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IKB-Studie Die Lage ist für kleine Zulieferer besonders bedrohlich – und wird es bleiben

Viele kleine Zulieferer in Deutschland haben sich auf den heimischen Markt und Produkte für den Verbrennungsmotor konzentriert. Das rächt sich nun.
27.12.2019 - 18:22 Uhr 2 Kommentare
Die Autobranche steht nach Einschätzung von Moody's besonders unter Druck. Quelle: dpa
Produktion bei einem Autozulieferer

Die Autobranche steht nach Einschätzung von Moody's besonders unter Druck.

(Foto: dpa)

Stuttgart, Düsseldorf IG-Metall-Chef Jörg Hofmann macht sich große Sorgen um die Autozuliefererindustrie in Deutschland. Vor allem den kleinen und mittelgroßen Betrieben stehen immense Herausforderungen bevor. Es gebe unter ihnen eine Gruppe, so Hofmann, dessen Umsatz zu mehr als drei Viertel aus Komponenten für den Verbrennungsmotor besteht. Diese Gruppe beschäftigt immerhin 300.000 Menschen – und genau für sie dürfte 2020 eine ungewisse Zeit anbrechen.

Das bestätigt nun auch eine Studie der Mittelstandsbank IKB Deutsche Industriebank, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach stehen kleinere Automobilzulieferer, die vor allem den deutschen Markt beliefern, vor einer viel schwierigeren Situation als von vielen erwartet.

„Die aktuelle Schwächephase des Automobil-Produktionsstandortes Deutschland hält aktuell deutlich länger an und ist vom Ausmaß erheblich schlimmer als die während der Finanzkrise“, heißt es in der Studie. Die Erträge der kleineren Zulieferer seien weniger diversifiziert als die größerer Zulieferer, sodass sie im Jahr 2018 relativ stark unter Druck gerieten – ein Trend, der sich nach Einschätzung der Bank 2019 und 2020 fortsetzen sollte. Größere Zulieferer hingegen konnten ihre Erträge stabiler gestalten.

Für die Studie wertet die IKB seit Jahren die Abschlüsse von 50 deutschen mittelständischen Automobilzulieferern aus. Die Jahresumsätze der einzelnen Firmen liegen zwischen 50 Millionen und mehreren Milliarden Euro.

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    „Der Produktionseinbruch in der Automobilbranche hat sich entgegen den Erwartungen als deutlich langlebiger gezeigt als anfangs erwartet und wird auch in den Kennzahlen von 2020 zu erkennen sein“, sagen die Autoexperten der Bank voraus. Die Folgen: Die Eigenmittelquoten von kleineren Zulieferern stehen unter Druck, Ertragskraft und Profitabilität gehen zurück.

    Der deutsche Automarkt ist besonders stark gebeutelt. So sank die Produktion hierzulande in den ersten zehn Monaten 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent. Verglichen mit 2017 beträgt der Rückgang sogar 17 Prozent.

    Verschärft wird der Überlebenskampf auf dem Zulieferermarkt durch den Zwang in Zeiten niedriger Margen mehr investieren zu müssen. Die Zukunftsfelder Elektromobilität, vernetztes und autonomes Fahren erfordern erheblich Investitionen.

    Die von der IKB erhobenen Daten zeigen, was das für kleine Betriebe bedeutet: Während bei den befragten Unternehmen mit einem Umsatz von unter 250 Millionen das Ergebnis vor Steuern von 5,8 im Jahre 2016 auf 2,8 Prozent im vergangenen Jahr gesunken ist, hat sich die Investitionsquote im selben Zeitraum von fünf auf 10,5 Prozent mehr als verdoppelt.

    Schon jetzt ist klar, dass es für einige Unternehmen schwer wird, das durchzuhalten. Denn der Abschwung ziehe sich nun schon gut 18 Monate hin und eine deutliche Korrektur erwarten die IKB-Experten nicht.

    Selbst Branchengiganten wie Bosch oder Continental, die mit deutlich mehr Kapital ausgestattet sind als die kleinen Betriebe, bringt die Kombination aus sinkenden Margen und hohem Investitionsdruck an ihre Grenzen. Die beiden größten Zulieferer des Landes schließen Werke und entlassen zusammen Tausende von Mitarbeitern.

