige.

Der Druck zu einer schnellen Einigung ist allerdings groß. Im ersten Halbjahr ist der Absatz von Mercedes um fast 19 Prozent eingebrochen. Die Marke mit dem Stern konnte lediglich 870.000 Pkws in den ersten sechs Monaten verkaufen. Noch schlechter lief es bei Daimler Trucks, der zweitgrößten Division des Konzerns. Seit Jahresbeginn konnten die Schwaben lediglich 150.000 Lastwagen weltweit ausliefern. Das ist ein Minus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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    Klar ist nun, dass Daimler seine Produktionskapazitäten nach unten anpassen muss. Daher stellt der Autobauer etwa seine Fabrik im französischen Hambach zum Verkauf. Trotz der angespannten Finanzlage hält Daimler aber an der Ausschüttung einer Dividende fest. Die Forderung einiger Politiker von SPD und Linkspartei, die Gewinnbeteiligung dieses Jahr gänzlich zu streichen – unter anderem weil viele Daimler-Mitarbeiter über Monate hinweg Kurzarbeitergeld erhalten haben –, lehnt Källenius ab.

    „Ich möchte betonen: Wir beziehen keine Staatshilfe. Kurzarbeit – als Instrument der Arbeitslosenversicherung – sichert Arbeitsplätze in Tausenden Unternehmen in Deutschland“, erklärte der Manager. Aus seiner Sicht dürften die Themen nicht vermengt werden. „Wir stehen zu dem Dividendenvorschlag, den wir vor der Pandemie ausgegeben haben“, sagt Källenius. Soll heißen: Auch die Aktionäre müssen sich bescheiden. Ihnen wird die Dividende zwar nicht völlig gekappt, aber doch erheblich gekürzt – von 3,25 Euro auf 90 Cent pro Aktie.

    „Daimler ist ein Sanierungsfall“

    Beim Format der virtuellen Hauptversammlung entfallen die sonst üblichen Redebeiträge wichtiger Investoren. Einige Großaktionäre machten ihren Ärger über das Horrorjahr 2019, in dem der Gewinn von Daimler um fast zwei Drittel auf 2,7 Milliarden Euro eingebrochen war, aber trotzdem in schriftlicher Form deutlich. „Daimler ist ein Sanierungsfall und gibt ein schwaches Bild ab, wohin man schaut: Aktienkurs, operatives Geschäft, Elektromobilität, CO2-Emissionen, Effizienz, Marge“, erläutert Janne Werning von Union Investment. Die Marke Mercedes habe den Wandel zur Elektromobilität verschlafen. „Das ist ein Armutszeugnis“, so Werning.

    Den Portfoliomanager stört, dass Daimler trotz aller Beteuerungen, anders als Volkswagen keine Abgaswerte manipuliert zu haben, eine Rückstellung von 1,9 Milliarden Euro für Dieselverfahren bilden musste. „Die weiße Weste hat Flecken bekommen“, lautet sein Urteil. Als Hauptverantwortlichen für die Misere benennt Union Investment den ehemaligen Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dessen Plan, im kommenden Jahr den Aufsichtsratsvorsitz bei Daimler von Manfred Bischoff zu übernehmen, lehnt Werning entschieden ab: „Ein Weiter-so ist für uns keine Option.“

    Auch Ingo Speich von Deka Investment hält Zetsche für ungeeignet: „Die zahlreichen offenen Rechtsverfahren sind ohne Interessenkonflikt für ihn nicht zu lösen. Zudem kommt Dr. Zetsche aus der Verbrennerwelt und steht für einen viel zu späten Wandel hin zum Elektrozeitalter.“

    In der 13 Jahre dauernden Ära Zetsche sei zudem falsch investiert worden. „Jahrelang war der freie Cashflow extrem niedrig, weil laut Management in die Zukunft investiert wurde. Heute müssen wir feststellen, dass Daimler nicht zukunftsfähig und der Cashflow immer noch enttäuschend gering ist“, sagte Speich.

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    Aufsichtsratschef Bischoff hält die Kritik der Aktionäre dagegen für überzogen. Aus seiner Sicht ist Dieter Zetsche weiterhin ein bestens geeigneter Kandidat, um ihn als Vorsitzenden des Kontrollrats im kommenden Jahr zu beerben. Zugleich erklärte er, dass eine unabhängige Anwaltskanzlei untersuche, ob amtierende oder ehemalige Vorstandsmitglieder für die Manipulation von Dieselabgasen verantwortlich sind.

    China als Hoffnungsschimmer

    Trotz Coronaschock und Spardruck zeigte sich Bischoff insgesamt zuversichtlich, dass Daimler aus der aktuellen Krise „gestärkt“ hervorgehen kann. „Das Geschäftsmodell von Daimler, gepaart mit dem Innovationsgeist, dem Erfahrungsschatz und dem Engagement seiner Mitarbeiter, hat alle Voraussetzungen, Mobilität auf das nächste Level zu bringen“, so Bischoff. Zugleich ist sich der 78-Jährige „völlig bewusst, vor welchen komplexen Aufgaben der Vorstand steht“.

    Hoffnung macht Daimler dabei unter anderem das rasch anziehende Geschäft in China. Im zweiten Quartal konnte Mercedes mehr als 207.000 Pkws dort absetzen. Das ist ein Zuwachs von fast 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Absatz nach sechs Monaten drehte in China damit leicht ins Plus, während die Verkäufe in Europa zum Halbjahr mit 32 Prozent und in den USA mit 14 Prozent im Minus liegen.

    „Das bisher beste zweite Quartal von Mercedes-Benz in China zeigt die beeindruckende Geschwindigkeit, mit der sich die Nachfrage in unserem größten Markt zurzeit erholt“, erklärte Daimler-Vertriebschefin Britta Seeger. Mittlerweile hätten nahezu alle Händler der Marke mit dem Stern weltweit wieder geöffnet. Das Interesse steige stetig. „Das gibt uns Anlass für Optimismus mit Blick auf die Absatzentwicklung im dritten Quartal“, so Seeger.

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