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Immunologie- und Proteingeschäft Biotechfirma Expedeon verkauft ihr Kerngeschäft für das Doppelte des Börsenwerts

Nach dem Verkauf ihres Protein- und Immunologiegeschäfts will sich Expedeon ganz auf die DNA-Produktion konzentrieren – und sich umbenennen.
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Ein Immunochromatographie-Test für His-Tag-Proteine. Quelle: Expedeon
Expedeon-Produkt

Ein Immunochromatographie-Test für His-Tag-Proteine.

Frankfurt Mit einem ungewöhnlichen Deal sorgte die kleine Heidelberger Biotechfirma Expedeon für Aufsehen in der deutschen Biotechbranche: Für 120 Millionen Euro in bar will das Unternehmen sein Immunologie- und Proteinforschungsgeschäft an die britische Firma Abcam verkaufen.

Die verkauften Sparten, die Reagenzien für die Pharmaforschung produzieren, repräsentieren mehr als 80 Prozent der Assets des Unternehmens und etwa 90 Prozent des Umsatzes von zuletzt 13 Millionen Euro. Der Kaufpreis für dieses bisherige Hauptgeschäft von Expedeon ist dabei rund doppelt so hoch wie die Börsenbewertung des Unternehmens.

Der Aktienkurs des Heidelberger Unternehmens legte am Montag um gut ein Drittel auf mehr als 1,60 Euro je Aktie zu. Mit nunmehr rund 80 Millionen Euro bleibt die Marktkapitalisierung allerdings immer noch deutlich unter dem erwarteten Cash-Zufluss aus dem Deal mit Abcam.

Den Erlös aus der Transaktion will Expedeon teilweise nutzen, um die verbliebenen Aktivitäten im Bereich Genomik – vor allem in der Produktion von DNA – auszubauen. Hier setzt das Heidelberger Unternehmen auf ein neues, noch in Entwicklung befindliches Verfahren zur Produktion von DNA ohne die Nutzung von lebenden Zellen. „Dieser Ansatz bietet wesentliche Vorteile gegenüber der klassischen, fermenterbasierten Methode“, zeigt sich Firmenchef Heikki Lanckriet überzeugt.

Expedeon rechnet mit einer steigenden Nachfrage nach DNA durch den Vormarsch von Gentherapien im Pharmabereich. Für diese Gentherapien und genetische Impfstoffe werde eine große Menge an DNA in hoher Qualität benötigt. Synthetische DNA könne daher maßgeblich dazu beitragen, die Entwicklung und Produktion therapeutischer Produkte voranzutreiben – zumal die Kapazitäten für die klassische Herstellung mithilfe genmodifizierter Zelllinien derzeit knapp seien.

25 von 100 Mitarbeitern bleiben bei Expedeon

Um der neuen Ausrichtung Rechnung zu tragen, will sich Expedeon nun in „4Basebio AG“ umbenennen. Die Namensänderung sowie den Verkauf der bisherigen Kernaktivitäten an Abcam soll eine außerordentliche Hauptversammlung am 19. Dezember beschließen. Von bisher rund 100 Mitarbeitern werden noch etwa 25 bei Expedeon bleiben.

Das Heidelberger Unternehmen schlägt mit der Transaktion ein weiteres Kapitel in einer bereits wechselvollen Historie auf. Rein rechtlich ist die Firma aus der in den 90er-Jahren gegründeten Bioinformatikfirma Lion Bioscience hervorgegangen, die im Jahr 2000 mit einem großen Börsengang für Furore sorgte, später aber mit ihrem Geschäftsmodell scheiterte.

SAP-Mitgründer Dietmar Hopp brachte 2006 die von BASF erworbene Pharmaforschungsfirma Axaron in Lion ein und positionierte das Unternehmen unter dem Namen Sygnis als Pharmaforschungsunternehmen mit Schwerpunkt Medikamente gegen Schlaganfälle. Auch diese Strategie war erfolglos.

Durch die Fusion mit der spanischen Firma X-Pol wandelte sich das Unternehmen daraufhin zu einem Biotechzulieferer mit Schwerpunkt im Bereich der DNA-Vermehrung und Protein-Analyse. Später folgten weitere Zukäufe und Fusionen mit Firmen in Großbritannien, die den Löwenanteil des nun wieder verkauften Produktsortiments mitbrachten, und 2018 schließlich die Umbenennung in Expedeon AG.

Größte Anteilseigner sind nach Angaben des Unternehmens heute die Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton mit rund 8,3 Prozent Anteil und ein Finanzinvestor namens Fernandez Trust mit 5,1 Prozent. Gut 83 Prozent des Kapitals befinden sich danach im Free Float.

Mehr: Geneditierungsverfahren wie Crispr/Cas ermöglichen neue Behandlungsmethoden. Für Anleger kann ein Investment in die junge Branche aber riskant sein.

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