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Industriekonzern Bieterrennen um Thyssen-Krupp Elevator geht in die entscheidende Phase

Die Frist für den Verkauf der Aufzugssparte endet. Die Konsortien haben bis Mittwoch Zeit, ihre ersten Angebote vorzulegen. Für den Konzern geht es um alles.
14.01.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
ThyssenKrupp Elevator: Bieterrennen geht in entscheidende Phase Quelle: imago images/imagebroker
Testturm für Aufzüge mit Besucherplattform von Thyssen-Krupp in Rottweil

Die Aufzugsparte von Thyssen-Krupp steht vor dem Verkauf.

(Foto: imago images/imagebroker)

Düsseldorf, Frankfurt Der 20-köpfige Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp stellt sich für den Dienstag auf eine lange Sitzung ein. Auf der Tagungsordnung steht im Kern nichts Geringeres als die Neuaufstellung von Deutschlands einst bedeutendstem Industriekonzern. Wichtigstes Thema sei der geplante Verkauf der Aufzugsparte, wie es in Konzernkreisen heißt.

Mit dem Erlös will der Vorstand um seine Interimschefin Martina Merz ins Geschäft mit Stahl und Werkstoffen investieren und Bereiche wie den Anlagenbau fit für den Verkauf machen. Ist der Plan einmal umgesetzt, wird Thyssen-Krupp auf Stahlgeschäft, Handel und einige wenige Randbereiche zurückgefahren.

Die Sanierung ist indes eine heikle Operation. Denn das Essener Konglomerat ist so finanzschwach, dass letztlich jeder Euro aus dem Verkauf der Aufzugsparte zählt. Das Interesse an der rentablen Sparte ist groß. Neben einer Reihe von Finanzinvestoren zählen die Wettbewerber Kone aus Finnland und die japanische Hitachi zu den Bietern.

Die Finanzinvestoren sollten bis zu diesem Montag ihre bindenden Offerten abgegeben, wie es hieß. Über die Details werde dann auf der Aufsichtsratssitzung und in den Vorgesprächen am Dienstag diskutiert. Laut Finanzkreisen sollen die Angebote in der Größenordnung von rund 15 Milliarden Euro liegen.

Der Kone-Konzern, der sich mit dem Finanzinvestor CVC zusammengeschlossen hat, und Hitachi sollen länger Zeit haben, ihre Pläne zu präsentieren. Dann will der Aufsichtsrat entscheiden, wer in die engere Auswahl kommt. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft von Elevator soll dann zwischen Mitte Februar und Ende März fallen.

Dabei ist derzeit theoretisch noch offen, ob die Sparte mehrheitlich in eigenem Besitz bleibt, an die Börse gebracht oder komplett verkauft wird. Sowohl die IG Metall als auch Finanzchef Johannes Dietsch hatten sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, das Geschäft nur teilweise abzugeben, um die Rentabilität von Thyssen-Krupp nicht zu gefährden.

Grafik

Teilhaber wie der schwedische Investmentfonds Cevian hingegen fordern, das Geschäft komplett abzugeben. Auch der Aufsichtsrat hatte sich bei seiner Sitzung im Dezember offener für einen Komplettverkauf gezeigt – und den Vorstand um Martina Merz damit beauftragt, diese Option trotz des weiterhin geplanten Börsengangs intensiver zu prüfen.

Für Thyssen-Krupp steht bei der Entscheidung viel auf dem Spiel. Denn bislang ist der Konzern auf die stabilen Renditen von Elevator angewiesen, um die zum Teil schwer defizitären anderen Sparten zu finanzieren. Nach der geplatzten Aufspaltung will Merz das Unternehmen auf die Werkstoffgeschäfte konzentrieren.

Schlechte Aussichten auf dem Stahlmarkt

Neben der Aufzugsparte stehen deshalb auch der gesamte Anlagenbau sowie Teile der Komponentensparte auf dem Verkaufszettel. Doch derzeit scheint es unwahrscheinlich, dass Merz bei einem Verkauf der Geschäfte auch die Summe erzielen kann, mit der sie derzeit in den Büchern des Ruhrkonzerns stehen. Gelingt das nicht, stehen hohe Abschreibungen an.

