Industriegasehersteller EU-Kommission erlaubt Fusion zwischen Linde und Praxair

Die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat den Mega-Deal zwischen Linde und Praxair unter Auflagen genehmigt. Die wichtigste Hürde steht aber noch aus.
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Bei der geplanten Fusion zwischen Linde und Praxair ist es zu unerwarteten Schwierigkeiten bei den US-Kartellbehörden gekommen – ihre Genehmigung steht noch aus. Quelle: Reuters
Linde

Bei der geplanten Fusion zwischen Linde und Praxair ist es zu unerwarteten Schwierigkeiten bei den US-Kartellbehörden gekommen – ihre Genehmigung steht noch aus.

(Foto: Reuters)

München, BrüsselLinde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hat eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Fusion des Münchener Gasekonzerns mit dem US-Konkurrenten Praxair genommen. Die europäischen Wettbewerbshüter gaben am Montag grünes Licht für den von Reitzle vorangetriebenen 60-Milliarden-Euro-Deal, nachdem die beiden Unternehmen umfangreiche Zugeständnisse gemacht hatten. Nun steht und fällt der Zusammenschluss mit der Zustimmung der US-Aufsichtsbehörde FTC.

Für die Freigabe durch die EU-Kommission muss Praxair praktisch sein gesamtes Gasgeschäft im Europa verkaufen und sich von seinen Anteilen an dem Gemeinschaftsunternehmen Siad in Italien trennen. Um einen fairen Wettbewerb beim weltweiten Bezug von Helium zu gewährleisten, müssen Linde und Praxair zudem einen Teil der Bezugsverträge für das seltene Gas veräußern.

Unter diesen Bedingungen sei sichergestellt, „dass der Zusammenschluss keine weitere Konzentration in Europa bewirkt und die Kunden weiterhin von den Vorteilen des Wettbewerbs profitieren können“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Die EU-Kommission hatte die Fusion ausführlich geprüft und die Frist in den August hinein verlängert. In Industriekreisen war mit den nun verkündeten Auflagen und der daran geknüpften Freigabe aus Brüssel gerechnet worden. Schließlich hatten die beiden Unternehmen das Paket in den vergangenen Wochen mit der Kommission ausgehandelt. Mit dem japanischen Konkurrenten Taiyo Nippon Sanso Corporation hatten sie einen Käufer für das Praxair-Europageschäft präsentiert, der die Zustimmung der Kartellwächter fand.

Nach Informationen des Handelsblatts hatte die Kommission insbesondere verlangt, dass die Praxair-Aktivitäten nicht an mehrere kleine, lokale Anbieter verkauft werden, sondern dass ein neuer, starker Wettbewerber in Europa entstehe. Daher werden die Geschäfte mit einem Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro nun für fünf Milliarden Euro an den Bieter aus Japan verkauft.

So wichtig die Zustimmung aus Brüssel ist: Die größte Hürde auf dem Weg zur Gasefusion liegt in den USA. Auch dort hatte es intensive Abstimmungen mit den Kartellwächtern gegeben. Als Ergebnis sollte ein Großteil des US-Geschäfts von Linde an den deutschen Konkurrenten Messer verkauft werden. Doch dann stellte die US-Kartellbehörde FTC überraschend Zusatzforderungen: Es sollen noch mehr Aktivitäten in den USA verkauft werden, zudem zeigte sich die FTC mit dem Käufer Messer nicht zufrieden.

Seit Anfang August droht der Megafusion daher das Scheitern. Linde und Praxair sondieren derzeit, ob sie weitere Zugeständnisse machen können. Ursprünglich wollte Linde vor allem die sogenannte Bulk-Sparte an Messer verkaufen, die Flüssiggas in Tanklastwagen an die Kunden liefert. Insgesamt will Messer Aktivitäten mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro in Nord- und Südamerika übernehmen.

Linde prüft nun laut Industriekreisen, ob auch Teile des sogenannten Onsite-Geschäfts in den USA verkauft werden könnten, um die Fusion zu retten. Dabei handelt es sich um kleine und mittelgroße Gasanlagen, die direkt auf dem Firmengelände von Kunden stehen.

Das Problem dabei: Linde und Praxair haben sich selbst eine Schmerzgrenze gesetzt. Wenn sie sich von Geschäften von mehr als 3,7 Milliarden Dollar trennen müssen, könnten sie sich die Fusion noch einmal überlegen.

Denn bei zu großen Abspaltungen sind die Synergien von mehr als einer Milliarde Euro in Gefahr, die die Fusionspartner den Investoren versprochen haben.

Linde und Praxair halten es für wahrscheinlich, dass die Obergrenze wegen der Nachforderungen der FTC gerissen werden könnte. Derzeit berechnen sie, wie weit man über die Schmerzgrenze hinaus gehen könnte, ohne die Synergien zu gefährden. Laut Schätzungen in Industriekreisen dürfte sich der Deal bei mehr als vier Milliarden Dollar nicht mehr rechnen.

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