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Industriekonzern Krupp-Stiftungschefin Gather fordert zügigen Umbau von Thyssen-Krupp

Nach den erneuten personellen Turbulenzen meldet sich die Vertreterin des größten Aktienpakets erstmals persönlich zu Wort – und mahnt zu Tempo beim Umbau.
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Die Chefin der Krupp-Stiftung fordert Tempo beim Umbau von Thyssen-Krupp. Quelle: dpa
Ursula Gather

Die Chefin der Krupp-Stiftung fordert Tempo beim Umbau von Thyssen-Krupp.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Dass Thyssen-Krupp radikal umgebaut wird, gilt seit Mai als beschlossene Sache. Die neue Vorstandschefin Martina Merz will den Ruhrkonzern von allen Geschäften befreien, die langfristig mehr Geld kosten als sie verdienen. Die Komponentenfertigung, der Anlagenbau, Teile der Stahlproduktion: Fast alle Bereiche kommen auf den Prüfstand.

Ende November will Merz ihre Pläne konkretisieren. Doch schon jetzt erhält die Managerin dafür Rückendeckung von der wichtigsten Aktionärin von Thyssen-Krupp. In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ (RP) erklärte die Kuratoriumsvorsitzende der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung, Ursula Gather, am Mittwoch, es müsse nun um „die schnelle Wiederherstellung von Performance und Profitabilität“ gehen. Wunsch der Stiftung sei es, „dass alle Lösungen dem Arbeitnehmerwohl dienen“.

Mit einem Anteil von 21 Prozent hält die gemeinnützige Krupp-Stiftung das größte Aktienpaket von Thyssen-Krupp. Die Stiftung war Ende der Sechzigerjahre von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, dem letzten Erben der Krupp-Dynastie, zum Erhalt des Familienvermächtnisses ins Leben gerufen worden. Seit dessen Tod wacht die Stiftung über das Unternehmen und verteilt die daraus erwirtschafteten Dividenden für wohltätige Zwecke.

Vor wenigen Wochen war es zu einem abrupten Führungswechsel an der Spitze des Ruhrkonzerns gekommen, nachdem der Personalausschuss des Aufsichtsrats die Abberufung von Merz' Vorgänger Guido Kerkhoff empfohlen hatte. Merz rückte daraufhin vom Vorsitz des Aufsichtsrats auf den Vorstandsposten, um das Unternehmen interimsweise für maximal zwölf Monate zu führen.

Zu dem Personalwechsel sagte Gather nun, dass es eines personellen Neustarts bedurft habe, „um das Tempo zu erhöhen“. Die Entscheidung aus dem Monat Mai, das Unternehmen neu auszurichten, wäre für Guido Kerkhoff, der alle früheren Strategien mitgetragen habe, nach innen und nach außen schwerer umzusetzen als für jemanden, der erst kürzlich ins Unternehmen gekommen sei, so die Stiftungschefin.

Zu dem geplanten Verkauf der Aufzugsparte, deren Wert auf bis zu 18 Milliarden Euro geschätzt wird, sagte Gather, es sei aus Sicht der Dividendenfähigkeit „natürlich am besten, an Elevator, dem ertragreichen Geschäft möglichst hoch beteiligt zu bleiben“. Man werde am Ende sehen, was die beste Lösung für das zum Verkauf stehende Geschäft sei.

Gather gegen Sonderdividende

Neben einem Komplettverkauf steht auch ein Teilverkauf mit einem späteren Börsengang zur Debatte. Parallel dazu bereitet der Vorstand einen regulären Börsengang vor, dem wegen des sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfelds allerdings die geringsten Chancen eingeräumt werden.

Vor allem der schwedische Investmentfonds Cevian soll einen Komplettverkauf favorisieren, weil sich so der höchste Preis erzielen ließe. In der Vergangenheit hatte der Fonds auch auf eine Sonderdividende gedrängt, nahm von dieser Forderung aber wieder Abstand. Auch Stiftungschefin Ursula Gather erteilte dem nun eine Absage und versicherte, an einer Sonderdividende habe die Stiftung kein Interesse.

Auch in Zukunft könne der philanthropische Zweck der Stiftung erfüllt werden, selbst wenn Thyssen-Krupp einige Jahre keine Dividende zahle, erklärte Gather weiter. „Die Stiftung hat bereits zwei dividendenlose Jahre als Ankeraktionärin mitgetragen. In den darauffolgenden Jahren lag sie mit zehn bis 15 Cent je Aktie sehr niedrig. Eine Weile werden wir den jetzigen Zustand wohl noch aushalten können.“

Pläne, die Anteile der Stiftung auf über 25 Prozent aufzustocken, um bei Hauptversammlungen wieder zuverlässig eine Sperrminorität geltend machen zu können, habe die Stiftung hingegen nicht. „Um in diese Sphären zurückzukehren, wären heute zirka 350 Millionen Euro nötig. Das ist unrealistisch“, sagte Gather.

Mehr: Der geplante Konzernumbau ist die wohl größte Zäsur, die der Thyssen-Krupp-Konzern in seiner langjährigen Geschichte erlebt hat. Mit ihm beginnt der Abstieg einer Industrie-Ikone.

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  • Diese Damen sollen es richten? - Das glaube ich nicht.