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Industrie Österreich lockt mehr deutsche Unternehmen

Immer mehr deutsche Firmen schätzen die Nähe der Alpenrepublik zu Osteuropa. Ein wesentlicher Grund dafür ist die steuerliche Forschungsförderung.
1 Kommentar
Österreich lockt mehr deutsche Unternehmen
Wien

Österreich will künftig noch stärker in Deutschland um Firmen werben.

Wien Mit seiner guten Infrastruktur und der Nähe zu den osteuropäischen Märkten lockt Österreich wieder deutlich mehr Unternehmen aus Deutschland an. „Wir verzeichnen in den ersten neun Monaten ein Wachstum von 50 Prozent. Die Hälfte der Firmen kommt aus Bayern und Baden-Württemberg“, sagt Rene Siegl, Chef der Standortagentur Austrian Business (ABA), dem Handelsblatt in Wien.

Die Zahl der realisierten Ansiedlungsprojekte stieg in den ersten drei Quartalen auf 116 Unternehmen. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 77. Mit weiteren 210 Firmen steht ABA nach eigenen Angaben derzeit in Verhandlungen.

Die Mehrheit der Unternehmen besteht aus zahlreichen Niederlassungen mit durchschnittlich zehn bis zwölf Mitarbeitern. „Die Unternehmen suchen nicht mehr nur den Zugang zum Markt in Österreich, sondern auch zu den Märkten in Ost- und Südosteuropa“, sagt Siegl. Die Volkswirtschaften in Ländern wie Ungarn oder Rumänien wachsen im EU-Vergleich überdurchschnittlich.

Auch EU-Bewerberländer wie Serbien oder Albanien erfreuen sich hoher Wachstumsraten. Österreich punktet mit der steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung. „Die Forschungsprämie ist einer unserer größten Wettbewerbsvorteile“, sagt Rene Siegl. So fördere die Alpenrepublik über Investitionen nicht nur das Personal, sondern auch Gebäude, Forschungseinrichtungen und Technik.

Eine finanzielle Obergrenze gibt es dabei nicht. Die steuerliche Förderung beträgt in Österreich 14 Prozent der gesamten Investitionssumme. Die Forschungsprämie wird vom Finanzamt gutgeschrieben – auch bei Firmen, die keinen Gewinn ausweisen.

Vor kurzem eröffnete Heitec, ein Spezialist für industrielle Lösungen, in Niederösterreich ein Technologiezentrum. Das Erlanger Unternehmen ist auf Automatisierung und Elektronik spezialisiert und unterstützt Kunden bei der Digitalisierung. Der neue Standort im österreichischen Amstetten fungiert als Osteuropa-Zentrum des fränkischen Unternehmens.

Für das Investment von sechs Millionen Euro in den neuen Standort in Österreich hat sich Heitec-Vorstandschef Richard Heindl nach eigenen Angaben entschieden, „weil es neben einer sehr gut entwickelten Infrastruktur einen Pool von gut ausgebildeten Fachkräften gibt“. Laut Rene Siegl sei es in bestimmten Branchen wie dem Maschinenbau oder der Metallverarbeitung in Österreich leichter als in Deutschland, Fachkräfte zu finden.

Hinzu komme der kontinuierliche Zuzug von Arbeitskräften aus Osteuropa. Insbesondere aus den Nachbarländern Ungarn und Slowakei sowie den Balkan-Staaten strömen noch immer Arbeitskräfte wegen der höheren Löhne und der besseren Lebensqualität in die Alpenrepublik.

Eine Milliardeninvestition eines deutschen Unternehmens in Österreich wird es voraussichtlich in diesem Jahr nicht geben. 2018 investierte noch Infineon stolze 1,6 Milliarden Euro am Standort Villach in die vollautomatisierte Fertigung von Halbleitern und einen Gebäudekomplex für Forschung und Entwicklung. Laut dem Konzern entstehen bis 2021 rund 750 neue Arbeitsplätze am österreichischen Hauptstandort in Kärnten.

Österreich will künftig noch stärker in Deutschland um Firmen werben. Die Hoffnungen liegen dabei auf ihrer neuen Regierung. Am Sonntagabend hatten die die Grünen vereinbart, Koalitionsgespräche mit der konservativen ÖVP aufzunehmen.

Für die schwarz-grüne Regierung in Wien hat ABA-Chef Siegl bereits Ideen, um die Attraktivität des Standorts zu erhöhen. „Wichtig wäre, die Körperschaftsteuer in Richtung 20 Prozent zu senken und die Forschungsprämie um weitere zwei Prozent anzuheben“, sagte Siegl. „Auch mit der Entbürokratisierung muss ernst gemacht werden“, sagt der Chef der Firmenansiedlungsagentur, die dem Wirtschaftsministerium in Österreich untersteht.

Wichtigster Wirtschaftspartner

Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner des Landes. Auf die Bundesrepublik entfallen nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich rund 35 Prozent des Außenhandelsumsatzes von knapp 28 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten.

Insbesondere Unternehmen wie Siemens, Infineon, BMW, Rewe-Gruppe, Bosch und der Pharma-Konzern Boehringer-Ingelheim sind in der Alpenrepublik mit eigenen Standorten vertreten. Bislang ist Österreich von der Konjunkturabkühlung weitaus weniger betroffen als Deutschland.

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) erwartet zwischen 2020 und 2024 ein jährliches Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent. „Durch umfangreiche Entlastung der privaten Haushaltseinkommen in den Jahren 2020 bis 2022 um insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro wird die private Konsumnachfrage weiterhin gestützt und der Sog des internationalen Abschwungs abgeschwächt“, bilanzierten die Wiener Ökonomen erst kürzlich.

Mehr: Die Angst vor der Abwanderung von Spitzenforschung deutscher Firmen ist unbegründet. Wenn sie Forschung im Ausland betreiben, geht es ihnen um Wissensergänzung.

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1 Kommentar zu "Industrie: Österreich lockt mehr deutsche Unternehmen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vermutlich wird das nicht mehr lange der Fall sein: sollte "Basti" Kurz, um die Eurokraten und österreichischen linksgrünen Mainstream-Medien zu befriedigen, irrsinnigerweise ein Koaltion mit den Grünen eingehen, werden die Unternehmen sehr schnell abhauen. Grüne können eben nur "nachhaltige" Wirtschaftszerstörung.
    Wo wächst das BIP in der EU am meisten? U.a. in Irland, Polen und Ungarn mit konservativen bzw. wirtschaftsliberalen Regierungen:
    https://www.zerohedge.com/economics/ireland-first-italy-worst-european-commission-releases-gdp-growth-forecasts
    Da können die Grünen und Linken auch noch soviel heulen und mit den Zähnen knirschen, wie sie wollen...