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Industrie Aktionäre attackieren die Thyssen-Krupp-Führung

Die Bilanz des Konzerns fällt desaströs aus. Kurzfristig ist keine Besserung absehbar. Namhafte Aktionäre bringen sich vor der Hauptversammlung in Stellung.
28.01.2020 - 08:40 Uhr Kommentieren
Thyssen-Krupp: Aktionärsvertreter attackieren die Führung Quelle: Reuters
Martina Merz

Die Vorstandschefin will Thyssen-Krupp etappenweise umbauen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Wenn Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz am Freitag vor die Hauptversammlung in Bochum tritt, dürften ihr die Aktionäre einen eher kühlen Empfang bereiten. Die Vorstandsvorsitzende hat ihren Posten zwar erst zum Ablauf des vergangenen Geschäftsjahres 2018/19 (zum 30. September) angetreten. Als frühere Chefkontrolleurin ist sie für die desaströse Jahresbilanz aber mitverantwortlich. So zumindest sehen es einige Investoren.

Unterm Strich steht ein Nettoverlust von 260 Millionen Euro. Der Aktienkurs ist seit der letzten Hauptversammlung um mehr als ein Viertel in die Tiefe gerauscht. Angesichts der angespannten Lage empfiehlt der Vorstand, auf die Dividende zu verzichten. Das droht auch für das laufende Geschäftsjahr, für das der Konzern mit noch deutlich höheren Verlusten rechnet.

Merz ist kein Mensch, der Durchhalteparolen in die Welt bläst. Sie ist Realistin mit dem Hang, schwierige Fälle sanieren zu wollen. Ihre Fähigkeit dazu hat sie bei ihrem früheren Arbeitgeber Bosch unter Beweis gestellt, wo sie für ihre Vorgesetzten als Managerin für die Problembereiche galt.

Den Thyssen-Krupp-Investoren wird Merz am Freitag aber noch keine Lösung für die Probleme präsentieren können. Die Lage bei dem Ruhrkonzern sei viel zu komplex, als dass mit einem Befreiungsschlag alles geklärt wäre, sagte ein Führungskraft. Schritt für Schritt will Merz vorgehen. Thyssen-Krupp soll in Etappen saniert werden.

Wie das Konglomerat einmal aussehen soll, hängt stark von der geplanten Abspaltung der Aufzugssparte ab. Am Montag endete die Angebotsfrist für interessiere Wettbewerber, zu denen die finnische Kone gehört. Mit einem Erlös von 15 oder mehr Milliarden Euro könnte Thyssen-Krupp seine Finanzen sanieren und hätte noch Geld, um in den Stahl und andere Bereiche zu investieren.

Auch wenn Merz eine langfristige Perspektive schuldig bleibt – den Umbau führt sie fort: 6000 Stellen sollen konzernweit gestrichen werden, vielleicht sogar noch mehr. Letztlich kommen fast alle Geschäfte auf den Prüfstand. Weite Teile des Anlagenbaus und der Komponentenfertigung stehen wie die Aufzugssparte vor dem Verkauf.

Die Rückendeckung ihrer beiden größten Aktionäre, der Krupp-Stiftung und des Finanzinvestors Cevian, hat die Vorstandschefin. Nun muss sie die anderen Teilhaber des Ruhrkonzerns von den Plänen überzeugen. Doch schon im Vorfeld der Hauptversammlung bringen sich namhafte Aktionäre gegen Vorstand und Aufsichtsrat in Stellung.

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So beantragt etwa der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger, sowohl Merz selbst als auch Krupp-Stiftungschefin Ursula Gather und Cevian-Vertreter Jens Tischendorf für ihre Tätigkeit im Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Merz wechselte im September als Aufsichtsratschefin auf den Vorstandsvorsitz, nachdem das Gremium den Vertrag mit Vorgänger Guido Kerkhoff gegen eine hohe Millionenzahlung aufgelöst hatte.

