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Industriekonzern Aufruhr im Aufsichtsrat bei Thyssen-Krupp

Finanzinvestor Cevian will den Aufsichtsratsvorsitz nach wenigen Wochen neu besetzen. Die Krupp-Stiftung stützt das Vorhaben – aber es gibt auch Widerstand.
12.12.2018 - 17:30 Uhr Kommentieren
Der Finanzinvestor Cevian gewinnt offenbar an Einfluss. Quelle: dpa
Logo an der Zentrale von Thyssen-Krupp in Essen

Der Finanzinvestor Cevian gewinnt offenbar an Einfluss.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Frankfurt Der Aufsichtsrat des Industriekonzerns Thyssen-Krupp kommt nicht zur Ruhe. Wenige Wochen nachdem das Gremium Bernhard Pellens aus seiner Mitte an die Spitze gewählt hat, soll der Wissenschaftler wieder abgelöst werden. Der Finanzinvestor Cevian habe sich dafür starkgemacht, dass Martina Merz den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt, hieß es in Kreisen der Kontrolleure.

Hinter den Vorschlag soll sich auch die Krupp-Stiftung gestellt haben, die mit 21 Prozent der Anteile vor Cevian mit 18 Prozent größte Aktionärin der Thyssen-Krupp AG ist. Merz’ Wahl zur Nachfolgerin von Pellens wäre eine gute Lösung, hieß es im Umfeld der Stiftung.

Beschlossen ist die Veränderung an der Spitze des Aufsichtsrats damit allerdings noch nicht. Dazu soll sich der Nominierungsausschuss in der kommenden Woche beraten. Im Anschluss könnte der geplante Wechsel den Aktionären mit der Einladung zur Hauptversammlung im Januar mitgeteilt werden, wie es in den Kreisen hieß. Das Unternehmen und Sprecher der Großaktionäre lehnten einen Kommentar dazu ab.

Die frühere Bosch-Managerin gehört dem Aufsichtsrat des kriselnden Essener Konglomerats erst seit wenigen Tagen an. Sie hatte einen der beiden Plätze übernommen, die mit den Rücktritten von Ulrich Lehner und René Obermann im Sommer frei geworden waren. Wegen der anstehenden Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata war es zum Streit unter den Aufsehern gekommen. Lange blieben die Posten der beiden Aufseher frei.

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    Auch wenn die Großaktionäre nun offenbar gemeinsam hinter Merz’ Berufung zur Chefkontrolleurin stehen, stößt die Personalie in Teilen des Aufsichtsrats auf massive Kritik. So erklärte ein Beteiligter dem Handelsblatt, Merz sei eine erfahrene, integre Unternehmerin. Allerdings werfe das Vorgehen Fragen auf. „Warum muss der Wechsel ausgerechnet jetzt vorgenommen werden?“, hieß es. Pellens sei doch gerade erst gewählt worden. Der neuerliche Wechsel trage neue Unsicherheit in das Unternehmen.

    Schon seit dem Sommer steckt Thyssen-Krupp in einer Führungskrise. Im Juni war erst Vorstandschef Heinrich Hiesinger zurückgetreten, wenig später folgte ihm Aufsichtsratschef Lehner. Beide hatten ihren Rückzug mit einer mangelnden Unterstützung durch die Großaktionäre begründet. Die Krupp-Stiftung, die als Garant für den Thyssen-Krupp-Konzern gilt, hatten sie ausdrücklich in ihre Kritik eingeschlossen.

    Grafik

    Nach dem Abgang des Führungsduos folgte das Chaos. Trotz intensiven Werbens konnten die Großaktionäre keinen Kandidaten für die Leitung des Aufsichtsrats finden. Namhafte Akteure wie Tom Enders winkten ab, weil sie die Krise bei Thyssen-Krupp für unbeherrschbar hielten. Cevian und die Krupp-Stiftung gerieten darauf massiv in die Kritik.

    Die Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, hatte die Kritik kürzlich vehement zurückgewiesen. Das Wohl von Thyssen-Krupp, dessen Wettbewerbsfähigkeit und die zukunftsfähigen Arbeitsplätze lägen der Stiftung am Herzen, hatte Gather Ende November erklärt.

    Eindeutiges Mandat

    Zugleich beteuerte sie, dass die Stiftung keine Beteiligungsgesellschaft sei. „Aufgrund unserer Gemeinnützigkeit nehmen wir keinen direkten Einfluss auf die operative Arbeit des Vorstands der Thyssen-Krupp AG.“ Gather ist als Aufsichtsrätin Teil des Nominierungsausschusses und damit in die Entscheidung über die Aufsichtsratsspitze eingebunden.

    Vertreter aus dem Management kritisierten, dass die Stiftung in der Vergangenheit und auch noch jetzt zu passiv gewesen sei. Gerade in der aktuellen Phase brauche der Konzern doch deren Unterstützung, sagte ein Vertreter aus der mittleren Führungsebene.

    Thyssen-Krupp steht derzeit vor dem größten Umbau seiner Geschichte. Die Führungsmannschaft um den neuen Vorstandschef Guido Kerkhoff hat eine Aufteilung in eine Werkstoff- und eine Technologiefirma vorgeschlagen. So soll der Wert des Konglomerats steigen, lautet Kerkhoffs Rechnung.

    Für diesen Plan hatte ihm der Aufsichtsrat ein eindeutiges Mandat gegeben. „Die Abstimmung war einstimmig“, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrats. Dass der Vorstand nun auch die Zeit bekommt, um diese Pläne umzusetzen, dafür sollte Pellens sorgen. Der Wissenschaftler hatte den Vorsitz übernommen, da niemand anderes bereitstand. Er habe sich nicht um das Amt gerissen, es aber für das Wohl der Gesellschaft übernommen, sagte ein Insider.

    Schon früh zeichnete sich indes ab, dass er nicht die anfänglich geplante Dauer bis Januar 2020 auf dem Posten würde verbleiben können. Auch auf Vorschlag von Cevian war Bodo Uebber als künftiger Aufsichtsratschef ins Rennen geschickt worden. Die Nähe zwischen dem Daimler-Finanzchef und Cevian hatte dem Vernehmen nach aber zu Irritationen geführt, die zum Scheitern der Personalie beigetragen hätten.

    Das Unternehmen äußerte sich nicht dazu. Mit Merz scheint Cevian nun seinem Ziel näher gekommen zu sein, Pellens als Aufsichtsratsvorsitzenden abzulösen.

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