Hauptversammlung in Berlin Daimler-Chef Zetsche kommt in Erklärungsnot

Daimler-Chef Dieter Zetsche preist Elektroantriebe und Roboterautos. Doch die 6.000 Aktionäre beeindruckt das nicht. Sie legen den Finger in die Wunde – und wollen wissen: Droht auch Daimler ein Dieselgate?
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Mit dieser Strategie fährt jetzt Daimler

Mit dieser Strategie fährt jetzt Daimler

BerlinWenn Konzernchefs auf einer Hauptversammlung zu den Aktionären sprechen, dann hat das etwas von einer Regierungserklärung. Genau so verstand Daimler-Chef Dieter Zetsche auch seine halbstündige Rede vor den rund 6.000 Daimler-Aktionären im City-Cube in Berlin. Nicht wie sonst in Jeans und Turnschuhen – sondern in Anzug aber ohne Krawatte – tritt er vor die Hauptversammlung. „Noch nie waren wir so erfolgreich wie heute“, rief Zetsche und verweist auf die starke Bilanz. Mit 3,5 Milliarden Euro schüttet Daimler für 2016 im Vergleich zur Konkurrenz die höchste Dividendensumme im Dax aus.

Zetsche nutzt den Auftritt, um für sein Zukunftsprogramm zu werben. Mehr als zehn Elektroautos wollen die Stuttgarter bis 2022 unter dem Namen „EQ“ auf die Straße bringen. Das kostet aber auch mindestens zehn Milliarden Euro und dürfte die Finanzkraft des Konzern in den kommenden Jahren erheblich fordern.

Das sind die Bestseller von Daimler
Starke Absatzzahlen
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Beim Stuttgarter Autobauer läuft es rund: Dank neuen Bestwerten beim Absatz hat der Autobauer Daimler auch bei Umsatz und Ergebnis noch einmal deutlich zugelegt. 2017 verbuchte Daimler einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro – sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Lagen die Stuttgarter 2012 noch hinter den Rivalen aus München und Ingolstadt, so ist die Marke Mercedes jetzt mit 2,2 Millionen verkauften Autos 200.000 Einheiten vor BMW und 400.000 Stück vor Audi. Die Bestseller im Überblick.

Kompaktklasse
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2017 war mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug bei Mercedes-Benz ein Kompaktwagen – insgesamt 620.000 Mal wurde ein Wagen aus dieser Kategorie verkauft. Dazu gehören beispielsweise die A-Klasse (im Bild) und die B-Klasse.

Kompaktklasse
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Wachsen konnte Mercedes Benz im Kompakt-Segment auch, weil die Marke die Modellpalette um Autos wie die Limousine CLA, den CLA Shooting Brake (im Bild) oder den SUV GLA erweitert hat. Die beiden größten Märkte für Kompaktwagen waren Deutschland und China.

Mittelklasse
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Der Bestseller bei Mercedes ist allerdings das Mittelklasse-Modell C-Klasse: Die Limousine und das T-Modell wurden insgesamt 450.000 Mal verkauft. Ein Viertel ging auf die Langversion der C-Klasse Limousine zurück, ein Modell, das ausschließlich in China gebaut und verkauft wird.

Obere Mittelklasse
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Auch die neuen Modelle der Mercedes E-Klasse haben in ihrem ersten Verkaufsjahr Rekorde gebrochen. Nie war die E-Klasse so beliebt wie in den vergangenen zwölf Monaten – 350.000 Mal wurden die Limousine und das T-Modell verkauft. Daimler schaffte es, mit den neuen Modellen eine Absatzsteigerung von 40 Prozent zu erzielen. Größter Abnehmer der Limousine ist China, dort wurden die Verkäufe sogar verdoppelt.

SUV
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Stärkste Produktkategorie ist bei Daimler – wie auch im Vorjahr – das Segment SUVs: Die Beliebtheit der Geländewagen stieg weiter stark an. 850.000 SUVs konnte der Konzern absetzen. Mit 14 Prozent Absatzwachstum trugen die SUVs maßgeblich zum Verkaufserfolg der Marke bei.

