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Hauptversammlung Siemens muss die Umweltschützer unter den Aktionären fürchten

Seit Wochen steht Siemens im Fokus von Umweltschützern und Klimaaktivisten. Auf der Hauptversammlung finden sie allerdings nicht nur Unterstützer.
05.02.2020 Update: 05.02.2020 - 15:50 Uhr Kommentieren
Siemens Hauptversammlung: Der Konzern muss Klimakritik fürchten Quelle: AFP
Proteste vor der Hauptversammlung

Siemens steht in der Kritik der Klimaschützer.

(Foto: AFP)

München „Klimakiller Siemens“ – Mit diesen und ähnlichen Sprüchen werden die Aktionäre des Münchner Industriekonzerns schon um kurz nach acht Uhr morgens von den ersten Demonstranten vor dem Haupteingang der Olympiahallen begrüßt. Die angekündigte Großdemonstration am Nachmittag bleibt zwar mit ein paar hundert Menschen recht überschaubar, an lauter Kritik mangelte es an diesem Mittwoch aber trotzdem nicht.

Der Industriekonzern steht bereits seit Wochen im Mittelpunkt der Klimadebatte.

Die Aktivisten fordern einen sofortigen Stopp der Siemens-Beteiligung an dem umstrittenen Kohleprojekt Adani in Australien. Die Aktionäre, die am Mittwochmorgen an den Rufen vorbei auf die Jahreshauptversammlung des Weltkonzerns strömen, blicken mit einer Mischung aus Unterstützung und Missmut auf die Demonstranten.

Während die einen finden, dass das Thema viel zu sehr aufgebauscht wird, stellen sich andere klar auf die Seite der Demonstranten. „Klimaschutz und Rendite gehen miteinander her. Siemens hätte den Auftrag des indischen Adani-Konzerns nicht annehmen dürfen“, sagt Vera Diehl von der Union Investment und nennt das Ganze ein „kommunikatives Desaster“. Und genau das werde man auch auf der Hauptversammlung kritisieren.

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    Dort stehen heute nicht nur die typischen Aktionäre auf der Bühne, sondern auch viele Aktivisten. So auch die 17-Jährige Varsha Yajman aus Australien. Sie bat Kaeser persönlich, den Vertrag mit Adani sofort zu kündigen – ihr Leben hänge davon ab. Yajman kritisierte vor allem, dass Siemens den Vertrag unterschrieben habe, obwohl mit Australien „mein Land brennt“. 

    Fridays For Future-Aktivistin Helena Marschall schloss sich ihr in ihrer Rede an. In den 173 Jahren, in denen es Siemens gebe, sei der „globale Grad der Zerstörung der Welt nie so existenziell“ gewesen wie heute. Für die 17-Jährige ist das Adani-Projekt von Siemens nur „die Spitze des Eisbergs.“

    Der Konzern rechne sich die Welt schön. „Ein Konzern, der das Paris-Abkommen unterstützt, muss jede Investition auf dieses Ziel hin unterstützen. Alles andere ist Schönfärberei“, erklärte Marschall. Eine Vertreterin für die beiden indigenen Völker Wangan und Jagalingouin aus Australien kritisierte die Beteiligung des Münchner Industriekonzerns ebenfalls scharf.

    Auf dem Land der indigenen Völker liegen große Teile der geplanten Kohlemine. Ihr Volk leiste Widerstand gegen den Bau der Mine – und das schon seit zwölf Jahren. Kaeser hatte zuvor behauptet, dass die indigene Bevölkerung in Australien dem Projekt zugestimmt hätte. 

    Schon seit mehreren Wochen steht Siemens wegen eines umstrittenen Bergbau-Projektes von Adani in Australien massiv in der Kritik. Umwelt- und Klimaschützer – darunter die Fridays-for-Future-Bewegung – protestieren vehement gegen eine Siemens-Zulieferung für das riesige Kohlebergwerk, das in Australien geplant ist. Kaeser hatte sogar das Gespräch mit „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer gesucht, allerdings ohne Erfolg.

    Am Dienstag hatten Aktivisten und Umweltschützer ihre Forderungen noch einmal verschärft. Die Lieferung von Signaltechnik für das Minenprojekt sei nur die Spitze des Eisbergs, sagte Regine Richter von der Initiative Urgewald. „Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, dürfen keine neuen Kohlekraftwerke gebaut werden.“ Siemens müsse sich ganz von Kohle, Gas und Öl verabschieden.

    Damit zielt Richter auf die Energie-Sparte des Industrieriesen ab, die im Laufe des Jahres abgespalten und an die Börse gebracht werden soll. In der neuen Siemens Energy werden allerdings nicht nur die Erneuerbaren Aktivitäten, wie die Windtochter Siemens Gamesa gebündelt, sondern auch das immer noch sehr große Geschäft mit Gasturbinen. Zudem ist der Service für ältere Kraftwerke ein wichtiges Standbein. Die regenerativen Energien steuern bislang nur einen kleineren Teil zum Gewinn bei.

    Neue Kraftwerke sollen CO2-Emissionen senken

    Siemens-CEO Joe Kaeser verteidigte die Entscheidung sich nicht aus dem Adani-Projekt zurückzuziehen am Mittwoch erneut. Dass ausgerechnet Siemens mit seinem vergleichsweisen kleinen Auftrag zur Zielscheibe geworden sei, nannte Kaeser „fast schon grotesk“.

    Er bekräftigte aber auch, dass der Konzern den Auftrag im Nachhinein lieber nicht angenommen hätte. Man habe das gesamte Bild des Auftrages nicht richtig und nicht rechtzeitig gesehen. „Daran ändert auch die Realität nichts, dass die von uns gelieferte Signaltechnikanlage für einen sicheren Zugverkehr für die Inbetriebnahme der umstrittenen Mine irrelevant ist“, so Kaeser in München.

    Investoren zeigten zwar Verständnis für die Entscheidung von Siemens, an dem Auftrag festzuhalten. Marcus Poppe von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS sagte aber auch: „Nicht zu erkennen, dass ein Reputationsschaden entstehen könnte, ein zwar genehmigtes aber seit Jahren umstrittenes Kohleprojekt zu beliefern, war ein Fehler.“ Winfried Mathes von der Deka forderte von Siemens „eine eindeutige Definition, welche Produkte und Dienstleistungen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten angeboten werden können“.

    Siemens-Chef Kaeser hatte ein neues Nachhaltigkeitsgremium mit teils auch externen Experten bei der neuen Siemens Energy angekündigt. Dieses solle künftig rechtzeitig vor Vertragsabschluss mögliche Aufträge auf Umwelt- und Klimaaspekte prüfen und rechtzeitig einschreiten können.

    Allerdings sehen Konzerninsider das Projekt skeptisch. Schließlich sei es schwer, die Grenzen zu ziehen. So hat Siemens Energy viele Serviceaufträge für ältere Kraftwerke. Und neue, besonders effiziente Kraftwerke könnten helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren.

    Kaeser kritisiert Klimaschutz-Aktivisten für „fast groteske“ Proteste

    Mehr: Siemens ist mit schwachen Ergebnissen ins neue Geschäftsjahr gestartet. Vor allem die Zahlen der Energiegeschäfte sind schlecht – und bei einer digitalen Vorzeigesparte gibt es Probleme.

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