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Hochgeschwindigkeitsstrecke Siemens hofft auf Mammut-Bahnprojekt in Russland

Zwischen Moskau und St. Petersburg soll eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut werden. Deutsche Firmen wie Siemens wollen mitwirken.
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Strategische Partnerschaft beim Großprojekt. Quelle: AFP/Getty Images
Siemens-Hochgeschwindigkeitszug Sapsan

Strategische Partnerschaft beim Großprojekt.

(Foto: AFP/Getty Images)

Moskau Der Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes in Russland ist eins der ambitioniertesten Bahnprojekte des Landes seit der Transsibirischen Eisenbahn. Nun soll endlich die Planung der Pilotstrecke beginnen, die von Moskau nach St. Petersburg führt.

„Die Projektierung nimmt drei Jahre in Anspruch“, erklärte Russlands Vizeverkehrsminister Wladimir Tokarjew am Donnerstag. Wie lange der Bau dann dauere, hänge vom gewählten Projekt ab. „Aber gewöhnlich sind das bis zu fünf Jahre“, erklärte Tokarjew.

Gewöhnlich ist an der Hochgeschwindigkeitsstrecke wenig. Für das Projekt muss auf über 650 Kilometern eine völlig neue Trasse gebaut werden. Die Züge sollen dort auf bis zu 400 Stundenkilometer beschleunigen und die Strecke zwischen den beiden Metropolen innerhalb von zweieinhalb Stunden zurücklegen. Damit sollen die Fahrgäste schneller von Stadtmitte zu Stadtmitte gelangen als mit dem Flugzeug.

Allerdings sind auch die Kosten gewaltig. Vizepremier Maxim Akimow hatte sie kürzlich erst auf 1,5 Billionen Rubel geschätzt – das entspricht gut 20 Milliarden Euro.

„Die Summe wird eher noch nach oben korrigiert“, sagte Jewgeni Makarow, Projektleiter der Deutschen Initiative für Hochgeschwindigkeitsverkehr. Die schwierigsten und teuersten Fragen bei der Streckenführung seien nämlich noch in der Schwebe. So ist beispielsweise unklar, in welchen Bahnhof die Züge in Petersburg einlaufen sollen, ob die Flughäfen angeschlossen werden und ob ein Halt in der Großstadt Nowgorod auf halber Strecke eingebaut wird.

Deutsches Know-how

Die DIHGV kennt die Probleme. Das Konsortium unter Führung von Siemens wurde eigens gegründet, um deutschen Firmen die Beteiligung am Megaprojekt zu ermöglichen. Diese Woche ist es seinem Ziel einen großen Schritt nähergekommen: Der Chef der russischen Eisenbahn und Sabrina Soussan, CEO von Siemens Mobility, haben ein strategisches Partnerschaftsabkommen unterzeichnet.

Demnach soll die deutsche Initiative mit Technologien und Know-how bei der Planung und später beim Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse helfen.

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Während sich die Deutsche Bahn sowie die Ingenieurgesellschaften Obermeyer und Gauff an der Projektierung beteiligen wollen, sieht Siemens seine Chance bei Rollmaterial und Infrastruktur. Der Konzern ist für den lukrativen Auftrag bereit, seine Produktion in Russland auszubauen. Auch wenn es sich bislang nur um eine unverbindliche Absichtserklärung handelt, sind die Deutschen damit plötzlich der Konkurrenz aus China um einen Schritt voraus.

Lange wollte Moskau das Hochgeschwindigkeitsprojekt mit Peking realisieren. Speziell als sich nach Ausbruch der Krimkrise die Beziehungen zum Westen verschlechterten, setzte Wladimir Putin seine Hoffnung auf chinesische Aufbauhilfe.

Der Präsident hatte 2013 persönlich dafür gesorgt, dass die Strecke statt nach Petersburg nach Kasan führen sollte. Peking zeigte sich bereit zum Bau. Aber bei Finanzierung und Technologietransfer gingen die Vorstellungen beider Nachbarn weit auseinander.

Eigentlich sollte das Prestigeprojekt schon zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 fertig sein. Im April gab Putin dann das vorläufige Stoppsignal für die Trasse nach Kasan und machte den Weg für die Route nach Petersburg frei. Bei den deutschen Unternehmen hofft man, dass der Plan nun tatsächlich umgesetzt wird. Dietrich Möller, langjähriger Russlandchef von Siemens, hatte die Route stets als wirtschaftlich sinnvoller bezeichnet und dafür geworben.

Dabei ist auch die Strecke nach St. Petersburg nicht ohne Fragezeichen: So wird das potenzielle Passagieraufkommen auf sieben Millionen Fahrgäste geschätzt. Allerdings betreiben die russische Bahn und Siemens bereits jetzt erfolgreich das ICE-Pendant Sapsan („Wanderfalke“) auf der Strecke. Zuletzt erhielt Siemens einen weiteren Milliardenauftrag für neue Züge. Sollte der Sapsan weiter fahren, macht sich die russische Bahn künftig selbst Konkurrenz.

Mehr: Mit der Übernahme des notleidenden Vossloh-Lokomotivbaus erschließt sich für den chinesischen Konzern CRRC der europäischen Markt. Doch der Plan ist nicht ohne Risiko.

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1 Kommentar zu "Hochgeschwindigkeitsstrecke: Siemens hofft auf Mammut-Bahnprojekt in Russland"

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  • Bereits jetzt reist man mit dem Sapsan deutlich schneller von Innenstadt zu Innenstadt als mit dem Flieger. Die Bahnhoefe sind relativ zentral und der Zug braucht 3,5 Stunden. Der Flug am Beispiel Sheremetevo-Pulkovo dauert zwar nur 1 Stunde 20 Minuten, durch zeitraubende Verbindungen aus der Innenstadt zu den Flughaefen (trotz Aeroexpress) , einchecken etc. gibt es keinen Zeitvorteil.