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Hightech-Mobilität Apple – Teslas Retter in der Not?

Analysten spekulieren, dass der Tech-Konzern beim E-Autobauer einsteigen könnte. Denn der iPhone-Produzent hat das nötige Geld und sucht nach Geschäften, die Fantasie bieten.
23.08.2018 Update: 24.08.2018 - 09:39 Uhr Kommentieren

„Vielleicht ist Teslas Rückzug von der Börse genau das Richtige“

Düsseldorf/San Francisco Die Wette ging nur kurz auf: Seit Monaten spekulierte der Düsseldorfer Anleger Thomas Harder gegen die Tesla-Aktie. Plötzlich mit Erfolg: Als Konzernchef Elon Musk freimütig seine Erschöpfungssymptome und den Tablettenkonsum in der „New York Times“ beschrieb, verlor die Tesla-Aktie gut zehn Prozent an Wert. Ohne einen energiegeladenen Chef, so das Kalkül der Pessimisten, würde der Elektroautobauer das Vertrauen und weiter an Börsenwert verlieren.

Doch weit gefehlt. Sofort nach den Krankheits-und Rücktrittsgerüchten brachte der in den USA bekannte Vermögensverwalter Ross Gerber, Mitgründer und Chef von Gerber Kawasaki, Apple als möglichen Retter ins Spiel. Beide Seiten würden von einem solchen Investment profitieren. Die Gelegenheit für den iPhone-Hersteller sei günstig, sich für wenig Geld einen Anteil an Tesla zu sichern. „Dies ist das Geschenk aller Geschenke für Tim Cook”, so Gerber.

Prompt zog der Tesla-Kurs wieder an, beflügelt von täglich neuen Spekulationen über einen möglichen Retter. Das Kalkül der Anleger: Ein Autobauer mit wachsenden Finanzproblemen, aber weltweit bekanntem Markennamen ist für zahlungskräftige Konzerne hochattraktiv. Nach Apple rückte auch die Google-Holding Alphabet ins Visier. Was ist an den Spekulationen dran?

Der an der Börse mit einer Billion US-Dollar bewertete iPhone-Riese forscht seit 2015 mit seinem Projekt „Titan“ an elektrischen Fahrzeugen, um es künftig mit Newcomern wie Tesla und den etablierten Autofirmen aus Detroit und Deutschland aufnehmen zu können.

Gerade erst wechselte der langjährige Apple-Manager Doug Field von Tesla zum Ex-Arbeitgeber zurück. Der 53-Jährige hatte fünf Jahre unter Musk gearbeitet, war jedoch im April entmachtet worden, als der Tesla-Chef die Steuerung der Produktion des Mittelklassewagens Model 3 in Fremont übernahm.

Neben Field sollen seit Ende des vergangenen Jahres Dutzende Tesla-Mitarbeiter zu Apple gewechselt sein, wie der US-Fernsehsender CNBC berichtet. Demnach soll es sich um Angestellte aus den Bereichen Fertigung, Sicherheit, Software und Lieferkette handeln.

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Mit rekordhohen Cashbeständen einschließlich kurzfristiger Wertpapiere in Gesamthöhe von 244 Milliarden Dollar und einem Eigenkapital von 115 Milliarden Dollar könnte sich Apple einen Einstieg oder gar eine komplette Übernahme leisten. Tesla ist derzeit 55 Milliarden Dollar wert.

Tesla-Investor und -kenner Gerber empfiehlt, dass Apple zwischen fünf und zehn Prozent der Anteile erwirbt. Die Krise des Unternehmens mit immer neuen Produktionsverzögerungen könnte den für seinen harten und ruppigen Führungsstil bekannten Musk gezähmt haben. In der Vergangenheit hätten sich Apple und Tesla ganz sicher nicht verstanden, „weil Musk Apple nicht brauchte”, so Gerber. Dies habe sich nun geändert.

Gerber steht mit seiner Meinung nicht allein. Gene Munster von der Investmentfirma Loup Ventures hält Tesla für das perfekte Übernahmeziel für Apple. „Es macht allen Sinn der Welt für Apple, Tesla schon heute zu übernehmen.“ Doch das Problem sei, dass Musk die Firma noch nicht verkaufen wolle. Der Unternehmer werde keinesfalls Macht im Unternehmen abgeben, solange er nicht dazu gezwungen ist. „Erst wenn Musk scheitert und pleitegeht, besteht eine 80-prozentige Chance, dass Apple Tesla kauft“, prognostiziert Munster. Die Entscheidung werde in den kommenden anderthalb Jahren fallen.

Insolvent ist Tesla zweifellos nicht, aber die finanzielle Situation spitzt sich zu. Die Nettoverschuldung steigt: von 582 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2014 auf 6,9 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr. In den ersten sechs Monaten 2018 stieg sie weiter um fast zwei Milliarden auf 8,8 Milliarden Dollar. Noch ist Eigenkapital in Höhe von knapp vier Milliarden Dollar vorhanden, doch die Finanzmärkte gehen davon aus, dass Tesla schon bald frisches Kapital braucht.

