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VW-Chef Herbert Diess

„Großen Ballast können wir uns auf Dauer nicht leisten.“

(Foto: dpa)

Hauptversammlung VW-Chef Diess schwört die Aktionäre auf seinen grünen Kurs ein

Der Vorstandschef des Wolfsburger Autobauers verordnet den Anteilseignern auf der Hauptversammlung seinen Elektrokurs. Es gebe keine Alternative dazu.
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BerlinVor der Veranstaltungshalle CityCube auf dem Berliner Messegelände verlieren sich einige wenige Demonstranten. „Retten Sie die Erde“ steht auf einem der Transparente. Doch der erwartete große Ansturm von Umweltschützern auf der Hauptversammlung von Volkswagen ist ausgeblieben. Der Auftritt der wenigen Demonstranten dauert am Dienstag nur eine gute halbe Stunde, dann herrscht auf dem großen Platz vor der Veranstaltungshalle wieder gähnende Leere.

Umweltschutz und die Zukunft der Erdatmosphäre sind trotzdem ein großes Thema im Inneren des CityCube, nämlich in der Hauptversammlungsrede von VW-Vorstandschef Herbert Diess. Er will die düstere Dieselvergangenheit des Wolfsburger Autokonzerns vergessen lassen. Volkswagen soll künftig an seinen neuen Elektroautos gemessen werden und nicht mehr an den millionenfachen Manipulationen mit Dieselmotoren.

„Der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung der Menschheit“, sagte der Konzernchef vor den Aktionären in der nicht ganz gefüllten Tagungshalle. Die Automobilindustrie – und damit auch Volkswagen – müsse ihren eigenen Beitrag dazu leisten, die Kohlendioxid-Belastung der Atmosphäre deutlich zu reduzieren. Industrie und Gesellschaften machten eine Zeitenwende durch. Das Auto müsse deutlich sauberer werden – „nur so hat die Automobilität eine gute Zukunft“.

Diess verteidigt seinen Kurs, in den kommenden Jahren verstärkt auf rein batteriegetriebene Elektroautos zu setzen. „Auf absehbare Zeit gibt es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb“, betonte der Volkswagen-Konzernchef. Über den gesamten Lebenszyklus von 200.000 Kilometern emittiere ein Elektroauto im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nur die halbe Menge an Kohlendioxid.

Auch der Brennstoffzellen-Antrieb ist für Volkswagen absehbar keine Alternative. „Diese Technologie ist einfach noch nicht reif für die Großserienfertigung“, sagte Diess. Die Brennstoffzelle mit Wasserstoff-Versorgung werde nicht mit der nötigen Energieeffizienz verfügbar sein.

Zudem müsste dafür noch eine zusätzliche Tankinfrastruktur mit neuen Wasserstoff-Tankstellen errichtet werden. Wasserstoff sei nur dann eine sinnvolle Alternative, wenn dieser neue Kraftstoff aus den Überschüssen von erneuerbaren Energieformen produziert werden könne.

„Davon sind wir weit entfernt“, sagte Konzernchef Diess. Deshalb fordere Volkswagen ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität und ein entschlossenes Handeln aller Beteiligten. Ein deutlicher Hinweis des Volkswagen-Chefs, dass er sich insbesondere von der Berliner Politik eine stärkere Unterstützung beim Aufbau eines Elektro-Ladenetzes wünscht.

Ein wesentlicher Baustein der Elektrostrategie von Volkswagen ist der Aufbau einer eigenen Fertigung von Batteriezellen. Bislang wird dieses Geschäft von milliardenschweren Anbietern aus Japan, Korea und China bestimmt. Volkswagen will sich mit dem Aufbau eigener Zellfabriken davon unabhängig machen. Am Montagabend hatte der Volkswagen-Aufsichtsrat eine Milliarde Euro für den Bau einer eigenen Fabrik im niedersächsischen Salzgitter bereitgestellt.

Volkswagen will dabei mit einem europäischen Partner zusammenarbeiten und nicht mit den bekannten Marktführern aus Asien. Wie dazu aus Konzernkreisen verlautete, will Volkswagen mit dem schwedischen Unternehmen Northvolt kooperieren. Der Wolfsburger Konzern kommentierte diese Angabe nicht.

Beim anstehenden Umbau der Autoindustrie in Richtung Elektromobilität sieht der VW-Vorstandschef allerdings nicht nur Defizite in der Politik, sondern auch im eigenen Unternehmen. „Wir kämpfen heute an einigen Stellen noch mit schwerfälligen Strukturen, komplexen Prozessen und hohen Kosten“, sagte Diess.

Volkswagen könne sich „großen Ballast“ auf Dauer nicht leisten. Bei allen Konzernmarken seien deshalb Effizienzprogramme gestartet worden, um das Ertragsniveau zu halten und die milliardenschweren Zukunftsinvestitionen stemmen zu können. Dazu gehöre auch ein stärkerer Fokus auf das automobile Kerngeschäft. Randbereiche wie die Maschinen- und Motorenbauer Renk und MAN Energy Solutions könnten verkauft werden, hatte der VW-Konzernaufsichtsrat am Montag beschlossen.

Der Ruf von Diess nach mehr Effizienz war ein Hinweis auf den schwelenden Konflikt mit dem eigenen Betriebsrat über den zusätzlichen Abbau von Personal, überwiegend in der Konzernverwaltung. Der Vorstand will rund 7000 Stellen streichen, die Arbeitnehmerbank hält noch dagegen.

Betriebsratschef Bernd Osterloh erwartet eine baldige Einigung mit dem Konzern über das neue Sparprogramm. Die Gespräche liefen gut, erklärte Osterloh am Rande der Hauptversammlung. „Ich bin überzeugt, dass wir hier noch im Mai ein Ergebnis verkünden können“, ergänzte der Betriebsratschef.

Unter professionellen Investoren stößt der Kurs des Konzerns auf Widerspruch. „2018 war kein Glanzjahr für die leidgeprüften VW-Aktionäre“, sagte Ingo Speich von Deka Investments. Volkswagen sorge immer noch durch die Dieselaffäre für Schlagzeilen und nicht durch neue Modelle.

„Als Aktionäre unterstützen wir die Bemühungen um alternative Antriebe“, sagte Hendrik Schmidt von der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Doch der VW-Konzern komme mit seinen neuen Fahrzeugen viel zu spät auf den Markt. „Warum erst jetzt?“, fragte Schmidt. Volkswagen solle sich zudem nicht nur auf die Kohlendioxid-Thematik konzentrieren. Auch der hohe Lithium-Verbrauch in den Batterien für Elektroautos sorge für Umweltprobleme.

„Ich mache persönlich Tempo bei der Transformation von Volkswagen“

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1 Kommentar zu "Hauptversammlung: VW-Chef Diess schwört die Aktionäre auf seinen grünen Kurs ein"

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  • Warum stellt sich Herr Diess als Teelicht dar. Selbstverständlich gibt es immer Alternativen.

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