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Industriekonzern Siemens setzt in seiner „Vision 2020+“ auf Batterien

Intelligente Infrastruktur ist ein wichtiges Standbein der neuen Strategie. Siemens-Vorstand Neike will den Fokus auf E-Mobilität und Batteriespeicher legen.
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Siemens-Vorstand Neike sieht in der Ladeinfrastruktur einen „Riesenwachstumsmarkt“. Quelle: Werner Bachmeier / VISUM
Elektrofahrzeug an der Ladestation

Siemens-Vorstand Neike sieht in der Ladeinfrastruktur einen „Riesenwachstumsmarkt“.

(Foto: Werner Bachmeier / VISUM)

München Als Cedrik Neike vor zwei Jahren zu Siemens zurückkehrte, bekam er von seinen Ex-Kollegen beim amerikanischen IT-Konzern Cisco viele E-Mails. „Die wollten wissen, ob sie nun über mich eine Waschmaschine billiger bekommen“, erzählte Neike einmal vor Start-up-Unternehmern.

Dass die Hausgeräte längst an Bosch verkauft worden waren, hatte sich noch nicht bis ins Silicon Valley herumgesprochen. Siemens sieht die Zukunft in Geschäftsfeldern wie der Intelligenten Infrastruktur (Smart Infrastructure, SI), die sich aus Energiemanagement und Gebäudetechnik zusammensetzt.

Das „operative Unternehmen“, das Digitalisierungsspezialist Neike verantwortet, hat eine Produktpalette von Stromnetzen über Smartgrids, Trafos und Schaltanlagen bis zum Feuermelder und der vollautomatischen Gebäudesteuerung.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert sich Neike nun erstmals zu seinen Plänen mit der neuen Megaeinheit, die mit 71.000 Mitarbeitern 14 Milliarden Euro umsetzt. „Wir wollen definitiv schneller wachsen als der Markt“, sagte der Siemens-Vorstand. Schwerpunkte will er in den Bereichen Speichersysteme und Elektromobilität setzen.

Die neue Siemens-Struktur geht am 1. April an den Start. Drei „operative Unternehmen“ bilden dann den industriellen Kern des Konzerns. Die kriselnde Kraftwerkssparte gilt dabei eher als Problemfall, die hochprofitablen Digitalen Industrien als Vorzeigesparte. Dazwischen steht die Intelligente Infrastruktur. Doch Neike ist überzeugt, dass auch diese Sparte eine zentrale und langfristige Rolle im Konzern spielen wird.

In der neuen Aufstellung könne SI Synergien nutzen. So würden 40 Prozent der Energie von Gebäuden verbraucht. Da sei es sinnvoll, Gebäudetechnik, Verteilnetze und Steuerungstechnik aus einer Hand anzubieten. „Das Zusammenspiel von Hardware und Software ist entscheidend und die Stärke von Siemens“, erklärte Neike.

Der Markt, in dem sich SI bewegt, dürfte laut Branchenschätzungen in den nächsten Jahren um durchschnittlich zwei bis drei Prozent wachsen. Siemens will stärker zulegen und peilt operative Umsatzrenditen von zehn bis 15 Prozent an. Dabei setzt Neike zum einen auf das Thema Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität: „Das ist ein Riesenwachstumsmarkt.“ Über viele Jahre hatte Siemens hier keine klare Strategie verfolgt. Es gab eine Handvoll verschiedene Ladetechnologien im Haus, die teilweise eher halbherzig betrieben wurden.

Zwischenzeitlich stellte Siemens die Aktivitäten 2013 sogar ein, um wenige Jahre später mit einer neuen Produktpalette zurückzukehren. Neike glaubt, dass trotz des Hin und Her nicht zu viel Zeit verloren wurde. „Ein Großunternehmen muss auch einmal den Mut haben, zwei, drei Technologien parallel zu entwickeln, um zu sehen, welche sich durchsetzt.“

Große Hoffnungen hat SI für das Geschäft mit Speichertechnologien. Zum einen beschäftigt sich Siemens schon länger mit der Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse. Daneben will SI unter Neikes Führung stärker auf das Thema Batterien setzen. Schon heute sei Siemens hier größer als Tesla Energy, zum Beispiel mit Lösungen für Energieversorger. „Wir glauben, dass die Batterie als Zwischenspeicher im Zeitalter der ‧erneuerbaren Energien langfristig ‧eine wichtige Rolle spielen wird.“

Mit der Junelight Smart Battery hat Siemens jetzt erstmals einen Lithium-Ionen-Speicher für Eigenheime auf den Markt gebracht. Damit betritt Siemens einen attraktiven, aber auch umkämpften Markt. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens EuPD Research, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, kam die Branche 2018 auf 1,3 Milliarden Euro Umsatz mit Heimspeicherlösungen und 160 000 neu installierten Systemen.

