Industrie: Stahl, Halbleiter, Kunststoff: Die Wirtschaft bunkert aus Angst vor Lieferengpässen
In der Branche ist schon von „Panikkäufen“ die Rede.
Foto: imago images/Rupert OberhäuserDüsseldorf. Die Schwierigkeiten bei der Beschaffung und die Sorge vor Materialmangel treiben die Nachfrage bei Herstellern von industriellen Vorprodukten wie Stahl, Halbleitern und Kunststoff. Zahlreiche Unternehmen aus den entsprechenden Branchen melden Rekordzahlen – denn viele Kunden füllen ihre Lager auf, um trotz drohender Knappheiten liefern zu können.
Der Chef des Stahlhändlers Klöckner & Co. sprach gar von „Panikkäufen“ in den Abnehmerindustrien – und verbuchte eine Verdoppelung des Gewinns. Immobiliendienstleister wie JLL registrieren eine Rekordnachfrage nach Lagerflächen: Mit rund 2,3 Millionen Quadratmetern in Lager- und Logistikimmobilien vermietete JLL mehr Fläche als je zuvor in einem ersten Quartal.
Die Wirtschaft rechnet wegen des Ukrainekriegs mit anhaltenden Problemen in den Lieferketten. „Die verarbeitende Industrie hat volle Auftragsbücher und versucht, sich jedes verfügbare Vorprodukt zu sichern“, sagt Markus Mayer, Chemieexperte der Baader Bank. „Sie will lieferfähig bleiben und fürchtet weitere Preissteigerungen.“
Tatsächlich treibt die Lagerhaltung die Preise zusätzlich an. Das zeigt die Konjunkturumfrage des Verbands „Die Familienunternehmer“, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach haben sich die Einkaufspreise für Vorprodukte im April im Vergleich zum Vorjahr um 56 Prozent verteuert. Bei den Rohstoffen liegt das Plus bei 46 Prozent.