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Industrie Deutsche Chemiebranche warnt vor Aufrüsten Chinas in der Forschung

Die Volksrepublik hat dem Verband zufolge hohe Summe investiert und im Bereich Entwicklung deutlich aufgeholt. Für Deutschland werde es schwieriger, seine Position zu verteidigen.
Update: 15.08.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Die Branche gab 2018 einen Betrag von rund 11,8 Milliarden Euro für F&E aus. Quelle: dpa
Forschung und Entwicklung

Die Branche gab 2018 einen Betrag von rund 11,8 Milliarden Euro für F&E aus.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die deutsche Chemie-Industrie ist konjunkturell unter Druck geraten. In ihrer Innovationsstrategie sieht sie sich davon indessen bisher nicht gebremst. Das machen die jüngsten Daten des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) deutlich: Die gesamten F+E-Ausgaben der Branche sind danach im vergangenen Jahr weiter gestiegen, von 11,5 Milliarden Euro auf den neuen Rekordwert von 11,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund 5,8 Prozent des Branchenumsatzes von zuletzt 203 Milliarden Euro.

Der VCI geht dabei davon aus, dass die F+E-Ausgaben auch im laufenden Jahr trotz rückläufiger Umsätze in der Branche noch weiter leicht steigen werden und erstmals die Schwelle von zwölf Milliarden Euro erreichen dürften.

Der positive Trend spiegelt sich zudem auch in den Personalzahlen wider. So ist die Zahl der Beschäftigten im Forschungsbereich laut VCI 2018 um zwei Prozent auf rund 43.000 Mitarbeiter gestiegen. Die Branche zählt sich damit neben Elektro- und Autoindustrie weiter zu den forschungsstärksten Industrien in Deutschland. Rund 60 Prozent der Firmen arbeiten laut VCI an neuen Produkten und Verfahren.

Stark geprägt werden die Zahlen dabei von den Pharmafirmen, die traditionell mit in die Statistik des VCI einfließen. Rund 7,1 Milliarden Euro der F+E-Ausgaben betreffen nach Angaben des VCI die Pharmaforschung. Aber auch die eigentlichen Chemieunternehmen haben ihre Forschungsausgaben weiter gesteigert auf rund 4,7 Milliarden Euro.

Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses für Forschung, Wissenschaft und Bildung, zieht dennoch eine zwiespältige Bilanz mit Blick auf die Innovationskraft. Deutschland bleibe einer der wichtigsten F+E-Standorte für die Chemiebranche und sei nach den USA und China weiter drittgrößter Produzent von forschungsintensiven Chemiewaren.

China bläst zum Angriff

Mittelfristig könne es aber schwieriger werden, die Position des heimischen Produktions- und Forschungsstandort zu verteidigen. Wessel, der im Hauptberuf Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Essener Evonik AG ist, verweist dabei insbesondere auf die enormen Anstrengungen Chinas im Bereich der Chemieforschung. „Das Reich der Mitte fährt klar auf der Überholspur. Es ist absoluter Spitzenreiter bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen.“

Rund ein Drittel der weltweiten Forschungspublikationen im Bereich Pharma und Chemie kommen danach inzwischen aus China. Bei den reinen Chemiepatenten liege Deutschland zwar noch vorne. „Es ist aber nur noch eine Frage der Zeit, bis das Reich der Mitte uns auch hier den Rang abläuft.“

Vor diesem Hintergrund macht sich der VCI weiter stark für eine größere steuerliche Forschungsförderung. Die nun eingeführte Förderung von maximal 500.000 Euro pro Unternehmen und Jahre könne nur der Anfang sein. „Das muss ausgebaut werden.“

Dass die Umsätze und Produktionsmengen der Chemiebranche aktuell trotz steigender Forschungsinvestitionen sinken, führt Wessel vor allem auf die Abwanderung der Basischemie an kostengünstigere Standorte zurück. Die hohe und steigende Forschungsintensität trage letztlich entscheidend dazu bei, dass die deutsche chemische Industrie ihr Geschäft im Gegenzug stärker in den Bereich höherwertiger und innovativerer Chemieprodukte verlagere.

Diesen Trend muss die Branche nach eigener Einschätzung weiter fortsetzen, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Er spiegelt sich auch in den Strategien der meisten deutschen Chemiekonzerne wider, die versuchen, ihr Geschäft in Richtung höher veredelter Chemieprodukte zu verlagern und zudem verstärkt an neuen neuen Verfahren arbeiten, um den CO2-Ausstoß der Chemieproduktion zu verringern.

Um die Innovationskraft des Chemiestandorts zu verstärken, setzt sich der Branchenverband auch für eine bessere Förderung junger Start-up-Firmen im Chemiebereich ein. Sie spielen nach Einschätzung Wessels bei der Erschließung neuer Anwendungsmöglichkeiten und neuer Technologien heute eine entscheidende Rolle. Die Versorgung mit Wagniskapital sei indessen nach wie vor zu schwach, die Bürokratie zu kompliziert und die Infrastruktur für solche jungen Unternehmen oft unzureichend.

Mehr: Infineon-Chef Reinhard Ploss im Interview: „Die USA versuchen, China auf Abstand zu halten.“

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