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Industriekonzern Lehners lautloser Abgang stellt Thyssen-Krupp vor eine unsichere Zukunft

Der Aufsichtsrat hat Schwierigkeiten, einen Nachfolger für seinen Vorsitzenden zu finden. Wichtige Entscheidungen bleiben auf der Strecke.
31.07.2018 - 21:17 Uhr Kommentieren
Der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp hat seinen Posten am Dienstag offiziell abgegeben. Quelle: picture alliance / SvenSimon
Ulrich Lehner

Der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp hat seinen Posten am Dienstag offiziell abgegeben.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Düsseldorf, Frankfurt Ulrich Lehner hatte sich das Ende seiner Verbindung mit Thyssen-Krupp sicherlich anders vorgestellt. Ohne große Zeremonie und ohne eine Mitteilung verließ der 72-Jährige am Dienstag den Aufsichtsrat des Industriekonzerns.

Es ist der lautlose Abschied eines Mannes, der viele Jahrzehnte im Dienste von Thyssen-Krupp stand. Und er wirft noch immer Fragen auf. Eine der drängendsten: Wer soll ihm an der Spitze des Kontrollgremiums nachfolgen?

Die Antwort ist entscheidend für die Zukunft des Unternehmens mit seinen rund 160.000 Mitarbeitern. Denn der neue Aufsichtsratschef wird einen Nachfolger für den ebenfalls ausgeschiedenen Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger finden müssen. Und an ihm wird sich zeigen, welchen strategischen Weg der Konzern einschlägt. „Derzeit ist Thyssen-Krupp paralysiert – auch weil die Sorge über eine Zerschlagung größer ist als je zuvor“, sagte ein Topmanager dem Handelsblatt.

Entweder erhalten die einzelnen Sparten größere Unabhängigkeit, wobei sogar ein Teilbörsengang einzelner Geschäftsbereiche denkbar wäre – so fordert es etwa der zweitgrößte Aktionär Cevian. Oder der Konzern wird nach moderaten Anpassungen der Strategie weiter aus Essen geführt – das wünschen sich die Arbeitnehmer.

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    Der Streit überschattet die Suche nach einem Nachfolger für Lehner. Bisher haben die verbliebenen Mitglieder des Aufsichtsrats niemanden gefunden. „Dazu ist die Zeit zu knapp gewesen – und die Rahmenbedingungen sind zu komplex“, sagte ein Aufsichtsrat dem Handelsblatt.

    Ein Sprecher von Thyssen-Krupp erklärte am Dienstag: „Mit dem Ablauf des heutigen Tages wird zunächst Markus Grolms als stellvertretender Vorsitzender die Geschäfte des Aufsichtsrats weiterführen.“

    Eigentlich blieb nach Lehners Rücktrittsankündigung vor zwei Wochen genug Zeit, um einen Nachfolger zu finden. „Es gibt auch einen Zettel, auf dem die Namen von hochkarätigen Kandidaten stehen“, berichtete ein Aufsichtsrat. Allerdings sei keiner von ihnen bereit, sich ohne weitere, klärende Gespräche für Thyssen-Krupp zu engagieren.

    Wirklich attraktiv ist eine Berufung in das oberste Gremium des Unternehmens im Moment nämlich nicht. Seit Wochen steht Thyssen-Krupp wegen der Streitigkeiten zwischen Management, Aufsichtsrat und Großaktionären in den Schlagzeilen.

    Der Konzern ist auf der Suche nach einer Strategie für die Zukunft. Quelle: dpa
    Stahlwerk von Thyssen-Krupp in Duisburg

    Der Konzern ist auf der Suche nach einer Strategie für die Zukunft.

    (Foto: dpa)

    Zunächst trat Vorstandschef Heinrich Hiesinger zurück, wenig später kündigte dann Lehner seinen Rückzug an. Beide Manager begründeten den Schritt mit der mangelnden Unterstützung durch Ursula Gather, die Vorsitzende des Kuratoriums der Krupp-Stiftung.