Das Gleiche gilt für Schließungen, bei denen zu den Abschreibungen wohl auch noch ein teurer Sozialplan hinzukäme. Parallel dazu muss Thyssen-Krupp mit der Stahlsparte auch sein neues Kerngeschäft sanieren.Branchenkreise rechnen mit einem Bedarf in Höhe eines einstelligen Milliardenbetrags bis 2025, um die in die Jahre gekommenen Standorte wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Und die Aussichten auf dem EU-Stahlmarkt scheinen schlecht wie nie. Angesichts der schwierigen Lage, in der sich der Ruhrkonzern befindet, werden die Kaufinteressenten mit ihren Angeboten kreativ. So soll etwa Kone angeboten haben, die Transaktion für Thyssen-Krupp im Vorfeld über eine milliardenschwere Vorabzahlung abzusichern, berichten Insider.

Für den Ruhrkonzern hätte das einen vielleicht entscheidenden Vorteil: Das Management käme schnell an Geld, um die anderen Geschäfte zu veräußern oder zu sanieren. Bis zu drei Milliarden Euro könnten dabei an Thyssen-Krupp fließen, unabhängig davon, ob der Deal am Ende kartellrechtlich genehmigt wird. 

Deal mit „Geschmäckle“
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1 Kommentar zu "Industriekonzern: Bieterrennen um Thyssen-Krupp Elevator geht in die entscheidende Phase"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Leser, Chefredakteure und Entscheider von ThyssenKrupp,
    wieder sollen wichtige Know-how-Bereiche in einem Konzern verkauft werden (sog. Cash Cows). Stahl, Handel, Randbereiche wie Werkstoffe sind nicht gerade die großen Ertragsbereiche für die Zukunft. Haben denn die Entscheider in Deutschland nichts gelernt, was es bedeutet, sich zukunftsorientiert und mit neuen digital-technologischen Geschäftsmodellen auszurichten und auszubauen.

    Über zwei Drittel aller (Umwelt-)Probleme in den Betrieben und Organisationen resultieren aus verkrusteten und veralteten Führungs- und Handlungsstrukturen. Alle Jahre wird umstrukturiert und es fehlen state-of-the-art fortgebildete Mitarbeiter und Führungskräfte - auch in den Top-Etagen.

    Eine Studie der Hochschule St. Gallen/Schweiz (SEER, Prof. Dr. Winfried Ruigrok) belegt sogar, dass die aktuelle (digitale) Weiterbildung und -entwicklung nur wenig taugt. Falsche Projektführung und mangelnde 360-Grad-Fortbildung verschlingen viele Milliarden an zusätzlichen Kosten. Die Bain-Studie belegt, dass Betriebe zwar Profitkompetenz vermitteln, aber die interaktive Schulung der Key-Skills, wie Innovations-, Umwelt- und Vernetzungskompetenz, wird sträflich vernachlässigt.

    Lesen Sie mehr dazu in meinem eBuch: „Führung 5.0: Intelligent vernetzen – unterstützen – entfalten“. Kostenlos herunterladbar unter http://bookboon.com/de/fuhrung-5-0-ebook. Es wird von der Universität St. Gallen / Schweiz als die herausragende Führungsanleitung zur Wertebasierten Digitalen Transformation empfohlen. Bitte empfehlen auch Sie es Ihren Kollegen und Führungskräften weiter. Freue mich sehr über ein Feedback.

    Mit freundlichen Grüßen
    Prof. Günther H. Schust - München - Rottweil (die Stadt mit dem Thyssenkrupp-Aufzugstestturm)
    Alumnus und Gastdozent für Leadership und Innovation an der Hochschule St.Gallen / Schweiz
    Websites: www.Human-Performance-Management.de; www.i-h-h.com

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