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Industriekonzern Aktionäre strafen auf Thyssen-Krupp-Hauptversammlung den Aufsichtsrat ab

Beim Aktionärstreffen sparen die Eigentümer von Thyssen-Krupp nicht mit Kritik. Vor allem die beiden Großaktionäre kommen dabei schlecht weg.
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Ursula Gather (links), Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung und Mitglied des Aufsichtsrats, und Martina Merz, designierte Vorsitzende des Aufsichtsrats von Thyssen-Krupp, stehen bei der Hauptversammlung auf dem Podium. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp-Hauptversammlung

Ursula Gather (links), Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung und Mitglied des Aufsichtsrats, und Martina Merz, designierte Vorsitzende des Aufsichtsrats von Thyssen-Krupp, stehen bei der Hauptversammlung auf dem Podium.

(Foto: dpa)

BochumVor seiner Premiere als Vorstandschef bei der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp in Bochum gibt Guido Kerkhoff ein Versprechen. „Ich mache hier nicht den Lehner“, witzelt der Manager im dunkelblauen Anzug vor Journalisten. Ein Jahr zuvor war Ulrich Lehner, der langjährige Chefkontrolleur des Industriekonzerns, an gleicher Stelle von der Bühne gestolpert.

Doch Kerkhoffs Satz kann man auch anders verstehen: Denn gut sieben Monate nach seinem Sturz legte Lehner sein Amt nieder – und löste damit ein beispielloses Führungschaos im Ruhrkonzern aus.

In den Wochen darauf musste Kerkhoff das Unternehmen stabilisieren. Sein Plan: den Konzern in zwei voneinander unabhängige Unternehmen aufteilen. Bei den anwesenden Aktionären stößt das Vorhaben auf Skepsis. Doch auf der Hauptversammlung zeigt sich schnell, dass nicht der Vorstand in der Kritik der Anteilseigner steht, sondern besonders das Gremium, das ihn kontrollieren soll.

So erklärte etwa Winfried Mathes, der als Corporate-Governance-Leiter der Fondsgesellschaft Deka und damit als Vertreter von 0,8 Prozent der Anteile vor den Aktionären sprach: „Wir können nur den Kopf schütteln über das Führungschaos, das unsere gewählten Vertreter da veranstaltet haben.“

Der Fonds kritisiert, dass Vorstand und Aufsichtsrat im vergangenen Jahr nicht auf Grundlage einer guten Corporate Governance zusammengearbeitet hätten. „Denn wie sonst ist der Abgang der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden sowie zweier weiterer Aufsichtsratsmitglieder zu erklären?“, fragte Mathes.

Zahlreiche Personalwechsel prägten das vergangene Jahr des Ruhrkonzerns, der lange mit einer neuen strategischen Ausrichtung der fünf Sparten gerungen hatte. Im Zuge dessen hatten Lehner und der damalige Vorstandschef Heinrich Hiesinger erklärt, keinen ausreichenden Rückhalt von den beiden Großaktionären für ihren Kurs erhalten zu haben.

Und so gerieten auch die Krupp-Stiftung (mit 21 Prozent größte Aktionärin) sowie der schwedische Investmentfonds Cevian (18 Prozent) in die Kritik der Kleinaktionäre. „Man muss beide hier schon an die gesetzlich vorgeschriebene Treuepflicht gegenüber uns normalen Aktionären erinnern“, klagte etwa Christian Strenger, Privataktionär und Experte für gute Unternehmensführung.

Vor allem Cevian hatte in der Vergangenheit immer wieder darauf gedrängt, die fünf Sparten des Konzerns – Aufzüge, Komponenten, Anlagenbau, Stahl und Werkstoffhandel – unabhängiger voneinander aufzustellen. Immer wieder hatte sich Hiesinger gegen die Forderung gewehrt, bis er im Juli 2018 entnervt hinwarf.

Entsprechend scharf kritisierte Strenger das Agieren von Stiftung und Fonds während der Krise: „Was Sie direkt und indirekt durch Tun oder Nichttun verursacht haben, hat unserer in schwerer See agierenden Gesellschaft nicht nur nicht gefehlt, sondern geradezu geschadet!“

Die Aktionäre sind aufgebracht – nicht nur wegen des Aktienkurses, der in den vergangenen zwölf Monaten um fast 40 Prozent auf zuletzt 15,80 Euro abgefallen war. Auch die geplante Teilung, an deren Ende ein Industriegüter- sowie ein Werkstoffkonzern entstehen sollen, stieß bei der Hauptversammlung auf Skepsis.

So fragte auch Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, schon vor einigen Wochen, wann sich die Teilungskosten von 800 Millionen Euro für die Aktionäre rechnen werden, wenn überhaupt.

Trotz der Zweifel nutzte der Aktionärsvertreter seine Rede auch als Lob für die Arbeit des Managements: „Ich möchte hier ausdrücklich dem Vorstand dafür danken, dass er die Chaostage im Spätsommer beendet hat.“ Ein anderer lobte: „Ich finde es toll, wie Sie das Schiff Thyssen-Krupp über Wasser gehalten haben.“

Es ist ein unerwartetes Lob angesichts des mageren Jahresüberschusses von 60 Millionen Euro, den der Konzern im vergangenen Jahr erzielte. Entsprechend stellten auch einige Aktionäre die Dividende von 15 Cent je Aktie in Frage, die sich in diesem Jahr insgesamt auf eine Ausschüttung von rund 90 Millionen Euro summieren dürfte.

Schon im Interview mit dem „Handelsblatt“ hatte Vorstandschef Kerkhoff indes erklärt: „Unser Ausblick ist gut und die Belastung durch die Ausschüttung nur sehr gering. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, unseren eigenen Anspruch mit einer Dividende zu unterstreichen.“

Noch müssen die Aktionäre die neuen Aufsichtsräte Martina Merz, die den Vorsitz übernehmen soll, sowie Wolfgang Colberg per Wahl bestätigen. Da die Krupp-Stiftung und Cevian, die beide Kandidaten unterstützen, rund die Hälfte der anwesenden Stimmen vertreten, gilt deren Wahl allerdings als sicher.

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