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Industrie Trotz schwacher Inlandsnachfrage – Bergbaumaschinen-Hersteller feiern Erfolge

In Deutschland verkaufen die Unternehmen zwar immer weniger Maschinen. Dafür brummt das Geschäft im Ausland, das schon jetzt 96 Prozent der Branchenumsätze ausmacht.
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Vor allem in den USA zog die Nachfrage nach deutschen Bergbaumaschinen spürbar an – auch wegen der energiepolitischen Wende von US-Präsident Donald Trump. Quelle: AP
US-Kohlemine

Vor allem in den USA zog die Nachfrage nach deutschen Bergbaumaschinen spürbar an – auch wegen der energiepolitischen Wende von US-Präsident Donald Trump.

(Foto: AP)

Düsseldorf Bagger, Tunnelbohrer und Fördertechnik aus deutscher Produktion sind international wieder zunehmend gefragt. Im laufenden Geschäftsjahr 2018 dürfte der Umsatz der deutschen Bergbaumaschinen-Hersteller erstmals seit 2013 deutlich steigen, teilte der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) am Donnerstag mit.

Es ist das Ende einer langen Durststrecke. Während die Umsätze in den vergangenen fünf Jahren nahezu kontinuierlich sanken, von rund 6,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 bis auf rund 2,7 Milliarden in 2017, dürften sie in diesem Jahr wieder die Drei-Milliarden-Grenze knacken – ein Plus von zwölf Prozent.

Michael Schulte Strathaus, Vorsitzender des Fachverbandes Mining im VDMA und Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensgruppe, erklärte bei Vorlage der Zahlen: „Für uns ist damit die Durststrecke vorbei.“ Die Branche habe den Strukturwandel, den der deutsche Ausstieg aus dem Steinkohlenbergbau ausgelöst hatte, erfolgreich bewältigt.

Vor allem im Heimatmarkt Deutschland ist der Absatz der Branche in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Dementsprechend hoch ist die Exportquote der Branche: Rund 96 Prozent ihrer Einnahmen erwirtschaften die deutschen Produzenten inzwischen im Ausland.

Auch in diesem Jahr dürfte die heimische Nachfrage nach Bergbaumaschinen weiter fallen. So rechnet der Verband damit, dass die Umsätze von zuletzt rund 120 Millionen Euro, die die Unternehmen in Deutschland erzielten, im laufenden Jahr um 22 Prozent auf nur noch rund 90 Millionen Euro abschmelzen dürften.

Schulte Strathaus erklärte dazu: „Die wenig rohstoff- und damit auch bergbauaffine Politik in unserem Land lässt für das Inlandsgeschäft kaum Impulse erwarten.“ Deutschland werde bei der Rohstoffbeschaffung immer abhängiger vom Ausland. Er rechne mittelfristig damit, dass sich die heimischen Erlöse auf einen geschätzten Wert um 60 Millionen Euro einpendeln könnten, so der Verbandsvorsitzende.

Dafür dürfte der Absatz im Ausland nach einer mageren Periode in diesem Jahr um 13 Prozent auf rund drei Milliarden Euro ansteigen, so die bisherige Hochrechnung des VDMA. Besonders stark hat sich demnach die Nachfrage in den USA entwickelt, wo US-Präsident Donald Trump energiepolitisch wieder stärker als frühere Regierungschefs auf fossile Brennstoffe wie Kohle setzt. Das sorgt auch für eine höhere Nachfrage nach Maschinen, mit denen sich diese Rohstoffe abbauen lassen.

Doch angesichts aufziehender Handelskonflikte zwischen den USA und anderen Ländern gab Schulte Strathaus auch zu bedenken: „Es sind, auch durch die Politik von Trump, Unsicherheiten entstanden, die zu einer gewissen Zurückhaltung bei Investitionen geführt haben.“

Gemeint seien damit etwa die Sanktionen gegen den Iran, aber auch der Handelsstreit mit China und die damit verbundene Verhängung von Strafzöllen, aber auch das eingetrübte Verhältnis zwischen den USA und der EU, so der Fachverbandschef. „Zwar gehen wir trotz dieser Unwägbarkeiten davon aus, dass unsere Exporte in die USA auch im kommenden Jahr anziehen werden. Steigerungsraten wie in diesem Jahr werden wir jedoch wohl kaum erreichen.“

Während die EU und die USA mit einem Exportanteil von 25 beziehungsweise 17 Prozent derzeit noch die größten Märkte für die deutschen Hersteller sind, ziehen die chinesischen Abnehmer nach. Inzwischen exportieren die Mitglieder des VDMA-Fachverbandes Mining rund zehn Prozent ihrer Produkte in die Volksrepublik, im kommenden Jahr sollen es noch mehr werden.

„Es gab 2016 Signale aus dem chinesischen Markt, die darauf schließen ließen, dass das Land seine Bergwerke praktisch ausschließlich mit eigener Technik ausstatten will“, so Schulte Strathaus. „Doch schon kurz darauf mussten auch die politisch Verantwortlichen einsehen, dass das nur beschränkt zu realisieren war.“

So böten die deutschen Hersteller nach Ansicht des Verbandsvorsitzenden Technologien an, die auf dem chinesischen Markt nicht verfügbar seien: „In den Bereichen Sensorik, Datenerfassung, Datenauswertung und -verknüpfung sind wir Weltspitze.“ Allein mit chinesischer Technik ließe sich die von der chinesischen Politik gewollten Hochleistungsbergwerke deshalb nur schwer realisieren.

Für das kommende Jahr rechnet der VDMA mit stagnierenden Umsätzen in Europa, während die Absätze in den USA und China weiter anziehen dürften. Unter dem Strich dürfte es für 2019 also weiteres Wachstum geben.

Auch langfristig stehe es gut um das Geschäft, so Schulte Strathaus. So rechne die OECD damit, dass sich der weltweite Rohstoffbedarf bis 2060 nahezu verdoppelt. „Das wird sich natürlich positiv und vor allem auch nachhaltig auf unser Geschäft auswirken.“

Eine verstärkte Nachfrage erwartet der Verband dabei vor allem in Branchen, wo Rohstoffe für alternative Energieerzeugung gebraucht werden, also Lithium für die Herstellung von Batterien, Kupfer oder seltene Erden. „Immer mehr Menschen auf der Welt geht es wirtschaftlich besser“, so der Verbandschef. Damit stiegen zwangsläufig auch die Ansprüche nach Mobilität, beim Wohnen, in der Kommunikation oder im Konsum.

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