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Industriekonzern Siemens streicht mehr als 10.000 Jobs – und will neue an anderer Stelle aufbauen

Insgesamt will der Münchener Industriekonzern die Kosten um 2,2 Milliarden Euro senken. Die neuen Kerngeschäfte sollen wachsen.
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Der Siemens-Chef baut den Konzern radikal um. Quelle: dpa
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef baut den Konzern radikal um.

(Foto: dpa)

München Siemens will im Zuge seiner Neuordnung weltweit etwa 10.400 Arbeitsplätze streichen. Alle Maßnahmen sollten möglichst sozialverträglich erfolgen, teilte Siemens am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

In Deutschland gelten mit den Arbeitnehmern Vereinbarungen, die betriebsbedingte Kündigungen weitgehend ausschließen. Im Rahmen seiner Wachstumspläne will der neue Siemens-Konzern bis 2023 an anderer Stelle rund 20.500 neue Jobs schaffen. Der Konzern spricht daher von einem „Netto-Aufbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen“.

In seiner „Vision 2020+“ gibt Siemens-Chef Joe Kaeser den Geschäften deutlich mehr Eigenständigkeit. Daher war erwartet worden, dass vor allem die Zentrale deutlich verschlankt wird. Bis 2023 sollen nun 2.500 der insgesamt etwa 12.500 Stellen in den Zentralfunktionen abgebaut werden. Die Restrukturierungskosten bezifferte der Konzern auf etwa 400 Millionen Euro. Im neuen industriellen Kerngeschäft sollen zudem bei den Digitalen Industrien 4.900 Stellen und bei den Intelligenten Infrastrukturen 3.000 Stellen wegfallen.

Insgesamt sollen mit den Effizienzverbesserungen in der Zentrale und in den operativen Einheiten die Kosten um rund 2,2 Milliarden Euro gesenkt werden, teilte Siemens vor dem Kapitalmarkttag am Mittwoch mit. Dies beinhalte das Sparprogramm in der Kraftwerkssparte mit einem Volumen von 500 Millionen Euro. Bei den 10.400 Arbeitsplätzen, die gestrichen werden sollen, sind die Kürzungen bei „Gas and Power“ aber nicht mitgezählt.

Mit der „Vision 2020+“ hatte Kaeser dem Konzern einen radikalen Umbau verordnet. Die Digitalen Industrien und die Intelligente Infrastruktur sind künftig der industrielle Kern. Ihnen hatte Kaeser noch ehrgeizigere Renditevorgaben gemacht. Hinzu kommen die Mehrheitsbeteiligung an Healthineers und die Bahntechnik. Die Energiesparte soll dagegen samt der Mehrheit an Siemens Gamesa abgespalten und an die Börse gebracht werden.

Bei den Digitalen Industrien will Siemens künftig 25 Prozent schneller als der Markt wachsen. „Die Rentabilität wird beispielsweise durch die Integration zweier Divisionen, durch die Verbesserung interner Prozesse wie Logistik und vereinfachtes Controlling oder durch die verstärkte Nutzung des eigenen industriellen Softwareportfolios optimiert“, hieß es. Siemens ist Weltmarktführer bei Industriesoftware- und -automatisierung. Die Digitalen Industrien sollen künftig eine operative Umsatzrendite von 17 bis 23 Prozent erreichen.

Auch die Intelligenten Infrastrukturen als zweites Standbein kündigten einen „klaren Plan zur Wachstumssteigerung“ an. Ziel sei es, das Produktgeschäft insbesondere in Asien zu stärken. Zudem solle das Servicegeschäft ausgebaut werden.

Zudem wolle man die Aktivitäten in Zukunftsfeldern wie Infrastruktur für die Elektromobilität, dezentralen Energiesystemen, intelligenten Gebäuden und Energiespeichern ausweiten. „Dies soll zu einem jährlichen Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent über das gesamte Portfolio hinweg führen.“ Insgesamt wolle er durch beschleunigtes Wachstum und eine schlankere Aufstellung bis 2023 die Ergebnismarge auf 13 bis 15 Prozent steigern, sagte Vorstand Cedrik Neike.

Siemens-Chef Kaeser warb für den Umbau. „Wir fokussieren uns mit der ‚Vision 2020+‘ und machen unsere Geschäfte schneller und flexibler.“ Die Siemens-Geschäfte der nächsten Generation hätten andere Erfolgsmerkmale. „An die Stelle von Breite, Größe und Gleichschritt treten Fokus, Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit.“ Damit sichere man die Zukunftsfähigkeit der Geschäfte.

Die Arbeitnehmer unterstützten den Kurs weitgehend. „Wir stehen vor einer grundlegenden Transformation des Unternehmens“, sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn. „Wenn der Vorstand das Wachstumskonzept ernst meint, dann erwarten wir, dass die Kompetenzen der Mitarbeiter im Unternehmen gehalten und hinsichtlich Digitalisierung entwickelt beziehungsweise erweitert werden.“

Die Region Deutschland müsse von den Investitionen und Wachstumsprogrammen profitieren. „Ideenlose Abbauprogramme lehnen wir ab.“

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