„Dass der Aufsichtsrat angesichts der katastrophalen Bilanz seine eigene Entlastung vorschlägt, zeigt einen Mangel an Selbstreflexion“, sagte Strenger dem Handelsblatt. Dies schlage sich in den Vergütungen nieder: „Dass Kerkhoff nach nicht einmal einjähriger Tätigkeit mit sechs Millionen Euro Abfindung verabschiedet wird, steht in keinem Verhältnis zur Lage der Gesellschaft.“

Es ist ein hartes Zeugnis, das der frühere Aufsichtsratschef der Fondsgesellschaft DWS der Führung des Ruhrkonzerns ausstellt. Er fordert, die Vorstandsvergütungen bei Thyssen-Krupp zu senken.

Thyssen-Krupp verbrennt Geld

Doch angesichts der Herausforderungen, vor denen Thyssen-Krupp steht, wäre selbst ein kompletter Gehaltsverzicht wohl nur von symbolischer ‧Natur. Denn seit Jahren schon kämpft der Industriekonzern mit einem milliardenschweren Schuldenberg, den frühere Fehlinvestitionen in die Bilanz gerissen hatten. Gleichzeitig leiden die Geschäfte unter dem industriellen Abschwung. So verbrennt Thyssen-Krupp im Moment an vielen Stellen knappes Geld.

Im Anlagenbau verlor der Konzern 194 Millionen Euro, weitere 123 Millionen Euro im Stahlgeschäft. Auf 369 Millionen Euro belaufen sich die Kosten in der Zentrale. Dem gegenüber stehen Einnahmen aus der Komponentenfertigung (105 Millionen Euro) und dem Werkstoffhandel (66 Millionen Euro) – vor allem aber aus dem Aufzugsgeschäft, das einen Gewinn von 791 Millionen Euro erzielte.

Genau von diesem Geschäftsbereich will sich das Unternehmen in den nächsten Monaten aber trennen. Mit dem Verkauf könnte Vorstandschefin Merz die finanziellen Probleme von Thyssen-Krupp auf einen Schlag lösen. Denkbar ist noch, dass der Konzern das Geschäft an die Börse bringt – und als Mehrheitsaktionär langfristig Zugriff auf einen Großteil der Gewinne behält. Innerhalb des Vorstands ist man sich wohl indes einig, die Sparte zu verkaufen. „Einmal Geld reinholen und die Probleme im Restkonzern lösen“, sagte eine hochrangige Führungskraft.

Noch läuft der Bieterprozess für den Verkauf, an dem sich neben einer Handvoll Finanzinvestoren der Rivale Kone beteiligt. Dabei wird dem finnischen Aufzugshersteller das größte Interesse nachgesagt – auch weil sich durch eine Fusion mit Thyssen-Krupp Elevator wohl ein dreistelliger Millionenbetrag an Synergien heben ließe.

Carsten Riek, Analyst bei Credit Suisse, sieht dennoch einen Börsengang als die wahrscheinlichste Option. „Zum einen haben sich mit der Krupp-Stiftung und den Gewerkschaften bereits wichtige Akteure für eine solche Lösung starkgemacht“, sagte er dem Handelsblatt. „Sie stellen zusammen die Mehrheit im Aufsichtsrat, der am Ende entscheidet.“

Zum anderen lasse sich das Ziel, den Ruhrkonzern bilanziell zu sanieren, auch ohne einen Komplettverkauf erreichen. „Nach unseren Berechnungen kommen auf Thyssen-Krupp kurzfristig schlimmstenfalls Belastungen in Höhe von 4,3 Milliarden Euro zu, wenn die defizitären Geschäfte im Anlagenbau- und Automobilsektor nicht verkauft werden können und geschlossen werden müssen“, erklärte er.

Dabei eingerechnet sind ein prognostizierter Kapitalabfluss von 1,2 Milliarden Euro im kommenden Jahr sowie die nötigen Abschreibungen und Personalkosten im Falle einer Schließung – vorausgesetzt, das Management geht die Probleme zügig an und die Gewerkschaften ziehen mit. Findet der Konzern einen Käufer, fällt der Betrag sogar noch geringer aus.

Hohe Schulden, viele Pensionäre
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