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Industriekonzern Machtkampf um die Sonderdividende: Thyssen-Krupp versinkt im Chaos

Konzernchef Kerkhoff muss gehen: Thyssen-Krupp droht die endgültige Zerschlagung. Im Hintergrund tobt der Machtkampf um eine Sonderdividende.
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ThyssenKrupp versinkt im Chaos: Machtkampf um Sonderdividende Quelle: Bloomberg
Thyssen-Krupp-Zentrale in Essen

Konzernchef Guido Kerkhoff muss gehen – seinen Posten übernimmt vorübergehend die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf, Frankfurt Machtkampf bei Thyssen-Krupp: Großaktionär Cevian hat nach Handelsblatt-Informationen eine hohe Sonderdividende gefordert. In vertraulichen Gesprächen mit dem Management und einzelnen Aufsichtsräten verlangten die Cevian-Vertreter einen Komplettverkauf der Aufzugsparte.

Dabei soll Cevian mindestens die Hälfte des erwarteten Erlöses von 18 Milliarden Euro eingefordert haben. Der größte Aktionär des Essener Konzerns, die Krupp-Stiftung, trägt diese Forderung offenbar mit – und das, obwohl sie laut ihrer Satzung zum Erhalt des Unternehmens verpflichtet ist. Im Gesamtaufsichtsrat wurde das Thema bisher noch nicht besprochen.

Bei einem Treffen mit Cevian vor zwei Wochen hatte Kerkhoff die Forderung nach einer Sonderdividende rundheraus abgelehnt. Nach seiner Einschätzung wäre Thyssen-Krupp dann akut von der Pleite bedroht, da ohne das Geld die ohnehin bereits angespannte Finanzierung zusammenbreche. Bei einem Teilverkauf, den der Vorstandschef stattdessen favorisiert hatte, bliebe Thyssen-Krupp aufgrund der Dividenden weiterhin liquide.

Am Dienstagabend empfahl die Aufsichtsratsspitze Kerkhoffs Rauswurf. Die bittere Nachricht ereilte Guido Kerkhoff im fernen Israel. Zusammen mit einer Gruppe von jungen Mitarbeitern hatte der Vorstandschef von Thyssen-Krupp zuvor Yad Vashem besucht, die wohl wichtigste Gedenkstätte des Holocaust. Tief bewegt sei Kerkhoff nach dem Besuch des Mahnmals gewesen, berichteten anschließend Begleiter.

Fotos zeigen den Manager mit gefalteten Händen und einer Kippa auf dem Kopf, der Kopfbedeckung männlicher Juden. In dieser Stimmung erreichte ihn ein Anruf seiner Aufsichtsratsvorsitzenden Martina Merz. In knappen Worten machte sie ihm deutlich, dass seine Dienste bei Thyssen-Krupp nicht länger erwünscht seien. Die Spitzen des Kontrollgremiums hatten sich zuvor darauf geeinigt, dass sie mit ihm nicht mehr weiterarbeiten wollen.

In den kommenden Tagen soll der Vertrag mit Kerkhoff aufgelöst werden, die Nachfolge wird Merz selbst übernehmen. Zumindest vorübergehend. Der Vorstandswechsel lief unter dem Decknamen „Operation Herbst“ und wurde von einer Agentur begleitet, die sowohl Merz als auch die Krupp-Stiftung als größte Aktionärin des Konzerns berät. 

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Angekündigt hatte sich der Rauswurf schon länger. In den vergangenen vier Monaten sei eine Reihe von Kandidaten angesprochen worden, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrats. Dazu sollen unter anderem der frühere Kuka-Chef Till Reuter zählen wie auch Ex-ABB-Boss Ulrich Spiesshofer. „Alle interessanten Kandidaten haben dann aber abgesagt“, so informierte Kreise.

Letztlich blieb Merz nur, den Posten selbst zu übernehmen. Gedrängt habe sie sich auf die Position nicht, erklärte eine Quelle aus ihrem Umfeld. Klar war aber, dass es mit Kerkhoff nicht weitergehen konnte. Zu langsam sei der Umbau gelaufen, und Einsparungen seien in vielen Fällen lediglich angekündigt, aber nicht wirklich umgesetzt worden, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrats.