SUVs
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Getrieben wurde das Wachstum in dem Segment vor allem durch starke Verkäufe der Kompakt-SUVs. Bestseller waren die Modell GLC (im Bild) und GLA, die auf den Plattformen der C-Klasse und der A-Klasse basieren.

Allein im vergangenen Jahr stockte Daimler den Entwicklungsetat um 15 Prozent auf sieben Milliarden Euro auf, die Hälfte davon ging in „grüne Technologien“. Schließlich plant Daimler ein „ganzes Ökosystem“ für Mobilität. Dazu gehörten Car-Sharing ebenso wie selbstfahrende Autos oder der „sinnvolle Einsatz künstlicher Intelligenz“, wirbt Zetsche. Dazu werde auch Daimler selbst umgebaut, jeder Fünfte der 282.000 Beschäftigten soll künftig in Schwarmorganisationen arbeiten, die Hierarchiestufen für Entscheidungen werden von sechs auf zwei gekappt. „In meiner ganzen Laufbahn habe ich noch nie einen so starken Veränderungswillen bei Daimler gespürt“, bekennt Zetsche, der seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen arbeitet.

Getrübt wird die Aufbruchsstimmung durch Affären, die den Konzern belasten. Seit vergangener Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen nicht-benannte Daimler-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Betrug und strafbarer Werbung im Zusammenhang mit Dieselmotoren.



Zetsche geht in seiner Rede auf die Vorwürfe ein: „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden“, betont der Daimler-Chef. „Weder das Kraftfahrtbundesamt noch das Bundesverkehrsministerium haben im Rahmen ihrer Messungen bei unseren Fahrzeugen einen Verstoß gegen geltendes Recht festgestellt.“ Dennoch: „Es ist mehr als nachvollziehbar, dass Abweichungen zwischen Labor- und Straßenwerten zu vielen Fragen führen. Um so wichtiger sind klare Regeln und transparente, realistischere Testverfahren.“

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11 Kommentare zu "Hauptversammlung in Berlin: Daimler-Chef Zetsche kommt in Erklärungsnot"

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  • Ich bin für eine sichere und kostengünstige Stromerzeugung, die dann aber für den Verbraucher sehr teuer sein muß, durch Steuern u. Preisabsprachen wie es in Deutschland mit der immer von der Politik geforderten Fairniss Standart ist.

  • @ Herr Joachim Sels29.03.2017, 15:34 Uhr

    "Sobald die diskontinuirliche Produktion von Wasserstoff aus Solarenergie grosstechnisch und wirtschaftlich möglich ist (das Ausschalten der Elektrolyse führt bisher noch zu hohem Anoden/Kathoden-Verbrauch ..) "

    Wenn Sie den Umweg über die Methanisierung gehen, benötigen Sie ungefähr 4 Wind- oder Solar-KWh, um eine Strom-KWh für ein E-Mobil zu erhalten. Das wird dann "nicht ganz billig". Beim Wasserstoff-Auto bliebe wenigstens noch gut die Hälfte der ursprünglichen Wind- bzw. Solarenergie erhalten, allerdings wird das Brennstoffzellenauto -scheinbar aus Kostengründen?- ja kaum von der Industrie verfolgt.

    Die Vergasung überschüssigen Wiundstroms ist allerdings derzeit tatsächlich die einzige gängige Möglichkeit im großen Masstab "Erneuerbaren Strom" zu speichern.

    http://www.ingenieur.de/Themen/Energiespeicher/Wirkungsgrad-Power-to-Gas-konkurrenzfaehig

  • @ Edelgard Kah

    Ich bin für eine Stromerzeugung, die sicher, kostengünstig und umweltverträglich sein muß und bereits Mitglied einer Partei, die für eine umweltverträgliche Energieerzeugung einsteht, aber mit der "Klimaschutzpolitik" dieser Regierung-sprich mit deren Klientelpolitik- aufräumen will.

