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Industriekonzern Compliance-Vorstand Kaufmann verlässt Thyssen-Krupp

Vor den Quartalszahlen am Donnerstag verkündet der Industriekonzern eine Personalie: Compliance-Vorstand Donatus Kaufmann wird das Unternehmen verlassen.
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Nach mehr als fünf Jahren im Vorstand verlässt der Compliance-Experte den Industriekonzern Thyssen-Krupp. Quelle: Marco Urban für Handelsblatt
Donatus Kaufmann

Nach mehr als fünf Jahren im Vorstand verlässt der Compliance-Experte den Industriekonzern Thyssen-Krupp.

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)

Düsseldorf Er war einst gekommen, um aufzuräumen bei Thyssen-Krupp. Über Jahre hatte der Ruhrkonzern zuvor mit Korruptionsfällen und Kartellvorwürfen von sich reden gemacht – Donatus Kaufmann sollte es richten. Das ist dem Compliance-Vorstand offenbar gelungen: Wie das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch mitteilte, wird der 57-Jährige Ende September aus dem Unternehmen ausscheiden.

Schon mit der vor einem Jahr beschlossenen Aufspaltung von Thyssen-Krupp war klar, dass Kaufmann das Unternehmen nach dem Umbau eines Tages verlassen würde. Dass die Teilung in ein Industrie- und ein Werkstoffunternehmen am Ende wieder abgeblasen wurde, hat an diesem Plan offensichtlich nichts geändert. Die Stelle soll nicht nachbesetzt werden.

Aufsichtsratschefin Martina Merz dankte Kaufmann „für seinen erfolgreichen Einsatz für das Unternehmen“. Für Thyssen-Krupp komme es nun darauf an, dass der verbleibende Vorstand um CEO Guido Kerkhoff mit gleichbleibend großem Einsatz den Veränderungsprozess des Unternehmens weiter gestalte, so die Kontrolleurin.

Für Kaufmann endet damit eine Aufgabe, die ihm bereits Kerkhoffs Vorgänger Heinrich Hiesiger anvertraut hatte – nämlich die anhaltenden Rechtsbrüche durch Mitarbeiter des Konzerns endgültig zu beenden. Vor allem die Stahlsparte war in den Jahren vor Kaufmanns Ernennung gleich mehrfach durch Beteiligung an verschiedenen Kartellen aufgefallen.

Dazu zählt etwa das sogenannte Schienenkartell, in dem sich Thyssen-Krupp über fast 30 Jahre mit Konkurrenten wie Corus (heute Tata Steel Europe) oder der Voestalpine zum Nachteil der Bahnkonzerne über Preise und Produktionsmengen abgesprochen hatte. Auch in der profitablen Aufzugssparte war es zwischen 1995 und 2004 zu Marktmanipulationen gekommen, die dem Ruhrkonzern am Ende ein Bußgeld von fast einer halben Milliarde Euro eingebracht hatten.

Die Entscheidung, Kaufmann 2014 von seiner damaligen Position als Chief Compliance Officer beim Handelskonzern Metro abzuwerben und ihm ein eigenes Vorstandsressort bei Thyssen-Krupp zu schaffen, sollte angesichts dieser umfangreichen juristischen Vorwürfe gegen den Ruhrkonzern auch den früheren CEO Heinrich Hiesinger entlasten. Zum Teil beschäftigen weitere Korruptionsfälle aus dieser Zeit das Unternehmen bis heute.

Erfahrung in verschiedenen Branchen

So musste Vorstandschef Kerkhoff erst im November erneut Rückstellungen bilden, um eine mögliche Kartellstrafe wegen Altfällen in den Bereichen Grobblech und legiertem Flachstahl in dreistelliger Millionenhöhe abzufedern. Bevor die Ermittlungen des Bundeskartellamts abgeschlossen waren, ließ Compliance-Vorstand Kaufmann die Vorwürfe von einer externen Kanzlei überprüfen – und kam zu dem Schluss, dass es angesichts der Vorwürfe besser sei, „Risikovorsorge“ zu betreiben.

„Donatus Kaufmann hat den Werte- und Kulturwandel sowie die Themen Compliance und Governance im Konzern in den vergangenen Jahren auf eine Weise weiterentwickelt, die beispielgebend ist und vorbildlich in der deutschen Industrie“, lobte denn auch Aufsichtsratschefin Merz.

Kaufmann begann seine Karriere 1996 beim Telekommunikationsunternehmen Vebacom beziehungsweise Otelo als rechtlicher Berater. Nach einer Station bei Global Telesystems wechselte er 2002 zum Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, bevor er 2011 zu Metro kam.

Drei Jahre später stieß er zu Thyssen-Krupp – und verantwortete dort neben dem Aufgabengebiet Compliance auch die Themen Technologie, Innovation und Nachhaltigkeit sowie die Regionen Nordamerika und Westeuropa.

Kaufmann selbst sagte zu der gegenseitigen Trennung am Mittwoch: „Wir haben in den zurückliegenden Jahren gemeinsam viel erreicht, gerade auch beim Thema Compliance und Innovationsmanagement.“

Mit Blick auf die anstehende Neuausrichtung des Konzerns und die damit verbundene Verschlankung der Strukturen gehe der Konzernvorstand mit der jetzigen Verkleinerung „mit gutem Beispiel voran“ und setze ein entsprechendes Zeichen, so der scheidende Manager.

Mehr: Nicht nur im Konzernvorstand dreht sich das Personalkarussell bei Thyssen-Krupp. Mit Premal Desai steht dem wichtigsten Geschäftsbereich des Ruhrkonzerns, der Stahlsparte, seit wenigen Wochen ebenfalls ein neuer Manager vor.

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