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Industriekonzern Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber soll Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp werden

Die Großaktionäre scheinen mit Noch-Daimler-Vorstand Uebber einen Kandidaten für den Aufsichtsratsvorsitz gefunden zu haben. Er könnte verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.
12.11.2018 - 17:30 Uhr Kommentieren
Der Konzern steht vor einem radikalen Umbau. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Qualitätskontrolle bei Thyssen-Krupp in Duisburg

Der Konzern steht vor einem radikalen Umbau.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Frankfurt Der Job des Aufsichtsratsvorsitzenden von Thyssen-Krupp ist zweifelsohne einer der anspruchsvollsten, die die deutsche Wirtschaft derzeit zu bieten hat. Der Traditionskonzern steckt nicht nur wirtschaftlich tief in der Krise. Der Chefaufseher muss mit einflussreichen Großaktionären – der Krupp-Stiftung und dem Finanzinvestor Cevian – genauso klarkommen wie mit den selbstbewussten Arbeitnehmervertretern.

Wie kompliziert die Machtverhältnisse bei dem Industriekonzern sind, wurde im Sommer offensichtlich, als zuerst Vorstandschef Heinrich Hiesinger und wenig später Aufsichtsratschef Ulrich Lehner ihre Ämter hinwarfen. Die Vorgänge schreckten potenzielle Bewerber jedenfalls so sehr ab, dass namhafte Kandidaten für die Nachfolge rasch abwinkten – wie Airbus-Chef Tom Enders oder der frühere Bayer-Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers.

Ende September präsentierte das Unternehmen zwar einen neuen Chefkontrolleur: Bernhard Pellens, Wirtschaftsprofessor aus Bochum und bereits Mitglied im Aufsichtsrat. Die Lösung stieß aber unmittelbar auf Kritik – innerhalb des Unternehmens und des Aufsichtsrats. Dem Wissenschaftler fehle die operative Erfahrung, um die anspruchsvolle Rolle richtig auszufüllen.

Nach Informationen des Handelsblatts zeichnet sich jetzt aber doch noch eine namhafte Lösung ab: Der Aufsichtsrat würde gern Bodo Uebber in seine Mitte holen, hieß es in Branchenkreisen. Er soll einen der beiden vakanten Plätze übernehmen, für den anderen ist die frühere Bosch-Managerin Martina Merz vorgesehen. „In einem nächsten Schritt soll er dann Aufsichtsratsvorsitzender werden“, berichteten mehrere Insider.

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    Uebber selbst lehnte auf Anfrage einen Kommentar ab und verwies auf Thyssen-Krupp. Das Unternehmen wollte sich aber ebenfalls nicht äußern.

    Der 59-Jährige ist derzeit noch Finanzvorstand beim Autobauer Daimler. Quelle: AFP
    Bodo Uebber

    Der 59-Jährige ist derzeit noch Finanzvorstand beim Autobauer Daimler.

    (Foto: AFP)

    Dabei wäre Uebber ein Kandidat, mit dem Thyssen-Krupp Vertrauen am Kapitalmarkt zurückgewinnen könnte. Als Finanzvorstand des Autoherstellers Daimler verfügt er über exzellente Kontakte in den Kapitalmarkt. Außerdem kennt er als langjähriger Konzernvorstand das operative Geschäft. Der 59-Jährige ist bei Daimler seit 2003 Teil der Top-Führung.

    Branchenkreisen zufolge ist Uebber bereit, einen Posten im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp und auch die Leitung über das Gremium zu übernehmen. Der Manager hätte bald auch Zeit für diese Aufgabe. Kürzlich hatte er erklärt, dass er seinen Vertrag bei Daimler nicht verlängern wolle.

    Hintergrund für seinen Rückzug ist die Entscheidung, seinen Vorstandskollegen Ola Källenius zum Nachfolger von Daimler-Chef Dieter Zetsche zu berufen. Im kommenden Jahr soll der Chefwechsel erfolgen. Uebber selbst hatte Ambitionen auf den Posten. „Es ist nur konsequent, dass er nun Daimler den Rücken kehrt“, hieß es in seinem Umfeld.

