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Tom Blades

Der Bilfinger-CEO kündigte an, die Erhöhung der Bruttomarge „noch stärker priorisieren“ zu wollen.

(Foto: dpa)

Industriedienstleister Wie Bilfinger-Chef Blades den Konzern wieder auf Erfolgskurs führt

Bilfinger bestätigt im zweiten Quartal seine Jahresprognose – vor allem weil das Unternehmen unter Vorstandschef Blades kontinuierlich neue Geschäfte erschließt.
Update: 14.08.2019 - 15:16 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Als Bilfinger-Vorstandschef Tom Blades vor einem Jahr verkündete, der Industriedienstleister werde künftig Entschwefelungsanlagen für die Schifffahrtsindustrie bauen, sorgte das zunächst für überraschte Gesichter. Denn bisher hatte der Konzern sich damit vor allem bei Industrieanlagen einen Namen gemacht. Doch die Kunden bestellten die Scrubber – und sorgten damit schon in diesem Jahr für einen stabilen Auftragseingang bei dem lange notleidenden Unternehmen.

Nun erklärte Blades bei Vorlage der Quartalszahlen an diesem Mittwoch, das Auftragsvolumen für Scrubber sei von null Euro im Vorjahr auf 200 Millionen Euro zwischen April und Juni angewachsen. „Wir hätten mehr Aufträge annehmen können, wollten unsere Kunden aber nicht enttäuschen.“ Zuletzt reichten die Kapazitäten für den Bau von fünf Scrubbern pro Monat, perspektivisch wolle man die Zahl auf 15 pro Monat erhöhen. „Die Kunden wollen bestellen“, sagte der optimistisch gestimmte Manager.

Die Scrubber gehören zu den Erfolgsgeschichten bei Bilfinger, die seit dem Absturz des Unternehmens 2014 immer seltener geworden waren. Doch Stück für Stück bringt Blades den ehemaligen Baukonzern wieder auf Kurs – das zeigt auch die Prognose für 2019, in der Bilfinger erstmals seit langer Zeit wieder einen positiven Free Cashflow in Aussicht stellt. Analysten rechnen damit, dass der Baukonzern das Geschäftsjahr 2019 erstmals seit fünf Jahren wieder mit einem Nettogewinn abschließen könnte.

Denn trotz des konjunkturellen Gegenwinds laufen die Geschäfte derzeit gut für den SDax-Konzern. So stieg der Umsatz im Vorjahresvergleich um acht Prozent auf auf rund 1,1 Milliarden Euro. Auch beim bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) legte Bilfinger um 47 Prozent kräftig zu, auf 17 Millionen Euro zwischen April und Juni (Vorjahresquartal: zwölf Millionen Euro).

„Wir sind im achten Quartal in Folge beim Umsatz organisch gewachsen“, fasste der Manager die positive Entwicklung der vergangenen Monate zusammen. Gleichzeitig drückte das Unternehmen die Kosten für Vertrieb und Verwaltung weiter – und erreichte hier erstmals eine Quote von unter acht Prozent vom Umsatz, nachdem der Wert noch vor drei Jahren bei mehr als zehn Prozent gelegen hatte.

Mittelfristige Ziele in Sicht

Finanzchefin Christina Johansson, die Ende des vergangenen Jahres in den Vorstand eingetreten war, bestätigte angesichts dessen das Mittelfristziel, die Vertriebs- und Verwaltungskostenquote bei Bilfinger bis 2020 auf weniger als 7,5 Prozent zu senken. „Im laufenden Jahr werden wir insgesamt bei etwa 8,3 Prozent liegen. Wir sind aber zuversichtlich, unsere Ziele bis zum kommenden Jahr zu erreichen“, so Johansson.

Erfreulich entwickelte sich vor allem das Service-Geschäft für Industrieanlagen in Europa, das Bilfinger in der Einheit „Engineering & Maintenance Europe“ bündelt. Der Auftragseingang der bislang größten Sparte des Industriedienstleisters wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7,5 Prozent auf 757 Millionen Euro. Auch bei der Ebita-Marge erzielte die Sparte eine deutliche Verbesserung von 3,3 auf 4,0 Prozent.

Etwas schlechter lief es für die Sparte hingegen im Rest der Welt, also vor allem in Nordamerika und dem Mittleren Osten. So verringerte sich der Auftragseingang im zweiten Quartal um fast 20 Prozent auf 246 Millionen Euro. Allerdings steigerte der Vorstand die Profitabilität deutlich. So vervierfachte sich das Ebita auf acht Millionen Euro, bei einer Marge von 2,9 Prozent (Vorjahr: 0,9 Prozent).

