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Hauptversammlung „Mit dem Abschneiden nicht zufrieden“: Conti-Chef Degenhart erwartet lange Durststrecke

Der Conti-CEO rechnet damit, dass sich die weltweite Pkw-Produktion frühestens 2025 erholt. Der Konzern muss Kosten und Überkapazitäten senken. 2000 Stellen wurden bereits abgebaut.
14.07.2020 Update: 14.07.2020 - 16:14 Uhr Kommentieren
Der Chef des Zulieferers senkt die Kosten, um den Konzern durch die Coronakrise zu bringen. Quelle: dpa
Elmar Degenhart

Der Chef des Zulieferers senkt die Kosten, um den Konzern durch die Coronakrise zu bringen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Elmar Degenhart versucht gar nicht erst, die eindeutige Faktenlage zu beschönigen. „Ich sage es klar: Mit diesem Abschneiden sind wir nicht zufrieden“, sagte der Continental-Chef auf der ersten virtuellen Hauptversammlung des Zulieferers. Die fand in diesem Jahr nicht wie sonst üblich im historischen Kuppelsaal des Hannover Congress Centrums statt, sondern in der Hannoveraner Konzernzentrale Continentals.

Das vergangene Geschäftsjahr war vom laufenden Konzernumbau geprägt. Continental strebt eine Holding-Struktur an, die eine Dreiteilung des Konzerns und eine Abspaltung der Antriebssparte Vitesco Technologies vorsieht. Zeitgleich sah sich die Autoindustrie rückläufigen Produktionszahlen ausgesetzt. Bei Conti haben sich deswegen alle Kennzahlen im Konzern schlechter entwickelt als 2018. Erstmals seit zehn Jahren musste das Unternehmen sogar ein negatives Ergebnis hinnehmen.

Die Coronakrise erschwert die Lage nun zusätzlich. Zeitweise standen alle Conti-Werke still, rund 30.000 Mitarbeiter sind seit April in Kurzarbeit. Die weltweite Fahrzeugproduktion wird zudem stärker einbrechen als erwartet, erklärte Degenhart: „Höchstens 70 Millionen Autos verlassen das Band bis Ende 2020. Vergleichbare Einbrüche gab es zuletzt in der großen Krise um 1930.“

Der Conti-Chef stellt die Aktionäre zudem auf eine längere Durststrecke ein. Zwar wird seit Juni wieder in allen Werken produziert. Degenhart jedoch rechnet frühestens nach 2025 mit Produktionszahlen auf einem Niveau von 2017. Der Aktienkurs spiegelt diese Entwicklung wider. Vom Hoch bei 157 Euro im April vergangenen Jahres notiert der Aktienkurs derzeit um die Hälfte niedriger. Mitte März, in der akuten Phase der Corona-Pandemie, stürzten die Conti-Papiere sogar auf unter 60 Euro ab.

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    Anfang Juli sorgte auch eine Razzia an drei Standorten für Aufregung. Die Staatsanwaltschaft Hannover geht dem Verdacht nach, dass sich neun Conti-Mitarbeiter aktiv an den VW-Dieselmanipulationen beteiligt hätten. Auf der Hauptversammlung wollte sich der Vorstand unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

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    Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle dankte dem Vorstand auf der Hauptversammlung dennoch für die „hervorragende Leistung“. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat wurden mit der erforderlichen Mehrheit der Aktionäre entlastet.

    Bei der virtuellen Hauptversammlung entfielen die sonst üblichen Redebeiträge wichtiger Investoren. Schriftlich erklärte Winfried Mathes von der Deka Investment: „Die Coronakrise schüttelt den einstigen Strahlemann der Autozulieferer kräftig durch. Nachdem das Geschäftsjahr 2019 schon durch einen deutlichen Rückgang beim bereinigten operativen Ergebnis gekennzeichnet war, droht jetzt weiteres Ungemach.“

    Die Frage sei nun, wie stark der Ergebniseinbruch ausfallen wird und ob und wann das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht werde. Dazu gibt Continental weiterhin keine Hinweise. Mit der Gewinnwarnung Anfang April hatte das Unternehmen die Prognose für das laufende Geschäftsjahr kassiert, und es hat bisher keine neue abgegeben. Degenhart erklärt auf der virtuellen Versammlung, dass in den ersten beiden Monaten des ersten Quartals besonders starke Umsatzrückgänge in China verzeichnet wurden, im März dann in allen Regionen der Welt.

    Im April rutschten die Umsätze dann auf ein historisch niedriges Niveau. Erst im Mai hätte es erste Anzeichen einer Erholung gegeben. Dennoch seien Stand heute die Umsätze in allen Regionen deutlich unter dem Vorjahresniveau. Außerdem seien die Entwicklungen in China nach wie vor sehr volatil.

