Holcim und Lafarge Fusion nicht ganz vom Tisch

Die Fusion des Zementkonzerns Lafarge und des Konkurrenten Holcim scheint nicht komplett ad acta gelegt. Die Aufsichtsräte beider Firmen sollen Insidern zufolge am Dienstag in getrennten Sitzungen darüber beraten haben.
Kommentieren
Eine Fusion ist noch nicht ganz vom Tisch. Quelle: AFP
Lafarge und Holcim

Eine Fusion ist noch nicht ganz vom Tisch.

(Foto: AFP)

Zürich/ParisHolcim und Lafarge versuchen ihren Zusammenschluss zum weltgrößten Zementkonzern zu retten. Insidern zufolge kamen die Aufsichtsräte der beiden Firmen am Dienstag zu getrennten Sitzungen zusammen. Das Holcim-Gremium hatte den im vergangenen April vereinbarten Fusionsplan einseitig über Bord geworden. Der Schweizer Konzern fordert Nachbesserungen beim Preis und wehrt sich gegen Lafarge-Konzernchef Bruno Lafont als Lenker des neuen Unternehmens.

Lafarge lehne Neuverhandlungen über die Führung des Unternehmens ab, sagte eine mit der Situation vertraute Person. „Der Aufsichtsrat kann Holcim nicht in allen Punkten zufriedenstellen“, sagte er. „Er kann nicht beides akzeptieren – eine Änderung des Austauschverhältnisses und eine Kontrollübernahme.“

Käme Lafarge den Forderungen von Holcim nach, wird aus der sorgsam ausgehandelten Fusion von gleich starken Partnern eine Übernahme. Denn beim geplanten Aktientausch will Holcim den Lafarge-Eignern nur noch 0,875 Aktien von Holcim statt wie ursprünglich vorgesehen eine Holcim-Aktie je Lafarge-Titel anbieten. Zudem drängt Holcim nun auf ein Übergewicht im Aufsichtsrat der neue Firma.

Die wichtigsten Zementhersteller der Welt
Grundsteinlegung Ikea AltonaGrundsteinlegung Ikea...
1 von 8

In der Zementindustrie bahnt sich eine denkwürdige Fusion an: Die beiden Hersteller Lafarge und Holcim wollen sich zusammenschließen. Es soll eine Partnerschaft unter gleichen werden. Schon jetzt zählen die beiden Unternehmen zu den größten in der Zementindustrie: Nach Angaben von Statista haben sie im vergangenen Jahr den meisten Umsatz erzielt. Handelsblatt Online listet die Kennzahlen der beiden Firmen und die wichtigsten Konkurrenten des künftigen Großkonzerns nach Umsatz auf.

Cement bags are pictured at Switzerland's Holcim cement production plant in Siggenthal
2 von 8

Holcim

Umsatz 2013: 16,1 Milliarden Euro

Der Schweizer Zementhersteller existiert bereits seit 1912. Heutzutage hat Holcim sein Geschäft in mehr als 70 Länder ausgeweitet. Als Kernbereiche gelten die Geschäfte mit Zement, Kies und Beton. Gemessen am Umsatz, ist Holcim derzeit der größte Zementproduzent der Welt. Die geplante Fusion sichert diesen Status weiter ab.

Lafarge Zement
3 von 8

Lafarge Group

Umsatz 2013: 15,2 Milliarden Euro

Die französische Lafarge Gruppe erzielte im vergangenen Jahr nur etwas weniger Umsatz als ihr künftiger Partner. Das Unternehmen bezeichnet sich auf seiner Webseite als die Nummer eins im Zementgeschäft. Mehr als zwei Drittel des Portfolios der Gruppe bestehen demnach aus dem Handel mit dem Baustoff. Lafarge ist nach eigenen Angaben in 64 Ländern unterwegs. Die Fusion mit dem bisherigen Konkurrenten aus der Schweiz hat auch Auswirkungen auf den Namen: Künftig firmieren die beiden Branchenführer unter dem Namen LafargeHolcim.

huGO-BildID: 15874066 ARCHIV - Zementsaecke der Firma HeidelbergCement liegen am 7. August 2007 im Werk in Leimen bei Heidelberg. Der Baustoffherstel
4 von 8

Heidelberg Cement

Umsatz 2013: 13,9 Milliarden Euro

Die Konkurrenz kann bei diesen Zahlen kaum mithalten. Der noch gefährlichste Rivale der beiden Konzerne kommt aus Heidelberg. Der Dax-Konzern mischt seit der Übernahme von Hanson 2007 im oberen Segment der Zementhersteller mit. Heidelberg Cement ist in 40 Ländern aktiv, in vielen davon nach eigener Aussage auch Marktführer. Das könnte sich mit der Fusion seiner ärgsten Konkurrenten ändern.