Das aber ist nur zu bekommen, wenn Musk seine Versprechen einlöst und nicht nur Autos produziert, sondern mit ihnen auch Gewinne erwirtschaftet. Doch von diesem Ziel entfernt er sich immer weiter. Nach dem Rekordverlust von zwei Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr fiel in den ersten sechs Monaten 2018 ein neuerlicher Nettoverlust von 1,4 Milliarden Dollar an. Mit jedem produzierten Auto steigen also die Verluste weiter an.

Apple hingegen ist auf der Suche nach Geschäftsfeldern, die bei Anlegern Fantasie entfachen. An der Börse kostet Apple zwar eine Billion Dollar, doch das ist angesichts eines Nettogewinns von 48 Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr nicht sehr viel. Apple ist damit kaum höher bewertet als traditionsreiche Konzerne in überreifen Branchen wie der Öl- und Tabakindustrie. Der Boom des iPhones, so drückt es die Bewertung aus, neigt sich dem Ende zu.

Die Gelegenheit ist günstig

Da kommt der neue Boom um selbstfahrende Autos gerade recht. „Apple könnte entweder Fahrzeuge an Kunden verkaufen oder eine Flotte für einen autonomen Fahrservice aufbauen”, glaubt Munster. Die Gelegenheit für einen Einstieg ist günstiger denn je.

Mit Analysten und Journalisten liefert sich Musk seit Wochen einen peinlichen öffentlichen Schlagabtausch. Der Aufsichtsrat sucht Finanzkreisen zufolge nach einem starken zweiten Manager, der einen Teil des operativen Geschäfts übernehmen soll – und vielleicht sogar aus den Reihen des neuen Investors kommt. Genau zu diesem Zweck hatte vor Jahren Apple-Gründer Steve Jobs Tim Cook eingestellt. Dieser füllte die Rolle perfekt aus.

„Apple hat noch nie in eine derart große Firma wie Tesla investiert”, gibt Dan Morgan, Portfoliomanager bei der amerikanischen Investmentbank Synovus Trust, zu bedenken. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung konzentrierten sich bislang eher auf die Entwicklung leistungsfähiger Chips für künstliche Intelligenz und Software rund um Transportdienste. Für seine bislang größte Übernahme, den Kauf des Kopfhörerherstellers Beats vor vier Jahren, zahlte Apple drei Milliarden Dollar.

Neuland wäre Tesla indes nicht. Seit Langem engagiert sich Apple im Markt mit neuen Mobilitätsdiensten. Vor zwei Jahren investierte Cook eine Milliarde Dollar in den chinesischen Uber-Rivalen Didi Chuxing.
Wie ernst Apple das Thema Auto nimmt, ist unklar. Denn Firmenpolitik ist es, nie über neue Produkte zu sprechen, bevor sie öffentlichkeitswirksam präsentiert werden.

Wer an der Entwicklung beteiligt ist, wird zu Stillschweigen verpflichtet. Das gilt auch für Zulieferer. Dementsprechend hielt Cook alle Details um das Projekt „Titan“ geheim – und befeuerte damit die Spekulationen. Im Juli zeigte sich, dass Cook mit „Titan“ weiter ist als gedacht.

In einer Klageschrift warf Apple einem ehemaligen Mitarbeiter des geheimen Auto-Teams, der bei der Konkurrenz angeheuert hatte, Geheimnisverrat vor und gab unfreiwillig Informationen preis: Demnach haben 2.700 der insgesamt 135.000 Apple-Mitarbeiter Zugang zur Datenbank von Titan, sind also unmittelbar mit der Entwicklung der selbstfahrenden Autos betraut.

Ob mit dem Ehrgeiz um das „Titan“-Projekt ein Einstieg bei Tesla verbunden ist, bleibt Spekulation. Das gilt auch für die Google-Holding Alphabet. Sie wird ebenfalls als möglicher Tesla-Retter genannt. Mit der Google-Schwester Waymo forscht der Konzern schon seit 2009 an autonomen Fahrzeugen. Noch in diesem Jahr will Waymo landesweit einen Fahrdienst mit Roboterautos starten.

Ebenso wie Apple hat Alphabet viel Geld. 102 Milliarden Dollar Cash stehen für Investitionen bereit. Allerdings hat Waymo-Chef John Krafcik gerade kräftig eingekauft: 60 .000 Autos liefert der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat-Chrysler. Gemeinsam mit Jaguar Land Rover will Waymo weitere 20.000 fahrerlose, vollelektrische I-Pace-SUVs bauen. Das heißt: Google beauftragt etablierte Autobauer. Diese Strategie spricht wohl gegen einen Deal mit Tesla.

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