Hoher Stickoxid-Ausstoß Diesel-Pkw doppelt so schmutzig wie Lkw

Der Forscherverbund ICCT war maßgeblich an der Aufdeckung des VW-Abgasskandals beteiligt. Jetzt melden sich die Forscher erneut zu Wort – mit alarmierenden Zahlen zum Stickoxid-Ausstoß moderner Diesel-Pkw.
Update: 06.01.2017 - 07:05 Uhr 8 Kommentare
Moderne Diesel-Pkw sind schmutziger als Lkw oder Busse. Quelle: dpa
Hoher Stickoxid-Ausstoß

Moderne Diesel-Pkw sind schmutziger als Lkw oder Busse.

(Foto: dpa)

BerlinSelbst in der modernsten Schadstoffklasse Euro 6 blasen viele Diesel-Pkw deutlich mehr giftige Stickoxide (NOx) aus dem Auspuff als neue Lastwagen oder Busse. Zu diesem Ergebnis kommen Umweltwissenschaftler des Forscherverbunds ICCT (International Council on Clean Transportation) in einer aktuellen Untersuchung.

Autos mit der neuen Euro-6-Schadstoffklasse stoßen demnach im realen Betrieb im Schnitt etwa 500 Milligramm NOx pro Kilometer aus, teilte das ICCT am Freitag mit. Bei Lastern und Bussen sei es mit 210 Milligramm weniger als die Hälfte. Messe man den Schadstoffausstoß am Spritverbrauch, seien die Autowerte sogar zehnmal so hoch.

Als Grund geben die Forscher an, dass bei Lkw und Bussen bereits seit Jahren die Werte im realen Betrieb auf den Straßen gemessen werden und die Grenzwerte dort eingehalten werden müssen. Bei Pkw werden die Grenzwerte zwar bei präparierten Fahrzeugen auf Prüfständen meist eingehalten, die Werte im realen Betrieb weichen davon aber weit ab.

Dies soll erst ab Herbst geändert werden, wenn die EU ein neues Messverfahren für die Zulassung einführt. Dann sollen auch für Pkw schrittweise sogenannte RDE-Tests („Real Driving Emissions“) kommen.

ICCT-Europa-Chef Peter Mock kritisierte, dass manche Autobauer auch beim RDE-Verfahren weiter vorbereitete Prototypen einsetzen wollten. „Besser wäre es, stattdessen normale Serienfahrzeuge aus Kundenhand zu vermessen und stichprobenartige Nachkontrollen einzuführen.“ Die EU-Kommission wolle auf den Vorschlag eingehen.

Zudem sollte es später stichprobenhaft Nachkontrollen geben. Details der neuen Messverfahren müssen noch auf EU-Ebene geklärt werden.

Es muss nicht immer Diesel sein
Erdgas – für Vielfahrer mit kleinem Radius
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Die Diesel-Krise ist eine große Chance für den hierzulande chronisch erfolglosen Erdgasantrieb. Vor allem, wer auf möglichst niedrige Kraftstoffkosten Wert legt, fährt mit Erdgas beziehungsweise CNG gut. Die Kraftstoffkosten sind niedrig, allerdings sind die Neuwagenpreise hoch.

Das Erdgasauto lohnt sich finanziell daher vor allem für Vielfahrer. Ein Beispiel aus dem ADAC-Kostenvergleich: Wenn man 30.000 Kilometer im Jahr mit der Erdgasversion der Mercedes E-Klasse fährt, kostet das inklusive Wertverlust, Wartung, Versicherung und Co. 50,5 Cent pro Kilometer. Ein Diesel käme auf 51,3 Cent, eine Benziner auf 53 Cent.

Erdgas – für Vielfahrer mit kleinem Radius
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Auch in der Umweltbilanz schneidet Erdgas gut ab. Umgerüstete Autos stoßen weniger CO2 aus als Benziner oder Diesel und sind auch bei Ruß und Stickoxiden deutlich überlegen. Der Nachteil ist das dünne Tankstellennetz: Lediglich 900 Zapfsäulen stehen in Deutschland, einige auf nur begrenzt zugänglichen Geländen von Stadtwerken oder Energieversorgern. Eine Diesel-Alternative ist Erdgas daher vor allem für Autofahrer, die zwar viele Kilometer abspulen, dabei aber in der Nähe der heimischen Tankstelle bleiben.

Die oft gebräuchliche Abkürzung CNG steht übrigens für Compressed Natural Gas, also komprimiertes Erdgas.