    Zur Kernenergie kann man natürlich divergierende Poistionen einnehmen. Nur: Deutschland liegt nicht am Rande von Kontinentalplatten wie Japan, ein Tsunami ist bei den deutschen AKW nicht zu erwarten und last but not least ist nicht viel gewonnen, wenn die verhältnismässig sicheren deutschen AKW abgeschaltet werden, wir aber noch Notreserven aus Frankreich, Tschechien oder sonstwo abfordern.

    https://www.welt.de/wirtschaft/energie/article126747871/Uralt-Reaktor-soll-deutschen-Blackout-verhindern.html

    Der deutsche Atomausstieg ist -aus Ihrer Sicht bestimmt -leider- - international eine ziemlich einsame Entscheidung. Alleine in China sind X neue Reaktoren im Bau.....und im Noch-EU-Land UK werden -mit deutschen Geldern über die EU neue Reaktoren gebaut.

    Eine Politik, die die Energieversorgung eines Industrielandes gefährdet, ist für mich ein Schuss ins Knie. Mindestens.

  • @ Herr Hoffmann
    man kann auch sehr erfolgreich und ohne Druck Dieselfrei in die automobile Zukunft fahren. Beschäftigen Sie sich mal etwas näher mit den Verbrauchswerten der Toyota-Hybrid Modelle - oder auch mit dem wasserstoffbetriebenen Mirai. Die Hybridtechnick bei Toyota ist bereits ausgereift. Weltweit fahren viele Hundertausens Toyota-Hybrid Taxis Prius/AURIS & Co durch die Gegend. Ob London, Toronto oder Vancouver: ich habe in diesen Städten die Fahrer nach Verbrauch (unter 4 lt) und Zuverlässigkeit befragt und habe nur Lobeshymnen zu hören bekommen. Alle Dieselstinkertaxis raus aus Stuttgart und wir hätten schon mal ein kleines Problem weniger - so sehen es jedenfalls andere Länder, deren Industrie teilweise kaum weniger von der Autoindustrie abhängen, wie Deutschland. Allerdings wird man bei den meisten dieser Hersteller protzige Dickschiffe und hochgeschwindigkeitstaugliche PKW mit masslos überdimensionierter Leistung in den Serienfahrzeugen nicht finden. Unsere Autoindustrie entwickelt sich Dank staatlichem Schutzschild langsam zu einem erheblichen volkswirtchaftlichen Risikofaktor. Selbstfahrende Auto's schön und gut. Nicht nur meine Priorität sieht anders aus: erst mal möglichst sauber, dann kommen Leistung und andere technische Spielereien. Selbst China fordert zwischenzeitlich 8% saubere Autos (Elektro, Hybid, Wasserstoff) in der Importflotte - auch hier wie vorher schon in Californien und Brüssel hat die deutsche Regierung wieder Sonderrechte ausgehandelt - zum Schaden unserer Beschäftigten in Deutschland und nicht zum Nutzen. Sauber ging früher nicht aber Autofahren ohne technische Spielereien schon. Und das wird auch in Zukunft möglich sein.

  • @Rainer von Horn

    Sie reden davon, Deutschland hätte sich bei der Stigmatisierung der Kernkraftwerke einen energiepolitischen Schuß ins Knie geleistet.

    Ich stelle dazu fest, dass der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie am 30. Juni 2011 im Bundestag in namentlicher Abstimmung und unterstützt von allen Parteien mit übergroßer Mehrheit (513 Stimmen) beschlossen wurde.

    Wenn Sie etwas anderes wollen, steht Ihnen frei, eine eigene Partei zu gründen. Weiter steht Ihnen frei, auf den Trümmern von Fukushima einen Vortrag über die Vorzüge der Atomkraft zu halten.

  • ...........sie haben doch alle das gleiche Problem....keiner kann sich ausklammern.....wieso auch?....sind doch alle Dieselmotoren der Autoschrauber....auf der gleichen Welle geschwommen....Stückzahl und nix anderes....keiner war und ist bis heute Pionier....dergestallt... den Diesel ohne Tunken und Socen.... wirklich sauber auf den Markt zu bringen....was sicher möglich wäre....angeblich würde er teurer werden....aber was solls....würde der Verbraucher Richter spielen.....und den Kauf schon ermöglichen nichtwahr?....und so kommen sie alle auf den Anklagestuhl....früher oder später.....wäre doch ein technischer Leckerbissen....den Diesel in Deutschland erfunden....mit einer "technischen Rakete" am Markt zu lassen.....daß den Mitbewerbern neben dem Unterkiefer auch noch der Oberkiefer aus dem Mund fallen würde.....und sie zwangsläufig deutsche Patente kaufen müßten.....um auch dabei bleiben zu wollen + können.....deshalb nichts dergleichen.....Angst vorm Preis.....diese kleingläubigen Autoschrauber-Vorstände.....man könnte in die Luft gehen.....um mit der alten Zigarettenmarke zu antworten....aber so isset (ist es) eben.....die Gier....die Größe....die Zuwächse.... nur auf den Umsatz-Gaul gebrettert.....nicht mal inne zu halten.....um deutsche Ingenieur-Kunst anzuspitzen + Leine zu geben.....nein... nichts dergleichen.....wäre das wirklich ein Hosianna?.....ja, so ist es.....