Vorstandschef Blades kündigte an, die Erhöhung der Bruttomarge „noch stärker priorisieren“ zu wollen. „Wir müssen die Projektausführung weiter verbessern und uns auf Wachstumsbereiche in Märkten und Dienstleistungen mit höheren Margen konzentrieren.“ Auch soll die Komplexität der Sparte E&T reduziert werden – beispielsweise durch die Zusammenlegung von Töchtern wie in Österreich, wo derzeit fünf Bilfinger-Gesellschaften zu einer Einheit fusioniert werden.

Für eine Enttäuschung indes sorgte das neben E&M zweite Standbein der Mannheimer, die Ingenieurdienstleistungssparte „Technology“. Hier verringerte sich das bereinigte Ebita von minus fünf Millionen Euro im zweiten Quartal 2018 auf nunmehr minus zwölf Millionen Euro.

Entsprechende Maßnahmen zur Ergebnissteigerung seien unter anderem mit einem Management-Wechsel bei einer besonders stark betroffenen Technology-Tochter zwar bereits eingeleitet worden, sagte Finanzchefin Johansson. „Wir rechnen aber nicht damit, dass bis zum Jahresende bei der Tochter der Break-Even erreicht wird.“

Prognose bestätigt

Für den Gesamtkonzern rechnet die Schwedin im laufenden Jahr dennoch mit einem bereinigten Ebita von mehr als 100 Millionen Euro – das wäre eine Steigerung von mehr als 50 Prozent. Positiv soll sich endlich auch der Free Cashflow entwickeln, nachdem Bilfinger 2018 einen Mittelabfluss von vier Millionen Euro zu verzeichnen hatte.

Neue Aufträge erwartet der SDax-Konzern vor allem durch den Bau eines Atomkraftwerks im Südwesten von England („Hinkley Point C“). So sind im zweiten Quartal bereits Aufträge im Wert von 18,5 Millionen Euro für den Bau eines nuklearen Dampferzeugungssystems unterzeichnet worden. Weitere in Höhe von rund 40 Millionen Euro seien im zweiten Halbjahr zu erwarten, so Blades.

Auch bei dem Verkauf von Altlasten kommt der Konzern weiter voran: Im April trennte sich Bilfinger für zehn Millionen Euro von den verbliebenen Anteilen an der Bau-Tochter Julius Berger Nigeria, die dem Unternehmen wegen eines Korruptionsfalls 2013 eine jahrelange Beobachtung durch den US-Monitor Mark Livschitz eingebrockt hatte. Erst Ende des vergangenen Jahres endete die Aufsicht, nachdem das US-Justizministerium Bilfinger ein funktionierendes Compliance-System bescheinigt hatte.

Doch vor Gericht beschäftigt das Unternehmen die Causa bis heute. So klagt das Unternehmen gegen zwölf frühere Vorstände, denen vorgeworfen wird, sich nicht ausreichend um eine saubere Geschäftsführung bei dem früheren Baukonzern gekümmert zu haben.

Darunter findet sich auch der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, der Bilfinger von 2011 bis 2014 als Vorstandsvorsitzender geführt hatte. Bilfinger fordert einen dreistelligen Millionenbetrag von zwölf früheren Vorständen.

Aus vielen Ländern hatte sich das Unternehmen seither aus Angst vor weiteren Korruptionsfällen zurückgezogen. Doch nach der bestandenen Überprüfung durch das US-Justizministerium traue sich Bilfinger auch wieder Geschäfte in Fernost zu, hatte Blades nach dem Ende der Aufsicht im Dezember erklärt – zum Beispiel in China, wo Bilfinger seit einiger Zeit inzwischen ebenfalls Scrubber für Hochseeschiffe verkauft.

Mehr: Der SDax, die kleine Schwester des Dax, wird in diesem Sommer 20 Jahre alt. Doch trotz großer Kursgewinne wird der Index von Anlegern im Vergleich zu Dax und MDax vernachlässigt – zu Unrecht.

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1 Kommentar zu "Industriedienstleister: Wie Bilfinger-Chef Blades den Konzern wieder auf Erfolgskurs führt"

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  • Hää??
    Ihre ausgeprägte Sympathie für Bilfinger und Tom Blades in allen Ehren aber die Aktie ist dieses Jahr um 50% runter. Heute fällt sie um 12% und notiert auf mindestens einem 10-Jahrestief - weiter geht mein Chart nicht zurück.
    Entweder es handelt sich hier um eine schlecht gekennzeichnete bezahlte Anzeige oder der Autor hat eine sehr exklusive Meinung.

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