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Hermann Lübbert Showdown in Leverkusen: Biofrontera-Chef streitet sich mit seinem größten Aktionär vor Gericht

Die Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Biotechunternehmen Biofrontera und seinem größten Aktionär steuert auf einen Entscheidungskampf zu.
28.06.2019 - 11:53 Uhr Kommentieren
Der Vorstandsvorsitzende der Biofrontera AG ist mit einem bitteren Abwehrkampf gegen seinen größten Aktionär beschäftigt. Quelle: Biofrontera
Hermann Lübbert

Der Vorstandsvorsitzende der Biofrontera AG ist mit einem bitteren Abwehrkampf gegen seinen größten Aktionär beschäftigt.

(Foto: Biofrontera)

Frankfurt Die Leverkusener Firma Biofrontera könnte eigentlich so etwas sein wie das mustergültige deutsche Biotechunternehmen. Hermann Lübbert hat die Firma 1997 gegründet, führt es seither als CEO und konzentriert sich dabei seit Mitte der 2000er-Jahre vor allem auf die Dermatologie. Dabei gelang dem habilitierten Biologen mit Biofrontera etwas, was zuvor keine deutsche Biotechfirma geschafft hatte: ein selbst entwickeltes Medikament sowohl in Europa als auch in den USA durch die Zulassung zu bringen.

Das Medikament Ameluz gegen aktinische Keratosen, eine Vorstufe von Hautkrebs, ist seit 2012 in Europa und seit 2016 auch in den USA auf dem Markt. Das Geschäft lief zunächst zwar schleppend, kommt inzwischen aber in Fahrt. Drei Jahre hintereinander hat sich der Umsatz verdoppelt, auf 21 Millionen Euro im letzten Jahr, für 2019 werden 35 bis 40 Millionen Euro erwartet.

Doch statt den Erfolg eines aufstrebenden Pharma-Newcomers zu genießen, ist Firmengründer Lübbert in diesen Tagen vor allem mit einem bitteren Abwehrkampf gegen seinen größten Aktionär beschäftigt. Der Gegner heißt Deutsche Balaton AG, oder genauer gesagt: Wilhelm Zours, ein Finanzinvestor aus Heidelberg, der über die Unternehmensberatung Delphi die börsennotierte Balaton mit 70 Prozent Kapitalanteil kontrolliert.

Über Delphi und Balaton ist Zours von 2015 an bei Biofrontera eingestiegen. Inzwischen hält er knapp 27 Prozent und agiert seit gut zwei Jahren als aggressiver Kritiker von Lübbert und der Biofrontera-Verwaltung.

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    Der zentrale Vorwurf dabei: Biofrontera begünstige einseitig ihren zweiten Großaktionär, die japanische Pharmafirma Maruho, bei Transaktionen, Kooperationsvereinbarungen und Kapitalmaßnahmen, verschenke dadurch Potenzial zulasten der anderen Aktionäre und verschleudere Aktionärsvermögen mit unsinnigen und teuren Listings in London und New York.

    Lübbert und der Biofrontera-Vorstand weisen die Vorwürfe zurück und unterstützen den Großaktionär in seinem Bestreben nach einem höheren Anteil. Maruho, die selbst im Geschäft mit Hautmedikamenten tätig ist, hält 20 Prozent an Biofrontera und versteht sich als strategischer Investor. In einer von Biofrontera unterstützten Offerte bieten die Japaner 7,20 Euro je Aktie, um ihren Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken.

    Der Kontrahent Balaton hat das mit einer gleich hohen Offerte gekontert, wenn auch nur für etwas mehr als ein Prozent des Biofrontera-Kapitals.

    Streit vor Gericht

    Auch ansonsten ist die Lage komplex und verfahren. Seit 2016 kämpfen Zours und seine Balaton-Gruppe mit diversen Gegenanträgen und Anfechtungsklagen gegen die Biofrontera-Führung. Die meisten Klagen wurden abgewiesen. Und ein Sondergutachten der Kanzlei Hengeler Mueller bescheinigte dem Biofrontera-Vorstand, dass er sich beim US-Listing und der damit verbundenen Kapitalerhöhung keinerlei Pflichtverletzung schuldig gemacht habe.

    Einen juristischen Erfolg errangen Zours und Balaton indessen in Gestalt einer Entscheidung des OLG Köln, das ein genehmigtes Kapital und die Entlastung des Biofrontera-Vorstandes im Jahr 2017 für nichtig erklärte. Biofrontera wiederum hat Zours und dessen Firmen in New York wegen Verstößen gegen Wertpapiergesetze und Verleumdung verklagt.