Für Merz soll nun der frühere Siemens-Manager Siegfried Russwurm zeitweise an die Spitze des Aufsichtsrats rücken. Gleichzeitig will Merz den Spartenchef Klaus Keysberg in den Konzernvorstand holen, der derzeit den Werkstoffhandel leitet, und ihm die Verantwortung für die Handelssparte sowie für das Stahlgeschäft übertragen.

Der schwedische Investmentfonds Cevian, der rund 18 Prozent an Thyssen-Krupp hält, begrüßte den geplanten Personalwechsel. „Wir unterstützen die Ernennung von Martina Merz zur Vorstandsvorsitzenden voll und ganz“, erklärte Cevian-Gründer Lars Förberg am Mittwoch. „Wir erwarten, dass die neue Führung den von Thyssen-Krupp so dringend benötigten Transformationsprozess beschleunigen und die Qualität der Umsetzung maßgeblich verbessern wird.“

Die Krupp-Stiftung indes, die mit 21 Prozent das größte Aktienpaket verwaltet, hielt sich mit einer Bewertung zurück – und teilte lediglich in einer kurzen Mitteilung mit, sie nehme die Entscheidung „zur Kenntnis“. „Die weiteren Entscheidungen sind Sache des Aufsichtsrats“, hieß es weiter. „Martina Merz hat das volle Vertrauen der Stiftung.“

Begehrlichkeiten bei leidgeplagten Teilhabern

Das galt für Kerkhoff offenbar zuletzt nicht mehr. Im Gegenteil war der Unmut der Kontrolleure über den Manager, der das Amt vor einem Jahr ebenfalls nur notgedrungen übernommen hatte, offenbar zu groß. Ihm werden aber aus den Reihen des Aufsichtsrats nicht nur Verfehlungen bei der Neuausrichtung vorgeworfen. Kerkhoff stand einigen schlicht dabei im Weg, ihre Ziele umzusetzen.

Denn im Hintergrund geht es um mehr als die Besetzung eines Vorstandspostens, der mit dem Abstieg von Thyssen-Krupp in den MDax auch noch an Attraktivität verloren hat. Es geht um die Frage, ob der Konzern trotz klammer Kassen eine Sonderdividende ausschütten kann.

Kerkhoffs Worten zufolge wäre Thyssen-Krupp akut von der Pleite bedroht, sollte auch nur ein Teil der erwarteten Erlöse aus einem Verkauf der Aufzugsparte aus dem Unternehmen abgezogen werden. Wegen seiner angespannten Finanzlage hatte der Ruhrkonzern in den vergangenen Jahren bestenfalls einen Minimalbetrag an die Aktionäre ausgeschüttet.

Doch mit dem nun geplanten Verkauf der profitablen Aufzugsparte soll ein Milliardenbetrag auf das Konto der Essener fließen – das weckt Begehrlichkeiten bei den leidgeplagten Teilhabern. In Finanzkreisen hieß es, das, was hier passiere, sei „Aktivismus pur“. Cevian strebe eine Gesamtzerschlagung des Konzerns an. Offenbar versuche der Fonds, einen Teil seines bislang gescheiterten Investments zurückzubekommen.

Teilweise hatte Cevian bis zu 40 Prozent Wertverlust verkraften müssen, vergleicht man heutige Kurse mit jenen, zu denen der Investor seine milliardenschweren Anteile einmal gekauft hatte. „An deutscher Corporate Governance herrscht kein Interesse“, so die Kreise. Zum zweiten Mal sei die Stiftung nun auf Druck von Cevian umgefallen.

Es wachsen die Zweifel daran, dass die Finanzierung des Gesamtkonzerns nach einem Komplettverkauf weiterhin gesichert wäre. Auch wäre das Rating, das schon jetzt knapp an der Grenze zur hochspekulativen Ramschanleihe liegt, mit dieser Strategie wohl nicht zu halten.

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