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Hubertus von Baumbach Boehringer-Ingelheim-Chef über resistente Keime: „Die Zahlen sind bedrückend“

Hubertus von Baumbach bereiten Antibiotika-Resistenzen große Sorgen. Sein Konzern Boehringer Ingelheim beteiligt sich nun an einem Forschungsfonds.
09.07.2020 - 17:33 Uhr Kommentieren
„Die Pharmaindustrie muss weiter in der Breite forschen“ Quelle: dpa
Hubertus von Baumbach

„Die Pharmaindustrie muss weiter in der Breite forschen“

(Foto: dpa)

Frankfurt Boehringer Ingelheim ist Deutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller nach Bayer und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Atemwegsmedikamenten. Selbst forscht der deutsche Pharmakonzern nicht an Antibiotika.

Das Unternehmen beteiligt sich nun aber einem großen Fonds, der die Entwicklung von Medikamenten gegen resistente Keime vorantreiben will. „Es braucht eine gewisse Zeit, um eine solche Initiative vorzubereiten“, sagte Firmenchef Hubertus von Baumbach im Interview mit dem Handelsblatt. Die Entwicklung solcher Medikamente aber sei wichtig, zumal jährlich noch rund 700.000 Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen sterben,

Schon in der Vergangenheit war der Familienkonzern auch in der Virologie-Forschung engagiert, hat sich nach mehreren Misserfolgen aus diesem Gebiet aber vor einigen Jahren zurückgezogen.

Von Baumbach ist überzeugt, dass durch die Fonds-Beteiligung schneller neue Medikamente gefunden werden können – von der möglicherweise auch Corona-Patienten profitieren könnten. „Viele virale Infektionen sind ja auch mit bakteriellen Infektionen verbunden.“

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    Herr von Baumbach, alle Welt wartet derzeit dringend auf Therapien gegen Covid-19. Warum nun ausgerechnet jetzt eine Initiative gegen resistente Keime?
    Wir diskutieren schon lange über die Problematik der multiresistenten Keime. Aber es braucht eben eine gewisse Zeit, um eine solche Initiative vorzubereiten. Man kann das Thema zudem nicht ganz von der Covid-19-Pandemie trennen. Viele virale Infektionen sind ja auch mit bakteriellen Infektionen verbunden.

    Wie groß ist die Gefahr?
    Die Zahlen sind bedrückend. Nach Schätzungen sterben jährlich 700.000 Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen.

    Könnte die konzentrierte Aktion gegen Covid-19 nun ein Vorbild sein für den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen?
    Die Aktion zeigt, was man bewegen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Beim Thema Covid-19 wird mittelfristig eine medizinische Lösung gefunden werden, davon bin ich überzeugt. Gleichzeitig muss die Pharmaindustrie weiter in der Breite in vielen Therapiebereichen forschen. Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eben auch bakterielle Infektionen stellen weiterhin große gesundheitliche Belastungen dar. Wir müssen deshalb auch in diesen Bereichen weiter mit Beharrlichkeit an neuen Medikamenten forschen.

    Die Pharmafirmen stellen nun Geld bereit. Warum forschen Sie nicht selbst mehr auf dem Gebiet?
    Das eine schließt das andere nicht völlig aus. Es geht hier vor allem darum, möglichst schnell neue Produkte hervorzubringen. Es gibt eine Reihe junger Firmen, die viel Vorarbeit auf dem Gebiet leisten. Viele scheitern daran, dass die letzte Meile der Produktentwicklung nicht mehr finanzierbar ist. Dadurch enden auch vielversprechende Projekte. Das wollen wir verhindern.

    Und die großen Pharmafirmen könnten die Forschung nicht selbst in die Hand nehmen?
    Viele Firmen müssten fast von null anfangen. Deshalb schließen wir uns als Fonds zusammen und nicht als Forschungsgemeinschaft. In dem Fall würde es vermutlich 15 Jahre dauern, bis ein Medikament entwickelt ist. Durch die Unterstützung von Start-ups schaffen wir es vielleicht in fünf Jahren.

    Diesen Firmen bieten Sie nun zusätzliche Finanzmittel?
    Wir wollen sie nicht nur finanziell unterstützen. Die Unternehmen, die den Fonds tragen, bringen auch umfangreiche Expertise in Felder wie Produktion, klinische Forschung, Zulassung und Vermarktung mit ein. Zudem sind ja auch große Stiftungen engagiert.

    Welche Renditeerwartungen sind an den Fonds geknüpft?
    Der Fonds ist nicht renditeorientiert. Es geht uns hier nicht um Erträge, sondern allein darum, möglichst schnell neue Produkte hervorzubringen und zu verhindern, dass Innovationen an der Finanzierung scheitern.

    Schon in den letzten Jahren gab es diverse Initiativen, um die Antibiotika-Entwicklung voranzubringen. Warum ist das so schwierig?
    Ein entscheidendes Problem besteht darin, dass es keinen funktionierenden Markt für neue Antibiotika gibt. Dadurch sind klassische Risikokapitalgeber sehr zurückhaltend. Mit dem Fonds begegnen wir diesen Finanzierungsproblemen. Aber der Fonds ist nur eine Maßnahme von vielen. Wir müssen jetzt die Zeit nutzen, um gemeinsam mit der Politik Lösungen zu suchen. Wir brauchen wieder ein funktionierendes Marktmodell für Antibiotika. Dann werden auch wieder mehr Unternehmen in diesem Bereich investieren.

    Mehr: Boehringer Ingelheim bleibt trotz Corona auf stabilem Kurs.

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