Im Interview: Lars Göran Josefsson Vattenfall-Chef: „Wir stehen keiner Lösung im Weg“

Vattenfall-Konzernchef Lars Göran Josefsson erklärt im Handelsblatt-Interview, warum er auf einen stärkeren Wettbewerb hofft, was er vom von der EU geplanten ownership unbundling hält, warum sein Unternehmen einen Sinneswandel braucht und was er an der deutschen Atomlobby auszusetzen hat.
Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson Foto: ap Quelle: ap

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(Foto: ap)

Herr Josefsson, am Mittwoch will die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket auf den Weg bringen, um den schleppenden Wettbewerb auf dem Energiemarkt anzukurbeln. Wird das für die Branche und Vattenfall ein schwarzer Tag?

Im Gegenteil! Ich hoffe, dass der Wettbewerb in Europa gestärkt wird und wir einen Sprung nach vorne machen.

Wie bitte? Gerade den großen Konzernen wirft die EU-Kommission doch vor, nicht genug für die Marktöffnung zu tun.

Vor fünf Jahren mag man in manchen Unternehmen so gedacht haben. Inzwischen hat die Branche aber erkannt, dass es zur Liberalisierung keine Alternative gibt. Das Ziel, einen funktionierenden Markt zu schaffen, ist in unserem Interesse. Vattenfall kommt aus einem Land mit einem kleinen Heimatmarkt - wir haben Wettbewerb in Europa immer begrüßt.

Das klingt aber harmonisch. Im Kern will die EU die Versorger zerschlagen, auch ihre deutsche Tochter Vattenfall Europe müsste sich von ihrem Transportnetz trennen. Wären Sie dazu bereit?

Wir stehen keiner Lösung im Weg. Wir halten ownership unbundling aber nicht für den besten Weg. Es ist nicht praktikabel, weil es viele rechtliche Fragen aufwirft, und es würde den Wettbewerb auch nicht voran bringen.

Und was ist die Alternative?

Es ist viel wichtiger, die Netze über die Landesgrenzen hinweg zu verbinden. Wir sind bereit, unsere Transportnetze in einen regionalen Übertragungsnetzbetreiber einzubringen, der als unabhängiges Unternehmen das Netz managt und vor allem Investitionsentscheidungen mit Blick auf einen grenzüberschreitenden Markt trifft. Das ist der elegantere Weg, einen funktionierenden und liquiden europäischen Markt zu schaffen. Dies habe ich Herrn Barroso auch so geschrieben.

Vattenfall hat mit anderen Konzernen schon eine Initiative für einen Regionalmarkt in fünf westeuropäischen Ländern angestoßen. Wollen sie so die EU besänftigen?

Nein, es ist einfach ein nützlicher Schritt.

In ihrem Heimatmarkt Schweden ist das ownership unbundling schon seit 1992 Realität. Hat es sich denn nicht bewährt?

Doch, aber da ist das Netz im Eigentum des Staates, der der Betreibergesellschaft nur eine niedrige Rendite erlaubt. Eine börsennotierte Gesellschaft hätte so kaum einen Anreiz zu investieren. Und auch unsere Energieministerin spricht sich für einen regionalen Netzbetreiber für den nordischen Raum aus.

Die EU beklagt vor allem magenlden Wettbewerb um private Kunden. Ihr Unternehmen hat zuletzt über 100 000 Kunden verloren. Sie liefern damit ungewollt Argumente gegen die EU-Pläne ...

Der Markt ist in der Tat in Bewegung. Energieunternehmen wie wir müssen sich auf Verluste in ihren Stammgebieten einstellen, und versuchen, diese in anderen Regionen zu kompensieren. Es würde mich verwundern, wenn es in fünf Jahren noch Städte gibt, in denen ein einziger Anbieter einen Marktanteil von über 80 Prozent hat.

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