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Industriekonzern Siemens-Personalvorständin Janina Kugel äußert sich erstmals zu ihrem Abgang

Seit Tagen wird spekuliert, nun ist es offiziell: Die beliebte Personalchefin geht. Konzernchef Kaeser äußert sich nicht zu Kugels Abschied.
31.07.2019 Update: 31.07.2019 - 18:33 Uhr Kommentieren
Janina Kugel verlässt Siemens Ende Januar. Quelle: dpa
Siemens-Personalchefin Janina Kugel

Janina Kugel verlässt Siemens Ende Januar.

(Foto: dpa)

München Als Janina Kugel zu Beginn des Jahrtausends ihre Laufbahn bei Siemens begann, nahm sie in den ersten Tagen an einer Besprechung teil. Als der letzte Teilnehmer den Raum betrat, sagte er zu ihr: „Ich hätte meinen Kaffee gern mit Milch.“ Er hatte die Managerin für eine Assistentin gehalten.

Seither hat sich viel beim Technologiekonzern verändert. Dass Frauen inzwischen ernster genommen werden, hat womöglich auch etwas mit Janina Kugels Arbeit zu tun. Sie machte bei Siemens eine steile Karriere, die sie als Personalchefin bis in den Vorstand führte. Diversität war da eines ihrer zentralen Themen.

Doch nun verlässt Kugel, wie vom Handelsblatt schon vorab berichtet, das Unternehmen. Der Vertrag der Arbeitsdirektorin laufe mit Wirkung zum 31. Januar 2020 aus, teilte Siemens am Dienstag auf einer Aufsichtsratssitzung mit.

Kugel hat sich in einem längeren, englischsprachigen Beitrag auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn erstmals zu ihrem Abschied von dem Technologiekonzern geäußert. Sie habe immer die Bedeutung von Veränderung gepredigt, schrieb die 49-Jährige. „Und Veränderung ist das, was ich jetzt in meinem eigenen Leben erreichen will.“ Wenn sie Siemens Ende Januar verlasse, wolle sie sich die Zeit nehmen, von anderen Organisationen und anderen Menschen mit anderen Erfahrungen zu lernen.

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    Die Personalchefin ist nach Konzernchef Joe Kaeser das vermutlich bekannteste Gesicht bei Siemens. Mit ihren zahlreichen Podiumsauftritten zu Themen wie Diversität wurde sie zu einer Art Popstar im Vorstand, von manchen männlichen Kollegen misstrauisch beäugt. Noch am Samstag war sie beim Christopher Street Day in Berlin unterwegs, Siemens hatte dort einen eigenen Truck.

    Die Trennung erfolgt nun so, wie das in den meisten Fällen üblich ist, offiziell im gegenseitigen Einvernehmen. Kugel habe 17 Jahre dem Konzern gedient, lobte Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe. „Mit ihrer langjährigen Erfahrung und Expertise sowie der Kraft ihrer Persönlichkeit hat Janina Kugel einen wichtigen Anteil an unserem Erfolg.“ Sie sei „eine leidenschaftliche Streiterin für mehr Diversität, lebenslanges Lernen und eine moderne Unternehmenskultur in einer sich radikal wandelnden Arbeitswelt“, fügte Snabe hinzu. Man wünsche ihr alles Gute.

    Viele Arbeitnehmervertreter waren in den vergangenen Tagen vom Handelsblatt-Bericht überrascht worden. „Als Arbeitsdirektorin haben wir sie als harte, aber konstruktive und faire Verhandlungspartnerin geschätzt“, sagte Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn nun. Die Arbeitnehmer haben bei der Wahl des Arbeitsdirektors ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Die Nachfolge Kugels solle in den nächsten Monaten entschieden werden, hieß es bei Siemens.