    Kein Rückhalt von der Krupp-Stiftung

    Hiesinger wie Lehner sahen die Einheit des Konglomerats (Aufzüge, Anlagenbau, Komponenten) durch die Finanzinvestoren Cevian und Elliott bedroht. Vor allem Cevian als zweitgrößter Aktionär hatte auf einen schnelleren und umfassenderen Umbau von Thyssen-Krupp gedrängt. Für Hiesinger und Lehner nur die Vorstufe für eine Zerschlagung des Unternehmens.

    Gather hatte zwar im Namen der Krupp-Stiftung zuletzt beteuert, dass sie Thyssen-Krupp erhalten wolle. Die Aufgabe der Stiftung sei es, im Sinne des Stifters die Einheit des Unternehmens möglichst zu wahren, erklärte sie kürzlich. Doch Hiesinger und Lehner haben nicht nur Zweifel an dieser Formel, sie kommt auch zu spät.

    Über viele Monate hinweg hatte es für sie keinen Rückhalt aus der Stiftung gegeben, wie Leute aus ihrem Umfeld berichten. „Dabei war das dringend nötig geworden, hatten doch Cevian und Elliott eine Ablösung von Hiesinger als Vorstandschef gefordert“, hieß es.

    Als Hiesinger ging, musste auch Lehner über seinen Verbleib in den Diensten von Thyssen-Krupp nachdenken. „Wenn der Vorstandsvorsitzende keinen Rückhalt des Großaktionärs hat, dann hat ihn auch der Aufsichtsratschef nicht mehr“, sagten Personen, die Hiesinger und Lehner nahestehen.

    Als dann auch noch in der Stellungnahme des Kuratoriums zum Hiesinger-Rücktritt der Satz fehlte, dass die Krupp-Stiftung Vertrauen in die Arbeit des Aufsichtsrats habe, war Lehner klar, dass er weichen muss.

    Wer immer Lehner nun nachfolgen wird, wird die Rückendeckung der Krupp-Stiftung als des größten Aktionärs zwingend brauchen. Aber nicht nur die der Stiftung: Auch Cevian und die Vertreter des Betriebsrats und der Gewerkschaft IG Metall müssen hinter dem künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden stehen.

    Alle drei Seiten haben angekündigt, gemeinsam an einer Lösung arbeiten zu wollen. Machbar dürfte die auch sein, wie sich an den letzten Äußerungen Gathers gezeigt hat. Dem „Spiegel“ sagte sie, dass sie für eine Verkleinerung der Konzernzentrale sei. Diese Forderung hatte schon Cevian erhoben. Die Krupp-Stiftung mit Gather an der Spitze und Cevian haben sich also bereits angenähert.

    Vor diesem Hintergrund erwarten Insider nun, dass der durch Lehners Rückzug frei gewordene Platz von einem Cevian-Gesandten besetzt werden könnte. Der Finanzinvestor hätte dann wie die Krupp-Stiftung zwei Vertreter in dem Gremium.

    Begründbar wäre dies damit, dass Cevian mit einem Anteil von 18 Prozent kaum weniger Prozentpunkte an Thyssen-Krupp hält als die Stiftung, die mit 21 Prozent größter Aktionär des Unternehmens ist.

    Umbruch bei Thyssen-Krupp – „Lehner steht für acht Verlustjahre“

    Den Vorsitz des Aufsichtsrats könnte Cevian aber nicht für sich beanspruchen – dafür aber die Krupp-Stiftung. Berthold Beitz, der langjährige Chef des Großaktionärs, hatte ursprünglich Lehner für den Posten vorgesehen. Gather selbst hatte zwar vor zwei Wochen Spekulationen zurückgewiesen, wonach sie selbst die Lehner-Nachfolge anstreben könnte.

    Insider haben daran aber Zweifel. „Schon mit dem Eintritt im vergangenen Januar hat sie die Position angestrebt“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Mit Lehners Abgang sei der Weg frei geworden.

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