Im Jahr 2030 werden der Prognose zufolge eine Million Heimspeicher installiert. Marktführer ist LG Chem mit etwa 21 Prozent vor Sonnen, das von Shell übernommen wird, und Tesla.

Sonnen-Geschäftsführer Christoph Ostermann sieht die neue Konkurrenz positiv. „Der Markteintritt von immer größeren Akteuren wie jetzt Siemens zeigt, dass Speicher gerade Mainstream werden und bald genauso zum Haushalt gehören wie ein Kühlschrank“, sagte er dem Handelsblatt.

Allerdings habe er schon einige große Namen kommen sehen, die sich am Markt noch immer schwertun oder sich sogar wieder zurückgezogen hätten. Viele Kunden wollten mehr als nur den eigenen Strom speichern und zum Beispiel von zusätzlichen Dienstleistungen ihrer Speicher profitieren – wie dem virtuellen Kraftwerk von Sonnen.

Probleme zum Start

Vor dem Start der neuen Struktur musste die Division Energiemanagement aufräumen. Im ersten Quartal brach das Ergebnis der Division um fast die Hälfte auf 101 Millionen Euro ein. Siemens begründete dies auch mit „negativen Wirkungen in Zusammenhang mit Projekten zur Stromnetzsteuerung“. Laut Finanzvorstand Ralf Thomas hatten die Projekte ein Volumen im mittleren zweistelligen Millionenvolumen. Die Belastungen waren niedriger.

Dennoch ist das Thema ärgerlich. Im Rahmen der Neuaufstellung habe man sich die laufenden Softwareprojekte genau angesehen, so Neike. Im Bereich der Netzleitsysteme gibt es mehrere Projekte, in denen ein umfangreiches Softwarepaket für einzelne Kunden entwickelt wurde.

„In manchen Fällen sind diese Spezialanfertigungen zwar technisch machbar, aber ihre wirtschaftliche Gesamtbetrachtung kann für beide Seiten infrage gestellt werden. Da gibt es elegantere Lösungen am Markt.“ Bei Software spielten Skaleneffekte eine große Rolle. Daher wolle man gemeinsam mit den Kunden künftig mehr auf Plattformen setzen.

Trotz der Probleme sieht Neike unter den Mitarbeitern im neuen „operativen Unternehmen“ Aufbruchsstimmung. Allerdings räumt er auch ein: „Menschen lieben Veränderung – meistens aber bei anderen. Bei sich selbst sind sie eher vorsichtig.“

Doch wüssten alle, dass SI ein Wachstumsprojekt sei. Zunächst einmal wird aber auch die neue Einheit einsparen müssen: Der Vorstandsvorsitzende des Siemens-Konzerns, Joe Kaeser, hat im Zuge der neuen Struktur 20 Prozent niedrigere Kosten in den sogenannten Support-Funktionen angekündigt.

Neike wollte sich vor dem Kapitalmarkttag im Mai nicht äußern, wie SI die Vorgabe erreichen will. Durch die Zusammenlegung von Energiemanagement und Gebäudetechnik gebe es aber organisatorische Überlappungen.

Neike hatte seine Karriere einst in der Mobilfunksparte von Siemens gestartet und war dann 16 Jahre bei Cisco.

Einige im Konzern können sich vorstellen, dass er einmal Vorstandschef wird – ob in zwei Jahren, wenn Kaeser voraussichtlich aufhört, oder später. Angesprochen auf mögliche CEO-Ambitionen sagt Neike, was man in solchen Fällen eben so sagt: „Das fragen Sie lieber den Aufsichtsrat. Ich bin absolut begeistert von der Aufgabe, die ich im Moment ausfülle.“

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