CEMEX OstZement GmbH Rüdersdorf
5 von 8

Cemex

Umsatz 2013: 11,1 Milliarden Euro

Die Mexikaner produzieren bereits seit 1906 Zement und haben inzwischen mehr als 50 Produktionsstätten auf der ganzen Welt. Am meisten Zement verkauft Cemex in Mexiko, rund ein Drittel seiner Geschäfte macht der Konzern dort. Wichtig ist auch das US-Geschäft, das etwa ein Viertel des Umsatzes ausmacht. Der mexikanische Konzern wollte eigentlich Beteiligungen mit Holcim tauschen. Während Cemex die Holcim-Tochter Csesko kaufen wollte, wollte der Schweizer Konzern die Geschäftsteile der Mexikaner in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden übernehmen. Ob das Geschäft durch die anstehende Fusion gefährdet ist, ist bisher nicht bekannt. Allerdings hatten die Wettbewerbshüter ohnehin schon Bedenken angemeldet.

Zement
6 von 8

Anhui Conch Cement

Umsatz 2013: 6,6 Milliarden Euro

Mit deutlichem Abstand im Ranking der wichtigsten Zementhändler der Welt folgt Anhui Conch Cement. Das chinesische Unternehmen existiert zwar erst seit 1997, hat sich in dieser Zeit aber schnell einen Namen gemacht. Experten gehen davon aus, dass die Fusion von Lafarge und Holcim auch als Schutz vor der aufstrebenden Konkurrenz aus China dienen soll.

italcementi_imago60902734h
7 von 8

Italcementi

Umsatz 2013: 4,2 Milliarden Euro

Der italienische Konzern selbst bezeichnet sich als fünftgrößten Zementhersteller weltweit. Gerankt nach dem Umsatzzahlen von Statista, kommt er aber lediglich auf den sechsten Rang. Italcementi betreibt sein Geschäft in 22 Ländern auf vier Kontinenten. Der sei 1864 agierende Konzern ist bis heute im Besitz der Familie Pesenti. Derzeit führt Carlo Pesenti (Bild) die Geschicke des Unternehmens.

Von der Bekanntgabe der Fusion seiner beiden Konkurrenten konnte Italcementi übrigens profitieren: Die Aktien stiegen, weil Händler mit Preiserhöhungen in der Branche rechnen. LafargeHolcim muss zudem eventuell einige Geschäftsteile aufgeben, um die Zusammenarbeit von den Kartellbehörden genehmigt zu bekommen.

Ein größerer Holcim-Aktionär erklärte, Lafarge-Chef Lafont habe nach der Veröffentlichung des Jahresabschlusses Vertrauen bei vielen Investoren eingebüßt. Seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr von Lafarge seien bei vielen Investoren als allzu optimistisch eingestuft worden. Zudem bezweifelten sie, dass die bei einem Zusammenschluss mit Holcim angepeilten Einsparungen erreicht werden können.

Lafont ist seit 2007 sowohl Vorstandsvorsitzender als auf Aufsichtsratschef von Lafarge und gilt als Architekt der Übernahme des ägyptischen Zementherstellers Orascom, die dem Konzern hohe Schulden aufgebürdet hat.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern würde ein Platzen des Milliardendeals Lafarge stärker zusetzen als Holcim. „Beide haben viel zu verlieren, wenn der Deal scheitert, aber die Aktienkursentwicklung in den vergangenen Tagen zeigt, dass Lafarge wohl mehr zu verlieren hat als Holcim“, sagte ein Pariser Analyst. Über den vergangenen Monat hat die Holcim-Aktie fast vier Prozent zugelegt, während Lafarge knapp acht Prozent an Wert verlor.

Auch die Ratingagentur Fitch erachtet ein Platzen der Transaktion für Lafarge als negativ, während sich an der Einstufung von Holcim nicht viel ändern würde.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Holcim und Lafarge - Fusion nicht ganz vom Tisch

0 Kommentare zu "Holcim und Lafarge: Fusion nicht ganz vom Tisch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%