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Industriekonzern Erste Linde-Hauptversammlung in Großbritannien ist voller Überraschungen

Der Industriekonzern Linde hält erstmals seine Aktionärsversammlung in London ab. Die läuft anders ab als deutsche Aktionäre es gewohnt sind.
26.07.2019 Update: 28.07.2019 - 12:21 Uhr Kommentieren
Die erste Hauptversammlung in London läuft nicht so gut für den Linde-Verwaltungsratsvorsitzenden. Quelle: dpa
Wolfgang Reitzle

Die erste Hauptversammlung in London läuft nicht so gut für den Linde-Verwaltungsratsvorsitzenden.

(Foto: dpa)

München, London Nur eine Handvoll Aktionäre, keine Würstchen - und nach nicht einmal 45 Minuten ist alles schon wieder vorbei: Die erste Hauptversammlung des Industriegase-Konzerns Linde in Großbritannien verläuft anders als die früheren Aktionärstreffen in Deutschland.

„Ich vermisse gut 3000 Aktionäre“, scherzte der Verwaltungsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle zur Eröffnung der Veranstaltung, die im prächtigen Hotel Corinthia stattfand. Dort logierte vor wenigen Monaten die Familie von US-Präsident Donald Trump während dessen Staatsbesuch in London.

Unter den nicht mal zehn Investoren, die gekommen sind, befinden sich auch zwei, die Reitzle wohl eher nicht vermisst hätte: Andreas Breijs von den Aktionärsvertretern der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger.

Die beiden vertreten eine Reihe von Aktionäre, die die Fusion von Linde mit dem US-Konzern Praxair nicht uneingeschränkt positiv sehen. Schon seit langem kritisieren Aktionärsvertreter von der DSW, dass die Linde-Aktionäre anders als die Investoren von Praxair über das Fusionsprojekt nicht abstimmen durften.

Früher reisten zur Linde-Hauptversammlung im Münchener Kongress-Zentrum ICM alljährlich etwa 2000 Aktionäre an. Zwar ging es - anders als bei den restlichen Dax-30 - kaum einmal bis in den späten Abend, dafür gab es beim doch eher biederen Linde-Konzern lange zu wenig Reizthemen.

Über mehrere Stunden zog sich das Aktionärstreffen aber in der Regel hin. Anders in London: Dort haben die Teilnehmer die Tagesordnungspunkte in wenigen Minuten abgearbeitet. Im Publikum saßen mehr Mitglieder des Verwaltungsrats als Investoren. „Es ist anders, alles eine Nummer kleiner“, sagte einer, der die Aktionärstreffen mitorganisiert. Für britische Verhältnisse ist das aber nicht ungewöhnlich.

Nur zwei Minuten Zeit für Fragen

Nach nicht einmal 15 Minuten hat Reitzle den ersten Teil der Hauptversammlung schon beendet. Im Anschluss stand Reitzle für generelle Fragen bereit. Als erstes ergriff Buhlmann das Wort: „Ich gehöre wohl nicht zu denjenigen, die Sie vermissen“, beginnt er seine Frage.

Die Zeit für Fragen ist pro Aktionär auf zwei Minuten begrenzt. Das sorgte für Kritik, wie der zweite Aktionärsvertreter Breijs sagte, die Limitierung sei „eine Unverschämtheit“. Aber Breijs ging es um ein anderes Thema: Warum Linde denn nach der Fusion mit Praxair nicht in Deutschland geblieben sei. Ob das aus steuerlichen Gründen passiert sei? Diese Kritik lässt Reitzle nicht so stehen: „Da bin ich schon ein wenig verärgert“, erwiderte er. Der Firmensitz sei nach Irland verlegt worden, damit er in Europa bleibe und die formalen Hürden in fast allen anderen Ländern zu hoch gewesen seien. „Wir bei Linde haben uns schon immer als europäisches Unternehmen gesehen“, sagte Reitzle.

Schon vor der Fusion habe das Unternehmen rund acht Prozent des Umsatzes in Deutschland gemacht, elf Prozent der Mitarbeiter seien in Deutschland gewesen und zehn Prozent der Aktionäre wären Deutsche gewesen. Jetzt seien es sechs Prozent des Umsatzes, acht bis neun Prozent der Mitarbeiter und acht Prozent der Investoren. „Danke“, schließt er dann seine Ausführungen und lehnt sich zurück in seinem Stuhl, „dass ich diesen Punkt noch einmal klarstellen konnte“.

Nur eine kurze Anmerkung noch, dann ist das Treffen vorüber, nicht einmal eine Dreiviertelstunde hat die Hauptversammlung gedauert. Der Besuch habe sich aber gelohnt, wie eine 81-jährige Dame sagte, die schon seit Jahrzehnten Linde-Aktien hat. Sie lebt seit Jahren in London und war deswegen noch nie bei einem Aktionärstreffen – weder von Linde noch von einem anderen Unternehmen, erzählte sie, während sie im Foyer ein Zitronen-Blaubeer-Törtchen aß. Auch die zweite Kleinaktionärin, die 28-jährige Studentin Tanja war zum ersten Mal bei einer solchen Veranstaltung. „Es war spannender als ich dachte“, sagte sie.

In früheren Jahren waren die Hauptversammlungen von Linde für deutsche Verhältnisse eher unspektakuläre Veranstaltungen. Erst in der Ära von Reitzle gewannen sie an Aufmerksamkeit. Schon häufiger hat sich der heutige Board-Chef der Linde plc in der Fragerunde nach seinem Vortrag in Rage geredet, wenn ihn ein Thema reizte. Dazu gehörte beispielsweise auch die Frauenquote, die er skeptisch sah.

Mehr: Viele Fusionen scheitern noch immer an Kultur- und Mentalitätsunterschieden. Zwischen den USA und Deutschland sind die Differenzen größer als erwartet – und werden unterschätzt.

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