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    Degenhart und sein Vorstandsteam müssen im laufenden Geschäftsjahr Continental nicht nur strukturell verändern, sondern auch noch krisenfest machen. Neben dem im September beschlossenen, auf zehn Jahre angelegten Strukturprogramm kommen nun weitere Corona-Maßnahmen hinzu, die sich unmittelbar auf den Cashflow auswirken.

    Als erste Maßnahme wurden die Investitionen um ein Fünftel gesenkt. Laut Degenhart würden die Ausgaben dort reduziert, wo eine geringere Umsatzentwicklung erwartet werde. Davon betroffen sind unter anderem Teilbereiche des hochautomatisierten Fahrens.

    Die Autobauer würden derzeit eher Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalteassistenten und Abstandstempomaten nachfragen. Auch die Arbeits- und Sachkosten werden gesenkt, darüber hinaus wird das Umlaufvermögen reduziert. Mit den Corona-Maßnahmen will der Konzern bis 2022 mehrere Hundert Millionen Euro einsparen.

    Diskutiert wird zudem eine kollektive Absenkung der Arbeitszeit der Conti-Mitarbeiter. Die Arbeitszeitabsenkung hat im Gegensatz zur Kurzarbeit den Vorteil, dass das Management mehr Handlungsfreiheit bekommt. Denn solange Conti Kurzarbeit in Anspruch nimmt, kann das Management nicht alle Maßnahmen des Sparprogramms anwenden.

    Dieses soll ab 2023 ein Sparpotenzial von jährlich 500 Millionen Euro entfalten. Voraussetzung dafür ist die Abspaltung der Antriebssparte Vitesco. Die jedoch stockt, weil sich wegen Corona das wirtschaftliche Umfeld derart eingetrübt hat, dass ein zeitnaher Börsengang wirtschaftlich kaum sinnvoll ist.

    2000 Stellen bereits abgebaut

    Im Rahmen des Sparprogramms stehen 20.000 Arbeitsplätze zur Disposition, davon allein in Deutschland 7000. Conti spricht explizit nicht von Arbeitsplatzabbau. Stattdessen würde die Arbeit im Konzern verändert. Mithilfe von Weiterbildungsmaßnahmen sollen so viele Mitarbeiter wie möglich auf den neuen Konzernschwerpunkt vorbereitet werden. Der wird mehr auf Software und Elektronik liegen und weniger auf mechanischen Komponenten.

    „Fast 3000 Arbeitsplätze weltweit haben wir bereits so verändert“, sagte Degenhart auf der Hauptversammlung. Was das konkret bedeutet, beantwortete der Konzernchef später in der Aktionärsfragerunde. Demnach haben von den 3000 Mitarbeitern, deren Arbeitsplatz sich „verändert“ habe, rund zwei Drittel, also etwa 2000, das Unternehmen verlassen.

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    Die Aktionäre wiederum bekommen trotz allem eine recht üppige Dividende. Rund drei Euro pro Aktie zahlt Conti den Anteilseignern aus. Insgesamt beläuft sich die Ausschüttungssumme auf 600 Millionen Euro. Angesichts der Herausforderungen rund um Corona ist das keine Selbstverständlichkeit.

    Eine Null-Dividende wurde laut Finanzchef Wolfgang Schäfer dennoch nicht diskutiert, was vermutlich auch nicht im Interesse des Ankeraktionärs Schaeffler gewesen wäre, der 46 Prozent an Continental hält.

    Das dürfte nicht jedem Conti-Beschäftigten gefallen. Denn betriebsbedingte Kündigungen ausschließen kann das Conti-Management nicht. Die Zweite Vorsitzende der IG Metall und Vize-Aufsichtsratschefin von Continental, Christiane Benner, forderte eine Strategie, die Beschäftigung bestmöglich sichere. „Der Dreisatz, aus einem Umsatzrückgang einen entsprechenden Personalabbau zu berechnen, ist definitiv zu kurz gesprungen.“

    Im Anschluss an die Hauptversammlung hat am Dienstag noch eine Aufsichtsratssitzung stattgefunden. Dabei wurden weitere Maßnahmen des Strukturprogramms durch das Aufsichtsgremium genehmigt, die Werke außerhalb Deutschlands betreffen. Zum einen wird der spanisches Standort Rubi bis Ende 2021 geschlossen. Dort hatten rund 740 Mitarbeiter Anzeige- und Bedientechnologien produziert. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften hat das Unternehmen eine Vereinbarung mit den betroffenen Mitarbeitern getroffen.

    Darüber hinaus wird auch ein Werk in Nogales in Mexiko mit 2000 Mitarbeitern geschlossen. Die Produktion wird schrittweise bis Mitte 2024 runtergefahren. Die Entscheidung hierfür erfolge laut Mitteilung von Conti vor dem Hintergrund des steigenden Kostendrucks.

    Mehr: Beim Autozulieferer sinkt der Gewinn in allen Bereichen, es wird weiter gespart. Hoffnung macht die Reifensparte – doch viele Risiken bleiben.

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