  • Wenn man AUDI's Begründung (PREMIUM Hersteller) für die Inkaufnahme schlechter Stickoxidwerte hört, dann kann einem schlecht werden. Tenor: "Wir können es unseren Oberklassefahrern nicht zumuten, an der Tankstelle neben Diesel auch regelmässig das stinkige und klebrige Adblúe zu tanken". Und um gleich zu verhindern, dass dies möglich wird, wurde der Adblue Tank dann so gut versteckt, dass man das halbe Auto ausräumen muss, wenn man auf Reisen ist. Dass Diesel sauberer werden könnten, beweisen die grossen Nutzfahrzeuge. Toyota hat allerdings bereits seit 2012 offiziell verkündet, dass man ab 2020 keine Diesel mehr in normale PKW einbauen will - aus ökonimischen Gründen übrigens ! Und bis dahin spart man sich auch die Weiterentwicklung und baut BMW Motoren ein. Um zu erkennen, ob auch Mercedes mogelt, muss man nur den ADBLUE-Verbrauch von vergleichbaren Auto's der beiden Marken vergleichen. Welcher Technologie die Zukunft gehören wird, hängt massgeblich davon ab, wie das Energiespeicherproblem gelöst werden kann. Sobald die diskontinuirliche Produktion von Wasserstoff aus Solarenergie grosstechnisch und wirtschaftlich möglich ist (das Ausschalten der Elektrolyse führt bisher noch zu hohem Anoden/Kathoden-Verbrauch ..) wäre man auf dem Weg zur klimaneutralen Fortbwegung per Brennstoffzellenauto ein gehöriges Stück nähergerückt. Die reine "Elektowelt" ist erst dann Ordnung, wenn bei Herstellung und Entsorgung der verschiedenen Batteriesysteme die Umweltbilanz deutlich verbessert werden kann.

  • @ Arndt Stricker

    Nachdem wir Deutschen uns ja bereits bei der Stigmatisierung der Kernkraftwerke einen energiepolitischen Schuss ins Knie geleistet haben, muss dieser Erfolg nun industriepolitisch beim effizienten Dieselantrieb wiederholt werden, denn irgendwie müssen wir ja unsere Leistungsbilanzüberschüsse in den Griff bekommen....

    Soweit ich weiss, wäre das Stickoxidproblem mit größeren Harnstofftanks/oder kürzeren Nachfüllintervallen in den Griff zu bekommen, aber das ist den Deutschen einfach zu einfach.

  • Wenn Daimler seine Dieselsoftware vom gleichen Zulieferer bezogen hat, würde mich ein Dieselgate nicht wundern.....

  • @ Arnd

    Die Amis wollen genau wie die Saudis doch gar keine kleinen Autos fahren.
    Zudem ist der Sprit im vergleich zu Euroland viel billiger, weshalb es dann auch nicht aus macht, wenn so ein SUV locker 20 -25 Liter pro 100 Kilometer Strecke verbrennt.
    Umwekltschutz spielt in den Staaten mit Trump jetzt eh keine Rolle mehr.
    Heute wurde ja ein Dekret von ihm erlassen, dass so gut wie alle Umweltschutzrichtlinien der Vorgänegrregierung einkassiert. Menschgemachte Erderwärmung ist ja bekanntlich eine Klimalüge, fragen Sie mal bei Marc Hofmann hier im HB-Forum nach, der kann ihnen dass sehr gut erklären, warum ohne massiven CO2 Ausstoß alles wirtschaftlich den Bach runter geht

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