    Der nächste Schlagabtausch steht nun auf der Hauptversammlung am 10. Juli bevor, wo Balaton mit diversen Gegen- und Ergänzungsanträgen unter anderem die Abwahl von zwei Aufsichtsräten, die Abberufung des Finanzchefs und abermals eine Sonderprüfung von Transaktionen mit Maruho fordert.

    Lübbert selbst hält noch rund 1,7 Prozent an Biofrontera, hat seine Aktien aber dem Großaktionär Maruho angedient. Die Aktionen von Zours und Balaton wertet er als destruktive Manöver, die letztlich die Zukunft des Unternehmens gefährden. In einem Brief an die Aktionäre schlägt er daher dramatische Töne an: „Der 10. Juli ist ein wichtiger Schicksalstag für unser Unternehmen“, so der Biofrontera-Chef. „Es steht viel auf dem Spiel.“

    Dabei wirkt der 63-Jährige ansonsten nicht wie jemand, den es übermäßig stark in die Öffentlichkeit drängt, sondern eher wie ein Forscher und Wissenschaftler. Parallel zu seinem Job als Biofrontera-Chef ist er weiter Professor an der Ruhr-Universität Bochum und leitet den dortigen Lehrstuhl für Tierphysiologie. Doch in diesen Tagen kämpft er darum, die Unterstützung der etwa 8000 Kleinaktionäre sowie einiger institutioneller Aktionäre zu gewinnen.

    Und zumindest die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat er dabei bereits auf seiner Seite. Sie bekundet in einem Sonder-Newsletter „Vertrauen in den amtierenden Vorstand als Gesamtteam“.

    „Das Potenzial ist groß“

    Lübbert räumt dabei ein, dass es in der Vergangenheit Entscheidungen gab, über die man diskutieren kann. So etwa der Entschluss, nach der US-Zulassung für Ameluz nicht einen Vertriebspartner zu suchen, sondern das US-Geschäft in Eigenregie aufzubauen. Das bedeutete zunächst einmal hohe Vorleistungen. Trotz eines Umsatzplus stieg der operative Verlust 2018 auf 18,5 Millionen Euro, bedingt zum Teil aber auch durch hohe Kosten für die Rechtsstreitigkeiten mit Balaton.

    Mittel- und langfristig sieht Lübbert Biofrontera indessen „auf wirklich gutem Kurs. Das Potenzial ist groß.“ So testet das Unternehmen Ameluz bei weiteren Hautkrankheiten wie Basalzell-Karzinomen und Akne.

    Die Attacke von Balaton, warnt Lübbert, könne das alles nachhaltig gefährden, weil sie zur Abwanderung hochqualifizierter Mitarbeiter führe. Dem Opponenten gehe es letztlich darum, die Macht bei Biofrontera zu übernehmen. Ähnlich äußern sich die Arbeitnehmer in einer Stellungnahme. Eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Balaton sei für einen ganz erheblichen Teil der Mitarbeiter „vollkommen indiskutabel“, heißt es darin.

    Der Biofrontera-Opponent Wilhelm Zours will unterdessen von Plänen für eine Machtübernahme nichts wissen. Man habe auch als größter Anteilseigner keine Ambitionen, in das operative Geschäft hineinzuregieren. Es gehe um eine vernünftige Governance sowie „einen angemessenen Umgang mit dem Aktionär Maruhu“, sagte er dem Handelsblatt. Maruho betrachte Biofrontera wie ihr Eigentum, und die Verwaltung sei zu sehr abhängig von dem japanischen Großaktionär.

    Einig ist er sich mit Firmenchef Lübbert darin, dass die Firma Potenzial besitzt, insbesondere dann, wenn es gelinge, die Möglichkeiten von Ameluz auf dem asiatischen Markt richtig auszuschöpfen.

    Balaton hält nach Angaben der amerikanischen Börsenaufsicht SEC rund zwölf Millionen Biofrontera-Aktien (von insgesamt 44,6 Millionen ausstehenden Aktien) und dürfte dafür um die 60 Millionen Euro investiert haben. „Die Firma hat jede Chance, viel wertvoller zu werden als acht Euro je Aktie“, sagte Zours. Das Potenzial sehe man eher bei 40 Euro, und man wolle das Unternehmen begleiten, „bis dieses Potenzial voll sichtbar wird“.

    Mehr: In der Vergangenheit wollte Hermann Lübbert bereits Balaton abwehren – und verkaufte seine Aktien an den Großaktionär Maruhu.

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