    Steigende Personalkosten

    Umgekehrt zeigt das, wie prekär die Lage bei den kleinen Zulieferern sein muss. Denn laut der IKB-Studie können Bosch, Conti & Co. immerhin auf einen internationalen Kundenstamm zurückgreifen. Sie sind nicht so stark vom deutschen Markt abhängig, der deutlich stärker eingebrochen ist als der im Ausland. Viele kleine Zulieferer haben diesen Vorteil nicht.

    Laut IG-Metall-Chef Hofmann bräuchten die kleinen Zulieferer andere Rahmenbedingungen. Auch weil sich die Finanzierungsbedingungen für sie verschlechtert haben. Die Gewerkschaft schlägt daher wie bereits in der Währungs- und Finanzkrise 2008/2009 einen milliardenschweren Zukunftsfonds vor, mit dem der Staat Erstrisiken für Kredite übernehmen solle.

    Prozyklisch wirken wiederum kräftige Lohnsteigerungen und der anhaltende Beschäftigungsaufbau. Die gestiegenen Personalkosten spiegeln sich auch in den IKB-Jahresabschlüssen der Automobilzulieferer. Die Personalquote ist 2018 über alle Unternehmensgrößenklassen weiter angestiegen.

    Die Gesamtkapitalrendite hat sich hingegen deutlich verringert – das gilt für alle Unternehmen, aber insbesondere für die kleineren. Bei Zulieferern mit einem Umsatz von über einer Milliarden Euro war der Rückgang weniger stark ausgeprägt. Aber auch Branchengiganten wie Bosch oder Continental stellen sich auf eine Dauer von fünf Jahren ein, bis sich der Markt wieder substanziell erholt.

    Bei einem weiteren Absinken der Rentabilität, wird es immer schwerer zu überleben. Die IKB-Auswertungen der Abschlüsse für das erste Halbjahr 2019 zeigen, dass sich die Kennzahlen weiter deutlich verschlechtern dürften. Handelt es sich dann noch um Unternehmen mit einer höheren Verschuldung, dann leben diese nur noch, wegen der historisch niedrigen Zinsen. Man spricht auch von so genannten Unternehmens-Zombies – lebenden Toten. Sobald der Zins steigt sind solche Firmen schnell weg vom Fenster.

    Die prognostizierte Konjunkturentwicklung im Jahr 2020 lässt die IKB einen anhaltend hohen Druck auf die Rentabilität der Zulieferindustrie erwarten. Die Prognosen deuteten zwar auf eine Erholung der globalen Absatzmärkte hin. Diese Belebung dürfte allerdings relativ flach verlaufen und nicht ausreichen, den Einbruch der Ergebnisquote von 2018/19 nennenswert zu korrigieren.

    Mehr: Die schwächelnde Konjunktur und das Ende des Verbrenners machen den Autozulieferern schwer zu schaffen. Nun gibt es Probleme bei der Kreditvergabe.

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    2 Kommentare zu "IKB-Studie: Die Lage ist für kleine Zulieferer besonders bedrohlich – und wird es bleiben"

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    • Sorry, 2008 hätte man schon absehen können was wird. Nur hat man die Finanzkrise dazu benutzt, um die Automobilwirtschaft am Leben zu erhalten. Viel zu viel Geld über Verschrottungsprämien und anderen sinnlosen Investitionen in den Verbrennungsmotor plus kontinuierliche Erhöhung der Vergütungen an die Belegschaft durch die Gewerkschaften in den letzten Jahren, führen automatisch zur Unrentabilität. Was nicht rentabel ist, wird abgeschafft. Irgendwie logisch oder ? Ich muss nicht Grün sein oder denken, nur es gibt zu diesem Zeitpunkt, nur einen Planeten Erde und das weiß jeder.

    • Die politisch überzogenen Grenzwerte werden eine Ganze Industrie zerstören. Das sich die Mehrheit der Bevölkerung ist unbegreiflich. Diese Umwelthysterie wird ganz Europa schwächen, insbesondere aber Deutschland. Die Linksgrünen müssen sich zukünftig warm anziehen wenn die Sozialkosten deshalb kaum noch finanzierbar sind.

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