Autogas – für anspruchslose Sparer
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Auch Autogas ist an der Zapfsäule günstig, zudem deutlich leichter zu bekommen als Erdgas. Rund jede zweite Tankstelle führt auch den LPG genannten Kraftstoff. Außerdem sind LPG-Fahrzeuge ab Werk (wie etwa der Kia Picanto) nur wenig teurer als Benziner. Normale Benziner können außerdem relativ günstig auf bivalenten Antrieb umgerüstet werden, sie fahren dann mit Gas und Benzin, was die Reichweite erhöht..

Im ADAC-Kostenvergleich schlägt Autogas ein vergleichbares Dieselauto auch schon auf kürzeren Strecken. So kostet der Kilometer in einem Dacia Duster mit Autogasantrieb 46,9 Cent, mit Diesel sind es 47,3 Cent.

Autogas – für anspruchslose Sparer
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Unter Umweltgesichtspunkten unterscheidet sich LPG, als variables Gemisch aus Butan und Propan, nur wenig von Benzin, mit dem es chemisch eng verwandt ist. Beim CO2-Ausstoß schneiden die Fahrzeuge daher leicht schlechter ab als Diesel, bei Stickoxiden hingegen deutlich besser.

Zu den Nachteilen von Autogas zählt das eingeschränkte Fahrspaßpotential. Weil der Kraftstoff mit ganz neuen Ottomotorentypen nur eingeschränkt kompatibel ist, bieten die meisten Fahrzeughersteller ab Werk nur ältere und schwächere Triebwerke mit Autogastechnik an.

Wer auf Leistung nicht verzichten will, muss schon selbst einen großvolumigen Benzinmotor umrüsten lassen. Eine Diesel-Alternative ist Autogas daher vor allem in kleinen Fahrzeugklassen, wo Leistung keine entscheidende Rolle spielt.

Die Abkürzung LPG steht übrigens für Liquefied Petroleum Gas.

Ein Problem beim Gas ist der realistische Preisvergleich mit Benzin und Diesel
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Früher war es leicht, beim Anrollen an die Tanksäule schnell den Treibstoffpreis zu überblicken: es gab nur Normal, Super und Diesel. Heute ist der Preismast so hoch, dass die Orientierung schnell verloren gehen kann, weil bis zu acht verschiedene Kraftstoffe angeboten werden. Und es gibt ein weiteres Manko: Die Vergleichbarkeit der Kraftstoffe ist aufgrund des unterschiedlichen Energiegehalts nicht mehr transparent, was besonders auf den Treibstoff Erdgas/Biomethan zutrifft.
Otto- und Dieselkraftstoffe sowie Autogas werden mit Literpreisen angeboten, Erdgas jedoch in Kilogramm. Und mit Wasserstoff und Strom wird bald das Verwirrspiel mit den Verkaufseinheiten Kilogramm und Kilowattstunde noch größer.

Dass mit dem relativ umweltfreundlichen Treibstoff Erdgas heute im Vergleich zu Benzin 55 Prozent und im Vergleich zu Diesel 45 Prozent günstiger getankt wird, ist nicht vielen Autofahrern bekannt. Ließen sich die Kraftstoffpreise exakt vergleichen, dann könnte der Verbraucher beim Autokauf besser entscheiden, welches Antriebskonzept er favorisiert, glauben die Befürworter der Gasantriebe.

Hybrid – für Stadt und Land
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Statt auf den Diesel setzen Japaner und Amerikaner schon seit Jahrzehnten auf den Hybridantrieb. In Deutschland konnte die Technik sich bislang nicht durchsetzen, weil die Kombination aus (in der Regel) Otto- und Elektromotor ihr Sparpotential in erster Linie im Stadtverkehr ausschöpft – aber auf der hierzulande wichtigen Autobahn kaum Vorteile bietet. Das Angebot auf dem deutschen Markt ist entsprechend übersichtlich. Mit Ausnahme von Toyota/Lexus hat (noch) keine Marke ein überzeugendes Portfolio an klassischen Hybridautos.

Hybrid – für Stadt und Land
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Die deutschen Hersteller setzen stattdessen auf den sogenannten Plug-in-Hybrid, der die bekannte Technik mit eine größeren, an der Steckdose aufladbaren, Batterie kombiniert. Die Fahrzeuge sollen so die Vorteile von Hybrid und E-Auto vereinen.

Allerdings sind entsprechende Modelle relativ teuer, Gebrauchtwagen gibt es noch kaum. Trotzdem sind Hybrid und Plug-in-Hybrid eine gute Alternative für diejenigen, die ein sparsames Kurzstreckenauto benötigen, gelegentlich aber auch bequem und ohne Tankstellen-Engpässe weitere Strecken fahren wollen.

