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Industriekonzern in der Krise „Lehner hat keine Beweise für seine Anschuldigungen“ – Investor Elliott schreibt bösen Brief an Thyssen-Krupp

Der US-Hedgefonds Elliott tritt gegen den zurückgetretenen Aufsichtsratschef Ulrich Lehner nach. Dieser habe bewusst die Unwahrheit gesagt.
19.07.2018 - 11:59 Uhr Kommentieren
Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger (links) und der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner haben das Unternehmen mittlerweile verlassen. Quelle: AFP
Duo vor den Chaostagen

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger (links) und der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner haben das Unternehmen mittlerweile verlassen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Nach zwei prominenten Rücktritten bei Thyssen-Krupp geht der US-Hedgefonds Elliott wieder in die Offensive: Am Mittwoch schrieben Manager des Anteilseigners einen Brief an den Aufsichtsrat des Essener Industriekonzerns, in dem sie schwere Vorwürfe gegen den am Montag zurückgetretenen Vorsitzenden Ulrich Lehner erheben.

Mit Blick auf ein Interview, das Lehner in der vergangenen Woche mit der „Zeit“ geführt hat, bezichtigt Elliott den 72-Jährigen nun der Verleumdung. Lehner hatte „einzelnen aktivistischen Investoren“ darin das Verbreiten von Unwahrheiten und Belästigungen bis hin zu „Psychoterror“ vorgeworfen.

Elliott kontert: „Da Professor Lehner keine Beweise für solche Anschuldigungen haben kann, gehen wir davon aus, dass er die Anschuldigungen böswillig oder zumindest rücksichtslos gemacht hat.“ Elliott halte es für angemessen, „dass sich das Unternehmen und der Aufsichtsrat von Professor Lehners diffamierenden Äußerungen distanzieren“. Soweit möglich, solle Thyssen-Krupp sicherstellen, dass Lehner seine Aussagen zurücknimmt und nicht wiederholt.

Der Streit zwischen Aktionären, Aufsichtsräten und Vorstand lähmt Thyssen-Krupp seit Monaten. Während Lehner und der ebenfalls zurückgetretene Vorstandschef Heinrich Hiesinger den Industriekonzern mit seinen derzeit fünf Sparten im Grundsatz erhalten wollen, fordern mehrere Investoren eine größere Eigenständigkeit für die einzelnen Geschäftsbereiche – und brachten sogar schon den Verkauf einzelner Sparten ins Gespräch.

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    Vor allem der Fonds Elliott, der einen Anteil von weniger als drei Prozent an Thyssen-Krupp hält, hatte darauf gedrängt, die Verwaltung des Konzerns deutlich zu verschlanken. In dem Brief an den Aufsichtsrat beteuert Elliott nun, „zu keinem Zeitpunkt – entgegen den Andeutungen von Professor Lehner – eine Zerschlagung von Thyssen-Krupp gefordert“ zu haben.

    „Nichtsdestotrotz sollte das Unternehmen weiterhin jedwede strukturelle Entwicklung in Betracht ziehen, wenn sie im Interesse aller Interessengruppen sind“, so die Einschätzung des Fonds.

    Ähnliche Forderungen hatte nach Lehners Rücktritt auch Lars Förberg erhoben, der Gründer des schwedischen Investmentfonds Cevian, der als zweitgrößter Aktionär rund 18 Prozent der Anteile hält. So erklärte Förberg am Dienstag: „Um in Zukunft dauerhaft erfolgreich zu sein, müssen die Geschäftssparten von Thyssen-Krupp fokussiert, unternehmerisch und effizient aufgestellt werden – flexibel und frei von unverhältnismäßig hohen Kosten und Bürokratie“.

    Vor allem Politiker und Arbeitnehmer hatten vor einer Zerschlagung des Konzerns gewarnt. So erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch, die Bundesregierung setze darauf, dass Thyssen-Krupp als integrierter Industriekonzern erhalten bleibt. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) äußerte Sorge über einen möglichen Arbeitsplatzabbau.

    Zuletzt allerdings gingen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und Cevian aufeinander zu. So schlug der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Markus Grolms, der für die IG Metall in dem Kontrollgremium sitzt, eine gemeinsame Grundsatzerklärung von Arbeitnehmervertretern, Cevian und der Krupp-Stiftung vor, die derzeit etwa 21 Prozent an Thyssen-Krupp hält. Laut ihrer Satzung hat die Stiftung unter anderem den Auftrag, die Einheit des Unternehmens sicherzustellen. Sowohl Cevian als auch die Krupp-Stiftung haben bereits angekündigt, das Gesprächsangebot wahrzunehmen.

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    Nachfolger für Lehner gesucht

    Nach den Rücktritten von Ulrich Lehner und Heinrich Hiesinger sind die verbliebenen Aufsichtsratsmitglieder derzeit auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden, der danach einen neuen Vorstandschef küren soll. Im Moment wird das Unternehmen vom früheren Finanzchef Guido Kerkhoff geführt, dem Lehner das Amt kommissarisch während der Suche nach einem Nachfolger übergeben hatte.

    In dem Brief an den Aufsichtsrat begrüßt Elliot zwar Kerkhoffs Berufung, „da dies dem Konzern vor der Ernennung eines neuen Vorstandsvorsitzenden eine gewisse Stabilität verleiht“. Doch gleichzeitig fordert Elliott eine schnelle Nachbesetzung: „Die Aktionäre erwarten eine unvoreingenommene Suche nach einem neuen externen Vorstandsvorsitzenden, die sich am Wohl des Unternehmens und seiner Interessengruppen, einschließlich der Aktionäre, orientiert“. Die Interimszeit müsse kurz gehalten werden.

    Der Brief schließt mit einem Wunsch: „Ungeachtet der jüngsten Ereignisse hoffen wir, dass der Rücktritt von Professor Lehner es nun ermöglicht, die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Elliott und dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden sowie dem gesamten Aufsichtsrat zu etablieren, die wir ursprünglich hofften mit Professor Lehner aufzubauen.“

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