Hintergrund zur VW-Affäre Gewerkschaften geraten unter Druck

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Betriebsratschef Volkert gefiel sich in der Rolle als heimlicher zweiter Vorsitzender, insbesondere in der Ära von VW-Chef Ferdinand Piech (1993 bis 2002), der heute den Aufsichtsrat führt. „Ohne den Betriebsrat und die IG Metall läuft nichts bei VW“, berichteten VW-Manager immer wieder - mal respektvoll, mal klagend.

Für die IG Metall war VW stets Beispiel für eine moderate Tarif- und Beschäftigungspolitik. Der ebenfalls in die öffentliche Diskussion geratene langjährige VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz galt bei Betriebsrat und Gewerkschaft als innovativer und verlässlicher Interessenvertreter. Auch der heutige IG-Metall-Chef Jürgen Peters hat seine Karriere nicht zuletzt spektakulären Abschlüssen bei VW wie der Einführung einer Vier-Tage-Woche zur Rettung mehrerer Zehntausend Arbeitsplätze zu verdanken. Im Aufsichtsrat hatten IG Metall und Betriebsrat mit den zwei Vertretern Niedersachsens die Mehrheit - zumindest in der SPD-Regierungszeit von 1990 bis 2003.

Seit zwei Jahren sitzt aber CDU-Ministerpräsident Christian Wulff im Kontrollgremium. Dass ihm die Macht von Betriebsrat und IG Metall nicht passt, ist in Wolfsburg kein Geheimnis. Der designierte Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh äußerte bereits den Verdacht, dass die aktuelle Affäre genutzt werde, um die Arbeitnehmervertretung bei VW zu schwächen.

Wulff pochte am Dienstag erneut auf rasche Aufklärung, wollte das Mitbestimmungsmodell aber nicht in Frage stellen. „Wenn Einzelne etwas falsch gemacht haben, sollte man nicht das gesamte System in Frage stellen“, sagte er.

Betriebsräte anderer Autobauer befürchten dennoch einen weiteren Imageschaden für die Gewerkschaften, die seit Jahren unter einem erheblichen Mitgliederschwund leiden. Der Gesamtbetriebsratschef von Daimler-Chrysler, Erich Klemm, warnte vor einer Gefährdung der Mitbestimmung durch die VW-Affäre. Wer solche Einzelfälle nutzen wolle, künftig gegen die Interessen der Arbeitnehmer schalten und walten zu können, gefährde den sozialen Frieden in den Betrieben, sagte er.

Das VW-Modell wurde indessen in der IG Metall nie einhellig positiv gesehen. „Gerade in Süddeutschland gab es immer schon Vorbehalte gegen den VW-Haustarifvertrag und die enge Verbindung zwischen Unternehmen und Gewerkschaft“, sagt Esser.

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