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Industriekonzern Siemens will die Kraftwerkssparte an die Börse bringen

Siemens will sich künftig auf Digitale Industrien und Intelligente Infrastruktur konzentrieren. Der Konzern spaltet die kriselnde Energiesparte deshalb ab.
Update: 07.05.2019 - 20:16 Uhr Kommentieren
In Zeiten der Energiewende sind vor allem kleinere, dezentrale Lösungen gefragt. Quelle: dpa
Turbinenbau bei Siemens

In Zeiten der Energiewende sind vor allem kleinere, dezentrale Lösungen gefragt.

(Foto: dpa)

MünchenSiemens-Chef Joe Kaeser spaltet die kriselnde Kraftwerkssparte ab und bringt sie an die Börse. Der Münchener Industriekonzern will sich künftig ganz auf die Digitalen Industrien und die Intelligente Infrastruktur konzentrieren.

Damit setzt Kaeser zum Befreiungsschlag an. Investoren hatten seit Monaten eine Lösung für das Kraftwerksgeschäft gefordert.

Eine Börsennotierung für das neue Unternehmen wird bis September 2020 angestrebt. Siemens will die Mehrheit am neuen Unternehmen abgeben, aber als „starker Ankeraktionär“ engagiert bleiben. Der Anteil soll anfänglich bei etwas weniger als 50 Prozent liegen und „auf Sicht“ die Sperrminorität nicht unterschreiten.

Durch die Abspaltung entsteht ein neuer Energietechnikkonzern mit 30 Milliarden Euro Umsatz und 80.000 Mitarbeitern. Bundesweit sind laut IG Metall knapp 20 Standorte mit mehr als 20.000 Beschäftigten betroffen. Das neue Unternehmen soll seinen Sitz in Deutschland haben.

Der Aufsichtsrat stimmte dem radikalen Plan einstimmig zu. „Es ist richtig, notwendig und mutig, die geplanten Veränderungen anzustoßen, wenn es dem Unternehmen gut geht“, sagte Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe. Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn sagte, die Arbeitnehmer billigten den Plan und unterstützten „das Wachstumskonzept der Firmenleitung“.

Die Anteile an Siemens Gas and Power sollen im Rahmen eines Spin-Offs an die Aktionäre gegeben werden. Das Unternehmen erhalte „vollständige Unabhängigkeit und unternehmerische Freiheit“. Das Geschäft umfasst die Aktivitäten in den Bereichen Öl und Gas, konventionelle Energieerzeugung, Energieübertragung und die jeweiligen Servicegeschäfte. Siemens will zudem seine Mehrheitsbeteiligung am Windkraftspezialisten Siemens Gamesa in das neue Unternehmen einbringen.

Kaeser räumte ein: „Die Entscheidung wird Siemens grundlegend verändern.“ Ausruhen und Abwarten sei aber keine Option gewesen. „Wir wollen proaktiv bleiben.“ Wettbewerber, sagte er, hätten nicht mehr selbst gestalten können. Damit spielte er wohl auf den US-Konkurrenten General Electric (GE) an, der im vergangenen Jahr in eine tiefe Krise gestürzt war. Kaeser ist überzeugt, dass fokussierte Spezialisten bessere Chancen haben als breitaufgestellte Mischkonzerne traditioneller Art.

Der Konzern sieht sich als neuen Energietechnik-Riesen zukunftsfähig aufgestellt. „Durch die Unabhängigkeit können wir unsere Position der Stärke effizienter nutzen, um unsere Kunden in sich wandelnden Energiemärkten zu unterstützen“, sagte Lisa Davis, die die neue Einheit führt.

Kaeser: Bedeutung der Elektrifizierung wird steigen

Als einziges Unternehmen verfüge Siemens Gas und Power über „ein Portfolio entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette“, von der Energieerzeugung bis zur Übertragung, von den konventionellen bis zu den erneuerbaren Energien. Die Eigenständigkeit gebe der Einheit mehr Freiheit und Flexibilität. Zudem habe man nun die volle Kostenkontrolle. „In Zukunft werden wir sicherstellen, dass jeder Euro, den wir ausgeben, direkt den Stakeholdern zu Gute kommt.“

Kaeser betonte, die Bedeutung der Elektrifizierung werde in den kommenden Jahren weltweit noch steigen. Das neue Unternehmen habe die Chance, moderat um zwei bis drei Prozent zu wachsen und eine operative Umsatzrendite von acht bis zwölf Prozent zu erreichen. „Das sind ambitionierte Ziele, aber wir halten sie für machbar.“ Siemens werde ein starker Ankeraktionär sein.

Aufsichtsrat Jürgen Kerner, Hauptkassierer bei der IG Metall, sagte, den Arbeitnehmern sei die Entscheidung für die Ausgliederung nicht leicht gefallen. „Der Bereich gehört zu den Kernbereichen von Siemens, aber eine Wachstumsstrategie unter Siemens ist trotzdem nicht umsetzbar – wir brauchen eine langfristige Zukunftsstrategie.“ Es entstehe „ein Unternehmen, das trotz mancher Unwägbarkeiten insgesamt die besseren Perspektiven für die Beschäftigten“ biete.

Kaeser hat den Konzern mit seiner „Vision 2020+“ radikal umgebaut. An der Börse wurden die Maßnahmen bislang aber nur wenig honoriert. Mit der Trennung vom Energiegeschäft steigt Siemens nun mehrheitlich aus einem weiteren Traditionsgeschäft aus – wie vor etlichen Jahren bereits aus der Telekommunikation.

Siemens hatte lange auf große Gasturbinen gesetzt. In der Energiewende sind aber vor allem kleine, dezentrale Lösungen gefragt. Daher hatte die Marktkrise die Siemens-Sparte in den vergangenen Jahren schwer getroffen.

Mit der Entscheidung, die Sparte auszugliedern, spaltet sich Siemens weiter auf. Kaeser hat bereits die Medizintechnik unter dem Namen Healthineers an die Börse gebracht. Es folgte die Windkraft über die Fusion mit dem Konkurrenten Gamesa.

An beiden Unternehmen hält Siemens aber derzeit die Mehrheit. Ob man nicht doch inzwischen von einer Zerschlagung des deutschen Traditionskonzerns Siemens sprechen könne? „Wir zerschlagen nicht, wir schaffen neue Unternehmen“, antwortete der Vorstandschef in einer Telefonkonferenz.

Durch die jüngste Entscheidung wird Siemens rund 30 Milliarden Euro Umsatz verlieren, schließlich soll die Mehrheit an dem Energiegeschäft abgegeben werden. Im vergangenen Jahr hatte der Gesamtkonzern rund 83 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Offen ist nun, wie es langfristig mit der Bahntechnik weitergeht. Siemens hatte das Geschäft über eine Fusion mit dem Konkurrenten Alstom nach dem Vorbild von Siemens Gamesa an die Börse bringen wollen. Doch das Projekt scheiterte am Widerstand der Wettbewerbshüter. Kaeser sagte lediglich: „Mobility soll als Wachstumsgeschäft weiter gestärkt werden.“ Siemens habe „erstklassige Optionen“.

In der Vergangenheit war spekuliert werden, dass Siemens die Bahntechnik auch ohne Alstom an die Börse bringen könnte. Das Geschäft hatte sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. 2017/18 kam die Division auf eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent bei Umsätzen von 8,8 Milliarden Euro.

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