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Industriekonzern Hiesingers Bitte um Vertragsauflösung ist eine schlechte Nachricht für Thyssen-Krupp

Trotz Begeisterung an den Börsen: Mit der Bitte von Vorstandschef Hiesinger um Vertragsauflösung gerät Thyssen-Krupp in neue Unsicherheit.
06.07.2018 - 07:41 Uhr Kommentieren

Überraschung mit bitterem Beigeschmack – Hiesinger schmeißt hin

Düsseldorf Mitarbeiter, Analysten, Investoren, ja sogar Aufsichtsratsmitglieder: Am Ende hat Heinrich Hiesinger sie alle überrascht. Völlig unerwartet bat der Vorstandschef von Thyssen-Krupp am Donnerstagabend um die Auflösung seines Vertrags. Und das, obwohl er gerade erst das wohl wichtigste Versprechen seiner Karriere eingelöst hatte: Nach zähen Verhandlungen mit dem indischen Konkurrenten Tata wird Thyssen-Krupp seine Stahlsparte bald mit denen der Inder verschmelzen.

Dass der historische Deal in letzter Minute geglückt ist, ist auch Hiesingers Verdienst. Mehr als zwei Jahre lang hatte er dafür Gespräche führen müssen, erst mit Tata, dann mit den Arbeitnehmern, dann wieder mit Tata. Am Ende war ein Großteil der Beteiligten zwar zufrieden. Doch mit Cevian-Manager Jens Tischendorf und Ex-Telekom Chef René Obermann hatten sich zwei prominente Aufseher offen gegen die Fusion gestellt. HSBC-Chefin Carola Gräfin von Schmettow hatte sich enthalten.

Drei gegen siebzehn – oberflächlich betrachtet eine Bestätigung für Hiesingers Kurs. Doch die Entfremdung von Vorstand und Teilen des Aufsichtsrats reichte bereits tiefer. So hatte etwa der schwedische Investmentfonds Cevian schon mehrmals eine Aufspaltung des Ruhrkonzerns gefordert, weil die einzelnen Sparten (Stahl, Aufzüge, Komponentenfertigung, Werkstoffhandel und Anlagenbau) werthaltiger seien als das Konglomerat.

Mit dem Hedgefonds Elliott gesellte sich im Mai schließlich der berüchtigte US-Starinvestor Paul Singer hinzu, der auch bei Uniper oder Gea das Management unter Druck setzt. Elliott hat ähnlichen Ziele, aber eine aggressivere Vorgehensweise. Die Lösung lautete gleich zu Beginn: Hiesinger muss weg. Das ist den Aktivisten nun geglückt.

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    Am Freitag legte die Aktie von Thyssen-Krupp um mehr als zwei Prozent zu. Trotzdem sollten die Champagnerkorken in der Flasche bleiben. Denn dass Hiesinger den Konzern verlässt, ist keine gute Nachricht. Aufsichtsratschef Ulrich Lehner brachte es auf den Punkt, als er am Donnerstag zum vorzeitigen Abschied ein Lob aussprach: „Ohne Heinrich Hiesinger würde es Thyssen-Krupp nicht mehr geben.“

    Tatsächlich lag das Unternehmen in Trümmern, als der damalige Aufsichtsratschef Gerhard Cromme den früheren Siemens-Manager 2011 als Sanierer an die Spitze des Ruhrkonzerns holte. Erst musste Hiesinger Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen, weil sich seine Vorgänger mit Werken in Brasilien und den USA gründlich verhoben hatten. Dann verhagelte ihm die weltweite Stahlkrise die Bilanz.

    Trotz solcher Widrigkeiten hat der 58-Jährige seither viel geleistet: Nicht nur hat er Thyssen-Krupp operativ wieder in die Gewinnzone geholt, er hat auch die Schulden massiv gesenkt und dafür zahlreiche Unternehmensteile verkauft oder ausgelagert, darunter das Edelstahlgeschäft und den zivilen Schiffbau – am Ende stets im Einklang mit den Arbeitnehmern.

    Zurückhaltung der Krupp-Stiftung

    Die jetzige Trennung vom Stahl sollte der Befreiungsschlag werden, in der kommenden Woche wollte Hiesinger dem Aufsichtsrat die lang erwartete neue Konzernstrategie vorlegen. Dass es dazu nicht kommt, dürfte neben der Kritik von Cevian und Elliott auch an der Zurückhaltung der Krupp-Stiftung gelegen haben, die als größter Aktionär von Thyssen-Krupp den Nachlass des letzten Krupp-Erben Alfried Krupp von Bohlen und Halbach verwaltet.

    So legt die Satzung der Stiftung zwar eigentlich auf, die Einheit des Krupp-Unternehmens „möglichst zu wahren“. Doch den Aufspaltungsfantasien ihrer Mit-Aktionäre hat Stiftungschefin Ursula Gather, die ebenfalls im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp sitzt, öffentlich nie widersprochen. Im Gegenteil sogar, berichteten mehrere Medien: So habe Gather in den vergangenen Aufsichtsratssitzungen ebenfalls Zweifel an Hiesingers Kurs geäußert.

    In einem Brief an die Mitarbeiter erklärte der Vorstandschef nun: „Ein gemeinsames Verständnis von Vorstand und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensführung.“ Zwischen den Zeilen steht dort: Das war am Ende nicht mehr gegeben.

    Bitter ist die Personalie vor allem für die Mitarbeiter, die nach der langen Hängepartie mit Tata eigentlich auf Ruhe im Unternehmen gehofft hatten. Auf Twitter berichteten Angestellte von weinenden Kollegen. Andere attestierten ihrem Noch-Chef für seine Entscheidung „Haltung“ und „Anstand“.

    Hätte Hiesinger mehr Tempo beim Umbau machen können? Vielleicht. Doch dann hätte er es sich womöglich auch mit den Arbeitnehmervertretern, die die Hälfte der 20 Plätze im Aufsichtsrat besetzen, verdorben. Das Dilemma zeigt: Seit seinem Antritt stand der Manager zwischen den Interessen von Arbeitnehmern und Aktionären. Mit dem Tata-Deal entschied Hiesinger sich erst für den Mittelweg – und dann für den Ausgang.

    Am Freitag berät der Aufsichtsrat über Hiesingers Nachfolge. Wer Thyssen-Krupp langfristig in die Zukunft führt und wie, ist erst einmal offen – ebenso, ob der- oder diejenige den Spagat zwischen den verschiedenen Interessen besser hinbekommt als der jetzige Chef.

    Hiesinger hat die Trümmer weggeräumt. Aufbauen muss ein anderer.

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