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Industriekonzern Metaller Markus Grolms – die neue Schlüsselfigur in Thyssen-Krupps Aufsichtsrat

Thyssen-Krupp steckt tief in der Krise. Der ehemalige Metall-Gewerkschafter Markus Grolms will zwischen Investoren und Arbeitnehmern vermitteln.
18.07.2018 - 17:07 Uhr Kommentieren
Der Aufsichtsrats-Vize steht bei Thyssen-Krupp derzeit im Mittelpunkt. Quelle: PR
Markus Grolms

Der Aufsichtsrats-Vize steht bei Thyssen-Krupp derzeit im Mittelpunkt.

(Foto: PR)

Düsseldorf Es dauerte nur wenige Stunden, und schon war Markus Grolms wieder auf der Suche nach Bündnispartnern. Der IG-Metall-Generalsekretär ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssen-Krupp und hatte wohl bereits einen vollen Terminkalender, als vor zwei Wochen der Vorstandschef Heinrich Hiesinger völlig überraschend seinen Rücktritt erklärte.

Doch als dann am Montag auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner die Brocken hinwarf, dürfte die Suche nach einem neuen Vorstandschef – eigentlich eine drängende Aufgabe – auf der To-do-Liste des 47-Jährigen einen Platz nach unten gerutscht sein. Noch am gleichen Abend erklärte er eilig: „In solchen Zeiten ist die Mitbestimmung unverzichtbar für die Stabilität des Unternehmens. Gemeinsam mit der Krupp-Stiftung werden wir genau dafür einstehen.“

Zwar ist Lehner noch offiziell bis zum Ende des Monats im Amt. Die Satzung von Thyssen-Krupp verlangt bei Rücktritten von Aufsichtsratsmitgliedern eine mindestens zweiwöchige Frist zwischen Bekanntgabe und Vollzug, sofern der Grund kein schnelles Handeln verlangt. Doch dass sich der 72-Jährige bis dahin an der Suche nach seinem eigenen Nachfolger im Aufsichtsrat beteiligt, gilt als unwahrscheinlich. Und so gerät Grolms in den Mittelpunkt: Er ist derjenige, der den Laden nun zusammenhalten muss.

Grolms ist Sozialpsychologe und Konfliktberater, was sich jetzt ganz gut trifft. Zwar wollten es Lehner und Hiesinger dem Aufsichtsrat mit ihren Abgängen ausdrücklich leichter machen, in Ruhe über die weitere Strategie des Konzerns zu diskutieren. Doch die im Gremium vertretenen Interessen gehen weit auseinander: Da ist der Cevian-Vertreter Jens Tischendorf, der schon seit Längerem auf eine Entflechtung des Industriekonglomerats drängt.

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    Da ist die Krupp-Stiftung, die zwar grundsätzlich an der Einheit des Unternehmens festhalten will, aber deren Chefin Ursula Gather durchaus offen scheint für verschiedene Optionen. Und da sind die Arbeitnehmer um Grolms, die vor allem sichere Arbeitsplätze wollen.

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    Schon nach Hiesingers Rücktritt hatte Grolms daher den Schritt nach vorne gewagt und den Dialog mit der Stiftung und der Politik versucht. Nach einem gemeinsamen Statement mit Stiftungschefin Ursula Gather nahm er an einem Krisengespräch mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) teil, der den Arbeitnehmern von Thyssen-Krupp daraufhin seine Unterstützung versicherte.

    Nach Lehners Rücktritt ging Grolms nun sogar noch einen Schritt weiter – und holte den schwedischen Investmentfonds Cevian ins Boot, der derzeit mit rund 18 Prozent zweitgrößter Aktionär bei Thyssen-Krupp nach der Krupp-Stiftung (21 Prozent) ist.

    Er halte eine Grundsatzvereinbarung zwischen Cevian, der Krupp-Stiftung und den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat vor, sagte Grolms am Mittwoch in einem Interview mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Cevian-Gründer Lars Förberg reagierte geradezu euphorisch auf die Idee: „Wir begrüßen den Vorschlag und freuen uns auf gemeinsame Gespräche“, erklärte er.

    Bisher stand Förbergs Fonds in Opposition zur Gewerkschaft – weil die Entflechtung, die Cevian fordert, Tausende Arbeitsplätze vor allem in der Essener Zentrale von Thyssen-Krupp überflüssig machen könnte.

    Doch gemeinsam wäre das Dreiergespann im Aufsichtsrat unschlagbar. Mit den zehn Arbeitnehmervertretern in dem zwanzigköpfigen Gremium, für die Grolms spricht, und den drei Sitzen, die Krupp-Stiftung und Cevian zusammen stellen, hätten sie bei allen Entscheidungen die absolute Mehrheit. Für die Wahl des Aufsichtsratsvorsitzenden ist laut Geschäftsordnung eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Können sich Grolms, Gather und Tischendorf in den kommenden zwei Wochen auf einen Kandidaten einigen, bis also Lehner endgültig ausscheidet, dürfte das Ruhe versprechen – zumindest vorerst.

    Denn sein Gesprächsangebot an Cevian verknüpfte der IG-Metall-Sekretär auch mit einer Warnung: „Wir werden keine Veränderungen ohne soziale Fairness zulassen.“ Selbst wenn es zum Landfrieden kommt – lange halten dürfte er nicht.

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