    In dem LinkedIn-Eintrag schreibt Kugel weiter, es sei ihr eine Ehre und ein Vergnügen gewesen, bei Siemens zu führen. Darin wandte sie sich direkt an ihre Kollegen von Siemens: „You are awesome! You simply rock!“ Gemeinsam habe man die Entwicklung einer innovativen Personalabteilung vorangetrieben. Selbst in schwierigen Zeiten der Restrukturierung habe man gezeigt, dass man in Innovation und die Kompetenzen der Beschäftigten investiere.

    Neike könnte auf Kugel folgen

    „Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, notwendige und schwere Entscheidungen zu treffen, und gleichzeitig die Firma als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren.“ Man habe bewiesen, dass ein Kulturwandel machbar ist.
    Sie freue sich darauf, ihre Erfahrungen und Expertise, die sie bei Siemens über die Jahre gewonnen habe, anderen Firmen und Organisationen zur Verfügung zu stellen, die ihre eigene Transformation durchmachten.

    Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und Aufsichtsrat bei Siemens sagte: „Auch wir schätzen die konstruktive und faire Zusammenarbeit mit Frau Kugel sehr und bedauern, dass Ihr Vertrag endet.“ Sie akzeptiere die IG Metall als Verhandlungspartnerin und beziehe die Gewerkschaft bei der Lösung von betrieblichen Themen stets mit ein. „Das war bei Siemens nicht immer so.“

    Nun gelte es bis zum Ende der Vertragslaufzeit „eine adäquate Nachfolgerin zu finden, die an die erfolgreiche Arbeit anknüpft und mit der wir die Herausforderungen einer Neuausrichtung der Siemens AG mit Blick auf die Beschäftigten weiter zukunftsweisend gestalten können“.

    Doch nach Informationen des Handelsblatts gab es teilweise auch Unzufriedenheit auf der Kapitalseite im Aufsichtsrat. Manche werfen Kugel vor, das Kerngeschäft in der Tagesarbeit etwas vernachlässigt zu haben. Zudem ließ die selbstbewusste Managerin dem Eindruck einiger zufolge immer wieder eine gewisse Distanz zu Konzernchef Joe Kaeser durchschimmern.

    Vor allem im Zusammenhang mit der angekündigten Schließung des Werks in Görlitz, die später zurückgenommen wurde, sollen die beiden auch einmal aneinandergeraten sein. Einige bei Siemens beobachteten aufmerksam, dass Kaeser in der Pressemitteilung zu Kugels Abschied nicht zitiert wurde. Allerdings sind Vorstandsangelegenheiten Sache des Aufsichtsrats.

    Während die Personalchefin neue Wege geht, soll der 46-jährige Cedrik Neike im neuen Siemens-Konzern eine zentrale Rolle spielen. Der Aufsichtsrat verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis Mai 2025. Neike führt das neue „operative Unternehmen“ Intelligente Infrastruktur, das neben den Digitalen Industrien künftig das zweite zentrale Kerngeschäft ist. Neike habe die neue Einheit gut auf den Weg gebracht, sagte Snabe. „Jetzt können Cedrik Neike und sein Team ihren klaren Plan zur Wachstums- und Ertragssteigerung umsetzen.“

    Neike war im Frühjahr 2017 nach langen Jahren bei Cisco zu Siemens zurückgekehrt. Er ist der jüngste in der Riege der Siemens-Vorstände und gilt als Digitalexperte. Neike, der seinen Sitz in Berlin hat, gilt wie Kugel als moderner Manager. Er duzt sich rasch auch mit untergeordneten Beschäftigten, gilt als unkompliziert.

    Manche hatten ihm auch schon Chancen für die Nachfolge von Kaeser eingeräumt, dessen Vertrag Anfang 2021 ausläuft. Doch das komme wohl, wenn Kaeser nicht verlängert, für Neike zu früh, meint ein Personalberater. Bislang sei er den internen Favoriten Michael Sen und Roland Busch im internen Machtgefüge nicht gefährlich geworden.

    Mehr: Siemens-Personalchefin Janina Kugel verlässt das Unternehmen, auch die Zukunft von Energie-Vorständin Lisa Davis ist offen. Das Quotenziel des Aufsichtsrats ist in Gefahr.

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