Heckler & Koch

Der Waffenproduzent hat mit alten Krisen zu kämpfen.

(Foto: dpa)

Hauptversammlung Wie die Waffenschmiede Heckler & Koch ihren Ruf reinwaschen will

Bei der Hauptversammlung bemüht sich der Waffenhersteller um Optimismus. Doch die Krisen der Vergangenheit sind längst nicht ausgestanden.
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Rottweil, BerlinEs ist ein verwunschenes historisches Industriegebiet, im Neckartal bei Rottweil, wohin sich die Waffenschmiede Heckler & Koch (H&K) für seine Hauptversammlung zurückgezogen hat. Drinnen sind Lederstühle aufgestellt, antike Kommoden und Tische zieren den Raum. Draußen haben sich Bodyguards aufgebaut, die jedem High-Society-Nachtclub zur Ehre gereichen würden.

Doch die früher so verschlossene Gesellschaft ist durchlässiger geworden, seit Friedensaktivisten in Kleinstmengen Aktien kaufen. So kommt es, dass ein großer Teil der 30 Anwesenden H&K am liebsten abschaffen würde. Einfluss haben sie indes keinen, denn die Mehrheit des Kapitals wird wohl von Finanzinvestor Andreas Heeschen kontrolliert. Er soll über 54 Prozent der Aktien verfügen. Selbst anwesend ist er nicht.

Im Badhaus der ehemaligen Pulverfabrik in Rottweil wuschen sich die Arbeiter früher den Dreck von ihren Körpern. Das passt irgendwie ganz gut zur Situation des Unternehmens. Die vielen Krisen und Gerichtsprozesse der jüngeren Vergangenheit haben den Ruf der Oberndorfer Firma ziemlich beschmutzt.

Der neue Vorstand Jens Bodo Koch muss schnellstmöglich saubermachen. „Wir werden die Grüne-Länder-Strategie fortführen“, kündigte der 46-Jährige dann auch gleich an. Diese sieht vor, dass nur noch Nato-Nationen und deren engste Bündnispartner mit technisch hochwertigen H&K-Waffen schießen dürfen.

„In den richtigen Händen stellen unsere Produkte einen wichtigen Baustein der Sicherheitsarchitektur vieler Demokratien in Europa und der Nato dar“, sagte Aufsichtsratschef Dieter John.

Der bekannteste Friedensaktivist im Raum, der Freiburger Jürgen Grässlin, kritisiert aber, dass die Altaufträge noch abgearbeitet werden. Es würden noch immer Waffen in Länder wie Indonesien, oder Malaysia geliefert werden.

Der besondere Fokus auf die „grünen Länder“ ist eine Reaktion auf den Großprozess, der derzeit am Stuttgarter Landgericht geführt wird. Fünf ehemalige Mitarbeiter von H&K – darunter zwei Geschäftsführer – müssen sich verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hat sie angeklagt, weil sie illegal 4700 Sturmgewehre G36 in mexikanische Unruheprovinzen verschoben haben sollen. Ein Schuldspruch wäre für H&K fatal. Damit würde amtlich, dass sich die Oberndorfer tief in illegalen Waffenhandel verstrickt haben.

Doch der ramponierte Ruf ist nur ein Problem, dass H&K lösen muss. Drängend ist auch die schwierige Finanzsituation der Rüstungsschmiede. 13,4 Millionen Verlust hat H&K im Jahr 2017 gemacht, der Konzernumsatz fiel um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Eine Trendwende ist 2018 bislang nicht zu erkennen. Im ersten Halbjahr verbuchte das Unternehmen 2,3 Millionen Euro Miese, im Vorjahreszeitraum war ein knapper Gewinn vermeldet worden.

Optimismus oder Durchhalteparolen?

Im April half ein zinsfreier Überbrückungskredit von 30 Millionen Euro, die Finanzsituation auszugleichen. Als kurz darauf die Ratingagentur Moody’s H&K auf das Kreditwürdigkeitsniveau des Iraks herunterstufte, reagierte das Unternehmen prompt: Es trennte sich von Moody’s und einer zweiten der Ratingagentur. Die Ratings würden nicht gebraucht, teilte H&K mit. Finanzvorstand Wolfgang Hesse scheidet zum Jahresende aus – angeblich aus „privaten Gründen“.

So lassen sich die Beteuerungen der Geschäftsführung, dass erste Erfolge eines Stabilisierungsprozesses sichtbar seien, auch als Durchhalteparole deuten. „Wir stecken mitten in einer großen Veränderung. Das geht nicht von heute auf morgen. Die Weichen sind aber gestellt“, sagte Vorstand Koch.

Die Fremdverschuldung sei von 220 auf 189 Millionen Euro reduziert worden. „Wir müssen weiter die Verschuldung reduzieren“, sagte Koch. Eine Dividende werde nicht gezahlt.

H&K sei erfolgreich im Markt, aber ertragsschwach. Deshalb habe man die Maschinen in Oberndorf neu angeordnet und damit die Durchlaufzeiten um 50 Prozent verringert, erklärte Koch.

Wichtige Aufträge gebe es zurzeit vor allem für die Pistole SFP 9, die als Polizeiwaffen in mehrere Bundesländer – darunter Bayern – verkauft wird. In drei Bundesländern hatte es Kritik und Unzufriedenheit bei den Abnehmern geben, was Koch einräumte. „Mit der überarbeiteten Version sind die Kunden zufrieden.“

Besonders im Verteidigungsministerium dürfte die Entwicklung von H&K ganz genau beobachtet werden. Derzeit läuft die Ausschreibung für die neue Ordonanzwaffe der Bundeswehr. H&K gilt als aussichtsreichster Kandidat, nachdem sich die gefährlichsten Konkurrenten SIG Sauer und Rheinmetall-Steyr aus dem Vergabeprozess zurückgezogen haben. Die 120.000 Gewehre sind für 250 Millionen Euro ausgeschrieben. Es geht also um viel Geld, das H&K gut gebrauchen könnte.

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