    Gespräche sind nicht abgeschlossen

    Ende kommenden Jahres läuft Uebbers Vertrag aus, wahrscheinlich wird er den Vorstand des Stuttgarter Konzerns aber schon früher verlassen. Uebber würde gern auf der Hauptversammlung von Daimler im Mai noch dabei sein; denkbar sei allerdings, dass er auch schon früher gehe, hieß es in Kreisen des Autoherstellers. „Entscheidend ist, wann ein Nachfolger gefunden ist.“

    Auch wenn die Wahrscheinlichkeit nach Einschätzung der Branchenkreise groß ist, dass der studierte Wirtschaftsingenieur in den Aufsichtsrat des Ruhrkonzerns einziehen wird: Es bleibt ein Risiko. Die Gespräche zwischen den Parteien sind bislang noch nicht abgeschlossen. Denkbar bleibt ein Rückzug Uebbers, sollte er von den besonderen Machtverhältnissen bei Thyssen-Krupp noch abgeschreckt werden.

    Dabei könnte Thyssen-Krupp ein überzeugendes Signal an den Kapitalmarkt, dass die Führungskrise endlich beendet wird, gut gebrauchen. Die Rücktritte von Hiesinger und Lehner hatten die Märkte verschreckt, und die Nachfolgelösung, die Ende September präsentiert wurde, konnte nicht wirklich überzeugen: Neben der Beförderung von Pellens zum Chefkontrolleur wurde auch Guido Kerkhoff, unter Hiesinger Finanzvorstand und eigentlich nur übergangsweise mit der Unternehmensführung betraut, endgültig zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Ende vergangener Woche verschreckte das Unternehmen die Aktionäre zudem mit einer erneuten Gewinnwarnung. Die Aktie rauschte daraufhin über zehn Prozent in den Keller.

    Von Uebbers Berufung könnte daher auch CEO Kerkhoff profitieren. Die beiden Manager sollen sich schon länger kennen und gegenseitig schätzen, wie es in ihrem Umfeld hieß: „Die Zusammenarbeit sollte konstruktiv werden.“

    Unklar ist bislang, wie schnell Uebber den Vorsitz übernehmen wird. Pellens dürfte aber von Anfang an klar gewesen sein, dass er nur ein Übergangskandidat ist. Er ist zwar unter den aktuellen Kontrolleuren ein Urgestein, aber seine weitere Verweildauer in dem Kreis ist dennoch zeitlich begrenzt. Wenn sein aktuelles Mandat im Januar 2020 ausläuft, wird er 15 Jahre im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp gesessen haben – und damit die gesetzlich zulässige Maximaldauer für die Zugehörigkeit in einem Aufsichtsrat erreichen.

    Der Professor ist zwar für seine wissenschaftliche Arbeit in der Betriebswirtschaft hochgeachtet, allerdings fehlt ihm die operative Erfahrung für den Posten. Da er nie in einem Unternehmen eine Managementaufgabe innegehabt habe, sei er für diese Aufgabe nicht wirklich geeignet, hieß es schon kurz nach seiner Berufung im Umfeld des Aufsichtsrats.

    Pellens wurde erstmals im Jahr 2005 in das Gremium berufen. Zu der Zeit schrieb der Ruhrkonzern dank seiner Stahlsparte noch hohe Gewinne. Wenige Jahre später schon drohte Thyssen-Krupp wegen Missmanagement beim Bau zweier Stahlwerke in den USA und Brasilien die Insolvenz. Seit dem Jahr 2011 steckt das Unternehmen in einer Dauerkrise, die es trotz eines massiven Umbaus nicht hat überwinden können.

    In Branchenkreisen wird die Suche nach einem dauerhaften Kandidaten deshalb – unabhängig von der Person Uebber – als positives Zeichen gewertet. „Offenbar haben sie ihre Lehren aus dem Desaster nach den Rücktritten von Hiesinger und Lehner gezogen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

    Uebber wäre dagegen mit 15 Jahren Zugehörigkeit in einem Dax-Vorstand und einem Alter von 59 Jahren zugleich erfahren und jung genug, um aktiv an der Fortentwicklung von Thyssen-Krupp mitzuarbeiten.

    Um den Traditionskonzern sicher für die Zukunft aufzustellen, hat der neue Vorstandschef Kerkhoff die Aufspaltung in zwei Unternehmen vorgeschlagen. In Thyssen-Krupp Materials sollen die Sparten Stahlproduktion, Werften und Handel eingebracht werden und in Thyssen-Krupp Industrials die Technologiebereiche Aufzüge, Autoteile und Anlagenbau.

    Das Konglomerat steht damit vor dem größten Umbau seiner 200-jährigen Geschichte. Uebber könnte in diesem Prozess ein guter Gegenpart zu Kerkhoff sein. Beide eint ihr Finanzwissen – und ihre Erfahrungen mit den Widrigkeiten einer solch gewaltigen Umwälzung.

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