Stahlherstellung in China

Seit Jahren kämpft die Branche mit dramatischen Überkapazitäten.

(Foto: dpa)

Industrie So steht es um den Stahlmarkt weltweit

Die Hersteller überschwemmen den Markt, die Preise erholen sich nach einer Talfahrt nur langsam. Können Fusionen helfen?
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FrankfurtWeniger ist mehr – es gibt wohl kaum Unternehmen, auf die das Sprichwort besser zutrifft als auf die europäischen Stahlhersteller. Seit Jahren kämpft die Branche mit dramatischen Überkapazitäten. Zwar zog die Stahlnachfrage dank der verbesserten Weltkonjunktur zuletzt wieder an. Doch noch immer übersteigt das Angebot die globale Nachfrage deutlich.

2016 produzierten die Hersteller nach Zahlen des Weltstahlverbands Worldsteel mit einer Gesamtmenge von rund 1,6 Milliarden Tonnen Rohstahl etwa 7,5 Prozent mehr, als verbraucht wurde, immerhin gut 113 Millionen Tonnen. Die Folge waren sinkende Preise – und Hersteller, die deswegen unter Druck gerieten.

Den Tiefpunkt erreichte der Stahlpreis im Sommer 2016: Rund 300 Euro kostete da eine Tonne Walzstahl. Vor allem für die Produzenten aus den Industriestaaten, die sich traditionell höheren Löhnen ausgesetzt sehen als ihre Konkurrenten aus Asien oder Südamerika, war das ein ruinöser Preiskampf.

Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Jahrzehnten auf diese Entwicklung mit Zusammenschlüssen reagiert. So entstand etwa der derzeit weltgrößte Stahlhersteller Arcelor-Mittal 2007 aus den beiden Konkurrenten Mittal Steel Company und Arcelor. Tata Steel Europe ging aus der Corus-Gruppe hervor, die wiederum 1999 aus British Steel und der niederländischen Koninklijke Hoogovens geschaffen wurde.

Im gleichen Jahr entstand auch Thyssen-Krupp – aus der Fusion der Thyssen AG mit der Friedrich Krupp AG Hoesch-Krupp, die wiederum selbst Ergebnis eines Zusammenschlusses war. Selten ging das ohne Jobabbau vonstatten – und selten ohne heftige Proteste vonseiten der Arbeitnehmer.

Die nun geplante Fusion der europäischen Stahlsparten von Thyssen-Krupp und Tata Steel steht unter dem gleichen Stern. Mehrfach hat Vorstandschef Heinrich Hiesinger klargemacht, worum es dabei geht. „Gegen die Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt können wir nicht ansparen“, erklärte er im September im Interview mit dem Handelsblatt, nachdem er die Fusionspläne bekanntgegeben hatte. „Wir gehen dieses Grundübel nun an.“

Ob das genügt, ist fraglich. Zwar haben sich die Stahlpreise inzwischen wieder erholt, zuletzt auf gut 550 Euro pro Tonne Walzstahl. Doch der Weltwirtschaft droht Ungemach, nachdem die US-Regierung Ende Mai beschlossen hat, Stahlimporte mit einem Strafzoll von 25 Prozent zu belegen – und damit auch der konjunkturanfälligen Stahlbranche.

Hinzu kommt die Sorge wegen möglicher Umlenkungseffekte, verursacht durch Hersteller, die ihre Produkte traditionellerweise auf dem US-Markt angeboten haben. Zu nennen sind hier vor allem Russland und die Türkei, die bisher zusammen jährlich rund fünf Millionen Tonnen Stahl in die USA exportierten – und die nun, wegen ihrer geografisch günstigen Lage, auch den europäischen Markt bedienen könnten.

Die EU hat deshalb ein „Safeguard-Verfahren“ eingeleitet, bei dem die Warenströme auf dem Stahlmarkt erfasst und mit denen im gleichen Zeitraum vor den US-Zöllen verglichen werden. Kommt es zu einem sprunghaften Anstieg der Importe aus einem Land, kann die Kommission mit Zöllen und Einfuhrquoten gegensteuern.

Laut Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, hat schon die Ankündigung der US-Zölle zu Umleitungen geführt. So rechnet der Verband für 2018 in Deutschland mit einem Import-Plus von 14 Prozent. Weniger ist mehr – das bekommen die Hersteller auch hier zu spüren.

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