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Hochofen im Werk Schwelgern

Keine Dividende aus eigener Kraft.

(Foto: dpa)

Industriekonzern Die Aufspaltung von Thyssen-Krupp geht in die entscheidende Phase

Konzernchef Guido Kerkhoff muss die Aktionäre noch von seinen Plänen für den Industriekonzern überzeugen. Bisher sind die Märkte skeptisch
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DüsseldorfAls der Aufsichtsrat im Herbst den damaligen Interimschef Guido Kerkhoff zum dauerhaften CEO ernannte, war das ein notgedrungener Vertrauensvorschuss: Kein anderer Manager hatte sich zugetraut, die vielen Geschäfte von Thyssen-Krupp nach dem Abgang von Heinrich Hiesinger erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Kerkhoff will das Konglomerat nun aufspalten, in einen Industriegüter- und einen Werkstoffkonzern. Doch ob die Aktionäre einverstanden sind, wird sich endgültig erst in zwölf Monaten zeigen. Dann will der Vorstand das Vorhaben in der Hauptversammlung zur Abstimmung stellen.

Bisher wird das, was der Konzern mit dem Motto „Best for Both“ betitelt, an den Märkten noch mit Skepsis beobachtet. Der Aktienkurs von Thyssen-Krupp fiel seit der Ankündigung von 22 Euro um ein Viertel auf 15,45 Euro. Es gibt Zweifel, ob eine Aufspaltung allein die gewünschten Effekte bringt.

Im Frühjahr will Kerkhoff die Führungsstruktur für die beiden geplanten Unternehmen Thyssen-Krupp Industrials und Thyssen-Krupp Materials bekanntgeben, im Mai sollen Details über den finanztechnischen Aufbau der Teilung folgen, im Oktober die Einheiten organisatorisch getrennt sein.

Doch spannender dürften auf dem Weg dorthin die Quartalsberichte des Unternehmens werden: Gelingt es Kerkhoff parallel, auch die Effizienz der Geschäfte zu erhöhen?

Bisher hat der Vorstand, dem ab Februar auch der frühere Bayer-Manager Johannes Dietsch als Finanzchef angehört, in seinem Geschäftsbericht Profitabilitätsziele nur für das Geschäftsjahr 2020/21 angegeben. Doch schon lange vorher muss das Geld für die geplante Teilung aufgebracht werden – voraussichtlich rund 800 Millionen Euro, ein Großteil davon Steuern und Beraterhonorare.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr war es um den Free Cashflow des Ruhrkonzerns, also den Mittelzufluss, schlecht bestellt. Die Kennzahl wird häufig herangezogen, um zu ermitteln, wie viel Geld einem Unternehmen am Ende des Geschäftsjahres bleibt, um etwa Dividenden oder fällige Kredite aus eigener Kraft finanzieren zu können.

Im Fall von Thyssen-Krupp ist der Free Cashflow (vor Zu- und Verkäufen) im Jahr 2017/18 erneut negativ ausgefallen, unterm Strich blieb hier ein Minus von 134 Millionen Euro. Das ist zwar deutlich besser als im Vorjahr, wo der Abfluss von Finanzmitteln bei 798 Millionen Euro lag. Aber zu wenig, um große Investitionssprünge zu machen – geschweige denn, den Aktionären aus eigener Kraft eine Dividende zu bezahlen.

Führungsfrage bleibt offen

Aufmerksam dürften die Eigentümer, zu denen seit kurzer Zeit auch der US-Fonds Harris sowie der singapurische Staatsfonds GIC gehören, deshalb den Plänen des Vorstands bei der Hauptversammlung am Freitag lauschen.

Schon länger ist klar, dass Kerkhoff sowohl den Anlagenbau als auch das Aufzugsgeschäft stärker auf Service-Aufträge fokussieren will, bei denen die Margen höher und die Einnahmen planbarer sind. Dabei soll der Service in der Aufzugssparte um mehr als vier, im Anlagenbau sogar um bis zu zwölf Prozent pro Jahr wachsen.

Zumindest an einer Schraube wird Kerkhoff allerdings nicht drehen können: Im Zusammenhang mit der Teilung, so will es eine Vereinbarung mit der IG Metall, soll es keinen Stellenabbau geben, der über die bereits geplanten Maßnahmen hinausgeht. Die Vereinbarung war eine der Bedingungen dafür, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Aufteilung zugestimmt hatten.

Noch ist offen, welches der beiden neuen Thyssen-Krupps Kerkhoff am Ende führen wird. Ein Großteil der 160.000 Mitarbeiter wird zum Industriegüterkonzern wechseln, dem derzeit bessere Chancen auf eine Dax-Kandidatur nachgesagt werden.

Mächtiger indes dürfte vorerst der Posten beim Werkstoffkonzern sein: Wegen einer Rückbeteiligung, die die Kapitalausstattung der Materials AG verbessern soll, kontrolliert dessen Manager künftig einen hohen Anteil der Aktien – sehr wahrscheinlich höher als die für eine Sperrminorität nötigen 25 Prozent.

Das soll allerdings nur ein zeitlich begrenzter Zustand sein, versichert Kerkhoff: „Die Rückbeteiligung von Materials an Industrials hat allein den Zweck, beide Gesellschaften finanziell besser als heute und damit solide aufzustellen.“ Die Unternehmen sollen am Ende komplett unabhängig voneinander sein.

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