Hütten im Saarland Projekte in der Pipeline

Die Hütten in Dillingen und Völklingen stehen auf einer soliden Basis. Im vergangenen Jahrzehnt haben sie die Nischenposition gefunden, in der sie auf dem Weltmarkt führend sind. Doch auch sie müssen in der Krise kämpfen.
  • Joachim Penner
Die Alte Völklinger Hütte wurde von der Unesco in die Reihe der Industrie-Weltkulturdenkmäler erhoben. Quelle: dpa

Die Alte Völklinger Hütte wurde von der Unesco in die Reihe der Industrie-Weltkulturdenkmäler erhoben.

(Foto: dpa)

SAARBRÜCKEN. Bei der Dillinger Hütte kehrt nach einem Rekordjahr Ernüchterung ein: Der Vorstandsvorsitzende Paul Belche hat bei der Vorlage der Jahresbilanz jüngst ein schwieriges Jahr angekündigt. „Insgesamt ist für 2009 aus heutiger Sicht mit deutlichen Rückgängen beim Auftragseingang, der Kapazitätsauslastung, der Umsatzentwicklung und den Finanzergebnissen zu rechnen“, sagte Belche.

Mehr Freude machte der Rückblick auf 2008. Da war der Konzern-Umsatz um 14 Prozent gestiegen und hatte mit 3,3 Mrd. Euro erstmals die Drei-Milliarden-Marke geknackt. Mit dem besten Umsatz- und Finanzergebnis in der Geschichte der Dillinger Hütte seien die Voraussetzungen geschaffen worden, die Wirtschaftskrise erfolgreich zu überstehen, sagt Belche.

Zur soliden Basis trägt auch die gefestigte Marktposition bei. Und die können beide Saarhütten für sich reklamieren: Die Völklinger Saarstahl (SAG) und die Dillinger Hütte haben im vergangenen Jahrzehnt ihre Nischen gefunden, in denen sie nun auf dem hart umkämpften Weltmarkt führend sind.

Die AG der Dillinger Hüttenwerke nahm als Flachstahlhersteller mit dem Schwerpunkt Grobbleche in der Branche schon immer eine Sonderstellung ein. Heute profitiert sie von ihren Lieferungen für den internationalen Pipelinebau. Völklinger Saarstahl galt lange als Massenstahlhersteller, konnte sich mittlerweile aber als Spezialist für Langstahl profilieren.

Die Saarstahl-Walzprodukte gehen zu 60 Prozent in den Automobilsektor, unter anderem als Reifendraht, Schrauben oder Bolzen. Stahl aus Völklingen findet in High-Tech-Produkten der Automobilindustrie ebenso Verwendung wie in der Raumfahrt, beispielsweise in der europäischen Ariane-Rakete. Die Premiumprodukte sichern die beiden Hütten vor den Konjunkturschwankungen der Branche etwas ab. Zudem ist Spitzenqualität in der Regel weniger preisanfällig.

Die Wirtschaftskrise geht an der saarländischen Stahlindustrie dennoch nicht vorbei. Gleichwohl hält man in Dillingen und Völklingen an den Langfristplanungen fest. „Wir werden flexibel auf die Gegebenheiten reagieren und sehen uns gut aufgestellt, um auch im schwierigen Jahr 2009 profitabel wirtschaften zu können. Alle Investitionen, die wir in unsere Zukunftsfähigkeit fließen lassen, setzen wir unvermindert fort“, sagt Stahl-Manager Belche.

Das gilt auch für das Personal. Für den demografischen Wandel sorgen die beiden Hütten bewusst vor, indem sie Jugendliche verstärkt ausbilden – und so für qualifizierten Nachwuchs in der Zukunft sorgen. Überhaupt setzt man an der Saar auf die eigene Stärke. Um die Selbstständigkeit zu sichern, haben die Saarländer erst jüngst vom bisherigen Mehrheitsaktionär in Dillingen, Arcelor-Mittal, gut 21 Prozent der Anteile an der Dillinger Hütte erworben. „So saarländisch war Dillingen noch nie“, sagt Belche.

Nunmehr hält Arcelor-Mittal, die Nummer eins der Stahlbranche aus Luxemburg, nur noch 30,8 Prozent, nach 51,25 Prozent zuvor. Damit ist der Weg frei für ein weiteres Zusammenrücken der beiden Hütten in Völklingen und Dillingen. Eng beieinander sind die Unternehmen bereits jetzt bei der Zentralkokerei Saar und der Roheisengesellschaft Rogesa sowie bei der Kokerei im nahen lothringischen Carling.

Der globale Einbruch der Stahlnachfrage trifft die beiden Saarhütten unterschiedlich: Während auch das Jahr 2009 in den ersten drei Monaten für die Dillinger Hütte noch bestens angelaufen ist, fährt das Unternehmen nun ab dem zweiten Quartal die Produktion zurück. Dabei will die Dillinger Hütte aber nicht auf Kurzarbeit zurückgreifen, sondern vorerst mit dem Abbau von Arbeitszeit- und Urlaubskonten auskommen.

Demgegenüber musste Saarstahl bereits im Januar und Februar Kurzarbeit für die Bereiche Draht und Stab einführen, da der Absatz gerade bei den Auto-Zulieferungen gefährdet ist. Die Maßnahme sei zunächst für sechs Monate geplant, sagt SAG-Vorstandschef Claude Kintz.

Dabei stockt das Unternehmen das Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent des Netto-Einkommens auf. „Kurzarbeit verhindert Entlassungen“, sagt Karlheinz Blessing, Arbeitsdirektor in Völklingen und Dillingen. Und: ,,Weil wir mittelfristig optimistisch in die Zukunft blicken, wollen wir an den Stammbelegschaften festhalten und mit Kurzarbeit die schwierige Phase überbrücken.“ Der Völklinger Vorstand hofft auf eine Besserung der Auftragslage im zweiten Halbjahr 2009, wenn die Lager bei Herstellern und Händlern abgebaut sind.

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