Die ICCT-Forscher stützten sich bei ihrer Studie auf Daten, die verschiedene europäische Behörden – darunter das Kraftfahrtbundesamt – im Zuge des Abgasskandals bei Volkswagen erhoben hatten. Zum Vergleich wurden 24 Busse und Lkw herangezogen, die den Nutzfahrzeugstandard Euro VI erfüllten.

Die Fachzeitschrift „auto motor und sport“ berichtete unterdessen von neuen eigenen Stickoxid-Messungen, die teils erhebliche Differenzen im echten Fahrbetrieb zeigen. Dabei habe zum Beispiel das Renault-Diesel-Modell Captur dCi 110 mit mehr als 1300 Milligramm NOx pro Kilometer um das 16,7-fache über dem zulässigen Laborgrenzwert nach Euro-6-Norm gelegen. Erlaubt sind 80 Milligramm je Kilometer.

  • rtr
  • dpa
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8 Kommentare zu "Hoher Stickoxid-Ausstoß: Diesel-Pkw doppelt so schmutzig wie Lkw"

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  • Wer stellt die Finanzen für diesen Forscherverband????
    Etwa amerikanischen Firmen??
    Ein Schelm, der etwas
    Schlechtes dabei denkt.

  • Alleine die Produktion eines neuen PKW verursacht CO2-Emissionen im Volumen von 4 bis 7 Tonnen, je nachdem ob es ein Kleinwagen oder ein Oberklassemodell ist. Die gleiche Menge wird beim Fahren von rd. 30.000 KM freigesetzt.

    Aber über die enormen Emissionen, die beim Austausch einer ganzen Fahrzeugflotte entstehen, macht sich scheinbar niemand einen Kopf. Diese Emissionen sind scheinbar genauso wenig existent wie jene, die beim Anbau von Mais oder Jathropha zur Biospritherstellung entstehen.

    http://www.vol.at/vc-produktion-eines-autos-verursacht-so-viel-co2-wie-30-000-kilometer/news-20110224-01133457

  • Mal ne ganz andere Frage.

    Betrifft den Umweltschutz...

    Wie viele Bäume hat jeder VW-Besitzer in den USA mit der VW-Entschädigung gepflanzt?

  • die übliche Panikmache der Öko-Lobbyisten.

    Wenn es ganz konsequent nach denen ginge, müsste man die Menschheit am besten ganz abschaffen....

    Zu dem "Thema" gibt es eine Karikatur, die in vielen unterschiedlichen Versionen im Netz kursiert. Zwei Steinzeitmenschen sind auf ihr zu sehen, die sich über ihre Lebensumstände austauschen. Wir atmen saubere Luft, sagt der eine zum anderen, haben viel Bewegung und essen nur ökologisch erzeugte Produkte. Trotzdem wird kaum jemand älter als Dreißig. Irgendwas machen wir falsch. Aber was?

    http://www.achgut.com/artikel/vorzeitige_todesfaelle_der_evergreen_der_ko-angsmacher

    Nur Eins ist im Leben "sicher" - es endet garantiert mit dem Tod........

  • "Jetzt melden sich die Forscher erneut zu Wort (...) – "Diesel-Pkw doppelt so schmutzig wie Lkw"

    Vielleicht sollte man denen mal zuhören. Wenn schon nicht in Kreisen der lobbygesteuerten Politik, dann wenigstens in der Bevölkerung.

  • Endlich kommt dieser stinkende Motor aus den Müll. Die Sache mit den E-Motoren
    ist nätürlich Blödsinn, da unsere Vordenker keine brauchbaren Akkus haben
    und nie bekommen werden. Es läuft auf Gasmotoren hin, in den USA wird heftig getestet.

  • Eindeutig eine FAKE News - ein LKW ist alles durch seinen Verbrauch schon schlechter bei den Abgasen, auch wenn die Schadstoffklasse eine Bessere oder höhere scheint.
    Schade, das es immer mehr zu solchen falschen Meldungen auch seitens der Presse kommt, die einfach alles übernimmt und nicht wirklich recherchiert.

  • Gott sei Dank kommt diese Studie heir zur rechten Zeit, denn die Prämie für das E-Mobil ist hierzulande gerade am floppen. Statt der erwarteten 100.000 Anträge auf Staatsknete für den Kauf einen elektrischen Trabbi kamen nur 9.000 herein.

    Und wenn LKW ja sauberer sind als PKW, wieso fahren wir dann nicht alle LKW? Mein nächstes Auto wird jedenfalls ein US-LKW namens Dodge RAM 1500. Erstens ist der sauber, da LKW, und zum zweiten wird keine europäische Behörde wagen, einen US-Wagen näher unter die Lupe zu nehmen. So ist man auf der sicheren Seite!

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