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Industrie Thyssen-Krupp plant einen schmerzhaften Befreiungsschlag

Vorstandschefin Martina Merz hat den Fahrplan für die Zukunft des Industriekonzerns festgelegt. Thyssen-Krupp verkleinert sich radikal. Selbst eine Trennung vom Stahl ist plötzlich denkbar.
19.05.2020 - 11:58 Uhr Kommentieren
Der Industriekonzern wird sich wohl deutlicher verschlanken als ursprünglich geplant. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Der Industriekonzern wird sich wohl deutlicher verschlanken als ursprünglich geplant.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Frankfurt Als Martina Merz im vergangenen Jahr den Vorstandsvorsitz bei Thyssen-Krupp übernommen hatte, bat die ehemalige Bosch-Managerin um Geduld. Einen Plan der vielen kleinen Schritte wollte die gebürtige Baden-Württembergerin ausarbeiten und damit die jahrelange Krise des taumelnden Industrieriesen endgültig beenden.

Am Montag präsentierte Merz ihre Strategie schließlich dem Aufsichtsrat. Und die hat es in sich: Zahlreiche Geschäfte, die in den vergangenen Jahren für Hunderte Millionen Euro Verluste gesorgt hatten, sollen nun nach und nach veräußert werden. Merz will Thyssen-Krupp auf Rendite trimmen. Alles, wofür der Vorstand keine eigene Perspektive mehr sieht, fliegt raus.

Vorausgegangen war dem ein monatelanger Prozess, bei dem sie jeden Stein im Unternehmen umgedreht habe, erklärte die 57-Jährige am Dienstagmorgen vor Journalisten. „Wir wollen Thyssen-Krupp zu einer Unternehmensgruppe weiterentwickeln“, gab sie als Fernziel aus. Damit beginnt ein radikaler Umbau, an dessen Ende der Ruhrkonzern kleiner, aber schlagkräftiger dastehen soll als in den vergangenen Jahren.

In einem ersten Schritt will Merz dafür einen bunter Strauß an Geschäften in einer eigenen Einheit bündeln, um sie in einem zweiten Schritt verkaufen zu können. Dazu zählen einerseits der Anlagenbau, das Edelstahlwerk im italienischen Terni sowie die Geschäftsbereiche Federn und Stabilisatoren und Anlagenbau für den Antriebsstrang, die beide in der Autozulieferung angesiedelt sind. Hier sieht Thyssen-Krupp ausreichend Potenzial, einen geeigneten Käufer zu finden.

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    Schwieriger dürfte die Käufersuche hingegen für die Bereiche Grobblech (Stahl), den Anlagenbau für die Batteriezellenfertigung (Autozulieferung) sowie Infrastructure (Materials Services) werden, die ebenfalls in der neuen Gesellschaft angesiedelt sein sollen. Hier prüft der Vorstand alternativ auch eine Schließung, sollte sich in absehbarer Zeit kein Interessent finden.

    Die Thyssen-Krupp-Chefin will die jahrelange Krise des Industriekonzerns endgültig beenden. Quelle: Reuters
    Martina Merz

    Die Thyssen-Krupp-Chefin will die jahrelange Krise des Industriekonzerns endgültig beenden.

    (Foto: Reuters)

    Die Führung der neuen Einheit, die einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro und etwa 20.000 Mitarbeiter umfasst, übernimmt als CEO der bisherige M&A-Chef Volkmar Dinstuhl, der bereits den Elevator-Deal verantwortete und künftig zwei Positionen parallel innehaben wird. Die Ertragsperle hatte Thyssen-Krupp bereits vor einigen Wochen für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium von Finanzinvestoren verkauft.

    Mit dem Geld sollen nun die Finanzschulden gesenkt werden, die sich zuletzt auch wegen der Coronakrise auf gut 7,5 Milliarden Euro aufgetürmt hatten. Was mit dem übrigen Geld passiere soll, ließ Merz allerdings weitgehend offen. „Wir wollen uns in der Krise die nötige Flexibilität erhalten und das Geld möglichst wertmaximierend einsetzen“, so die Managerin.

    Bislang hatte es stets geheißen, dass mit dem Erlös auch die Pensionsverpflichtungen von zuletzt 7,6 Milliarden Euro teilweise ausfinanziert werden sollen. Das sei zwar weiter eine Option erklärte nun Finanzchef Klaus Keysberg. „Aber wir fahren hier auf Sicht.“

    Eine Entscheidung in dieser Frage sei erst mit dem Eingang des Erlöses aus der Elevator-Transaktion zu erwarten. Das gelte auch für die Investitionen in die übrigen Geschäfte, über die mit Ausnahme der Stahlsparte noch nicht entschieden ist.

    „Keine Denkverbote“

    Den neuen Kern von Thyssen-Krupp sollen die Sparten Stahl, Werkstoffe, Marine, Autozulieferung und die Fertigung von Industriekomponenten bilden. Doch auch hier begibt sich Thyssen-Krupp teilweise nun auf Partnersuche. So befinde sich das Unternehmen derzeit in Gesprächen mit mehreren Wettbewerbern über einen Zusammenschluss des Stahlgeschäfts. Auch für die Werften und die Autozulieferung sucht Thyssen-Krupp nach Partnern und prüft verschiedene Konstellationen.

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    Denkverbote schloss Merz dabei aus. So sei es durchaus möglich, dass sich der Ruhrkonzern von einer Mehrheit seiner Stahlsparte trenne. „Wir machen den gesamten Optionsraum auf“, so die Managerin. Auch eine innerdeutsche Fusion etwa mit Salzgitter sei möglich. „Aber wir gehen das Vorhaben wertfrei an und entwickeln verschiedene Möglichkeiten parallel.“

    Nach Recherchen des Handelsblatts spricht Thyssen-Krupp dabei auch mit dem chinesischen Hersteller Baosteel sowie SSAB aus Schweden und Tata Steel aus Indien. Die IG Metall hatte hingegen bereits deutlich gemacht, dass sie eine nationale Lösung favorisiert.

    So sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler dem Handelsblatt: „Bei einer möglichen Fusion der Stahlsparte mit einem Wettbewerber ist es uns wichtig, dass Thyssen-Krupp Steel Europe ein deutsches Unternehmen bleibt, das auch deutschen Mitbestimmungsregeln unterliegt.“ Maßgeblich seien Zusagen in Bezug auf Investitionen sowie der Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen. „Unsere Präferenz liegt daher eher bei einer nationalen Konsolidierung der Stahlindustrie.“

    Nicht zur Disposition stellt der Vorstand den Werkstoffhandel und die Fertigung von Industriekomponenten. Diese Geschäfte bezeichnete Merz in der Telefonkonferenz als „Pfeiler“ des Unternehmens. „In diesen Bereichen verbindet sich eine herausragende Marktposition mit Entwicklungspotenzial“, so die Managerin.

    Für Thyssen-Krupp bedeutet das letztlich eine radikale Verkleinerung. Denn die beiden Sparten vereinen gerade einmal knapp 25.000 Mitarbeiter und stehen für 38 Prozent des Umsatzes von zuletzt knapp 16 Milliarden Euro im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2019/20, das im September endet.

    Mehr: Der Ruhrkonzern sucht Partner für die Stahlsparte. Im Gespräch ist dabei auch erneut der indische Hersteller Tata Steel.

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