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Hochtief-Chef Lütkestratkötter „Jetzt müssen Sie sich jemand anderes suchen“

Für den Baukonzern Hochtief ist heute ein besonderer Tag: Nach langer, Kräfte zehrender Schlacht übernimmt der spanische Konkurrent ACS auf der Hauptversammlung die Macht. Die neuen Herren erwarten bohrende Fragen..
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Bei Herbert Lütkestratkötter flossen heute die Tränen. Quelle: dpa

Bei Herbert Lütkestratkötter flossen heute die Tränen.

(Foto: dpa)

Essen "So", sagt Herbert Lütkestratkötter und grinst. "Jetzt müssen Sie sich jemand anderes suchen, der Schlagzeilen macht´", sagt der Hochtiefchef vergnügt. Er ist überraschend auf der Pressetribüne aufgetaucht, um Hände zu schütteln, Schultern zu klopfen und sich zu verabschieden. "Macht's gut", sagt er noch und geht.

Es kommt nicht so häufig vor, dass sich ein Vorstandsvorsitzender vor der Hauptversammlung freiwillig zu den Journalisten begibt. Doch das Aktionärstreffen des Baukonzerns Hochtief am heutigen Donnerstag ist auch kein normales. Lütkestratkötter, Dr. Lü genannt, wird gehen, und die neue Hausmacht, der spanische Baukonzern ACS, wird kommen.

Heute ist ein einschneidender Tag für die Essener. Es ist das vorläufige Ende eines neun Monate dauernden, Kräfte zehrenden Übernahmekampfes. Hochtief wand sich und ließ nichts unversucht, die Spanier zurückzudrängen, doch die sammelten unbeeindruckt weiter Aktien ein. Mancher fühlte sich an die spanischen Konquistadoren erinnert, die im 16. Jahrhundert Lateinamerika eroberten. Jetzt gehören ACS 43 Prozent, bis Ende Juni soll die Mehrheit erreicht sein.

Und heute, hier in der Essener Grugahalle, beginnt das Ende der Eigenständigkeit des Traditionskonzerns. Bei der ersten Hauptversammlung seit dem feindlichen Übernahmeangebot steht ein entscheidender Schlag an: Unbequeme Hochtief-Manager und -Aufsichtsräte werden von Bord gehen. Und ACS will die Zahl seiner Sitze im Aufsichtsrat von zwei auf vier verdoppeln. Das verleiht den Spaniern mehr Einfluss.

Mit einer komfortablen Abstimmungsmehrheit auf der Hauptversammlung sollte der spanische Konzern heute durchmarschieren. Dabei dürfte er auf geringen Widerstand treffen: Nach einer Sitzung der Kontrolleure wurde bekannt, dass es der Aufsichtsrat nicht auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen will.


Kleinaktionärsvertreter sind inzwischen genervt

Dabei sah es lange so aus, als wollte die alte Hochtief-Führung um die Neubesetzung des Aufsichtsrats ihre letzte Abwehrschlacht führen. Dabei ging es um zwei Listen mit ein paar Namen. Zwei Listen, die die Hauptversammlung hätten sprengen können.

Der Hochtief-Aufsichtsrat hatte im März eine Kandidatenliste für seine Neuwahl präsentiert, ohne auf die Wünsche der Spanier nach mehr Sitzen einzugehen. Doch ACS-Präsident und Real-Madrid-Besitzer Florentino Perez ließ das nicht auf sich sitzen - und präsentierte vor wenigen Tagen eine eigene Liste, über die die Hauptversammlung abstimmen muss.

Danach soll sich der Anteil der Spanier auf der Seite der Anteilseigner verdoppeln. BASF-Aufsichtsratschef Eggert Voscherau soll ebenso einziehen wie der frühere Finanzvorstand der Deutschen Börse, Thomas Eichelmann. Der zweite Großaktionär Katar soll Abdulla Abdulaziz Turki Al-Subaie schicken, und Vorsitzender des Ganzen soll der bereits im Aufsichtsrat präsente ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer werden.

Auf der Strecke bleiben bei diesem Entwurf vier ACS-kritische Kontrolleure: Aufsichtsratschef Detlev Bremkamp, der heute noch die Hauptversammlung leitet, BDI-Präsident und Ex-Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel, Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer und der frühere Eon-Vize Wilhelm Simson.

Meine Liste, Deine Liste - das nervenzehrende Spiel hat am Mittwochabend ein Ende gefunden. Der Aufsichtsrat hat kapituliert. "Wir haben uns bis zuletzt um eine Lösung bemüht, die auch die Interessen der zahlreichen freien Aktionäre von Hochtief ausreichend berücksichtigt und ihnen den Vorschlag unabhängiger Kandidaten ermöglicht", so Bremkamp in einer frisch am Donnerstagmorgen herausgegebenen Mitteilung.

Kleinaktionärsvertreter sind inzwischen genervt von dem Dauerstreit. "Ich befürchte, dass dem neuen Aufsichtsrat immer ein Makel anhaften wird", sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Weil er mit der Brechstange durchgesetzt wird".


Millionen-Abfindungen winken

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter tritt ab. Quelle: dpa

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter tritt ab.

(Foto: dpa)

Auch auf der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat bahnt sich ein Konflikt an: Es liegt ein Antrag vor, wonach Klaus Wiesehügel, Chef der Gewerkschaft IG Bau, nicht mehr ins Kontrollgremium gewählt werden soll. Er hatte sich nach anfänglichem Widerstand vor Monaten überraschend mit ACS geeinigt und die Spanier fortan unterstützt. Das führte zum Zerwürfnis mit dem Hochtief-Betriebsratschef.

Längst entschieden ist dagegen der Kampf im Vorstand. Lütkestratkötter geht ebenso wie Burkhard Lohr und Peter Noé. Sie bekommen Millionen-Abfindungen. Es übernimmt den Chefsessel der von den Spaniern unterstützte Vorstand Frank Stieler.

Angesichts der vielen Konfliktlinien geraten die Geschäftszahlen in den Hintergrund. So macht die australische Tochter Leighton derart große Probleme, dass Stieler am morgigen Freitag, seinem ersten Arbeitstag als Hochtief-Chef, nach Down Under fliegen will, um nach dem Rechten zu sehen.

Zu erwarten sind heute allerdings bohrende Frage an die ACS-Vertreter: Ist Konzernchef Perez zu trauen, wenn beteuert, er habe nur gute Absichten und wolle gemeinsam mit Hochtief den größten Baukonzern der Welt schmieden - und den Essener Konzern so belassen, wie er ist? Oder will er doch in erster Linie mit dem soliden Hochtief in der Bilanz seine Verschuldung drücken und den Essener Konzern am Ende filetieren?

Viel Stoff für eine interessante Hauptversammlung.

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1 Kommentar zu "Hochtief-Chef Lütkestratkötter: „Jetzt müssen Sie sich jemand anderes suchen“ "

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  • Totgeschwiegen wird die Tatsache, daß der HOCHTIEF-Pensionsfond gewollt oder ungewollt an der feindlichen Übernahme durch ACS mitgewirkt hat indem er vor einem halben Jahr seine 3 Prozent Beteiligung an der HOCHTIEF AG verscherbelt hat und damit Desinteresse am eigenen Arbeitgeber HOCHTIEF AG bewiesen hat.
    Das ist sehr bedauerlich ,blamabel und zeigt vielleicht auf welche Wegbereiter am werk waren und den Appetit von ACS angeregt haben.