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Industriekonzern Thyssen-Krupp baut neuen Testturm für Aufzüge in den USA

In Atlanta baut Thyssen-Krupp seinen dritten Testturm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge. Die Region ist begeistert – der Konzern hofft auf neue Aufträge.
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Für rund 130 Millionen US-Dollar baut Thyssen-Krupp Elevator eine neue Zentrale in den USA: Hauptbestandteil ist ein rund 130 Meter hoher Turm, in dem der Konzern Hochgeschwindigkeitsaufzüge testen will. Quelle: Pressefoto
Geplanter Testturm in Atlanta

Für rund 130 Millionen US-Dollar baut Thyssen-Krupp Elevator eine neue Zentrale in den USA: Hauptbestandteil ist ein rund 130 Meter hoher Turm, in dem der Konzern Hochgeschwindigkeitsaufzüge testen will.

(Foto: Pressefoto)

DüsseldorfEr schlängelt sich rund 250 Meter in die Luft, ist fast komplett in Stoff gehüllt – und vollgestopft mit modernster Technologie: Als der Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp im vergangenen Jahr seinen ersten Testturm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge in Baden-Württemberg eröffnete, bekam der von den Ortsansässigen schnell den klangvollen Beinamen „der Riese von Rottweil“.

Heute ist der Turm eine echte Touristenattraktion geworden – und bekommt nun einen kleinen Bruder in den USA. Wie das Unternehmen dem Handelsblatt am Freitag vorab mitteilte, plant Thyssen-Krupp den Bau eines weiteren Testturms in der US-Großstadt Atlanta im Bundesstaat Georgia. Dort soll auch der neue Hauptsitz des Geschäftsbereichs Thyssen-Krupp Elevator in den USA entstehen.

Es ist der dritte Testturm seiner Art, nachdem Thyssen-Krupp im März ein zweites Exemplar in Zhongshan City in der chinesischen Provinz Guangdong in Betrieb genommen hat. Andreas Schierenbeck, Vorstandsvorsitzender von Thyssen-Krupp Elevator, erklärte am Donnerstag: „Nach den spektakuläreren Hochgeschwindigkeitstesttürmen in Deutschland und China ist Atlanta nun unser drittes Labor für Zukunftstechnologien mit dem Potenzial, die Aufzugsbranche zu revolutionieren.“ Wichtig seien dabei vor allem die engen Beziehungen zu Universitäten in der Region, so Schierenbeck.

Für Thyssen-Krupp ist die Aufzugssparte nach der geplanten Auslagerung des Stahlgeschäfts in ein Joint Venture mit Tata Steel Europe der wohl wichtigste Geschäftszweig. Zwar trug der Bereich im Geschäftsjahr 2016/17 kaum ein Fünftel zum Gesamtumsatz von rund 41,5 Milliarden Euro bei. Dafür ist er im internen Vergleich hochprofitabel: Mehr als 48 Prozent des bereinigten Ebit von zuletzt 1,9 Milliarden Euro verdiente Thyssen-Krupp mit dem Verkauf und der Wartung von Aufzügen.

Die Sparte ist so lukrativ, dass mancher Aktionär des Industriekonzerns sogar fordert, sie auszulagern und an die Börse zu bringen. Das Interesse dürfte groß sein: Vor zwei Jahren gab es offenbar Gespräche über eine Fusion mit dem finnischen Konkurrenten Kone.

Der US-Markt ist für Thyssen-Krupp sehr wichtig

Doch sowohl Vorstandschef Heinrich Hiesinger als auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hatten sich solchen Plänen stets verweigert. Nun sind beide weg. Ob eine neue Führung die Pläne wieder aufgreifen wird, ist unklar.

Dass nach der chinesischen nun auch die US-Division bald über einen eigenen Testturm verfügt, hat indes mit der Wichtigkeit des Marktes für den Konzern zu tun. Denn einen großen Teil der Erlöse erzielt Thyssen-Krupp Elevator in den USA, rund 30 bis 40 Prozent.

Als Leuchtturm-Projekt gelten die Thyssen-Krupp-Aufzüge im New Yorker One World Trade Center: Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 37 Kilometern pro Stunde sind sie die schnellsten des Landes. Auch der neue Testturm in Atlanta verspricht, Rekorde zu brechen: Obwohl er mit einer Größe von rund 130 Metern deutlich kleiner ist als die beiden Schwestertürme in Rottweil und Zhongshan City, werde er voraussichtlich der höchste seiner Art in den USA werden, so eine Sprecherin.

Entsprechend begeistert zeigte sich auch der republikanische Gouverneur des US-Bundesstaats Georgia, Nathan Dean: „Wir sind sehr erfreut, dass sich Thyssen-Krupp Elevator für Atlanta als Standort für den neuen Hauptsitz und den Testturm in Amerika entschieden hat.“ Der Bau der neuen Kapazitäten sei ein großer Gewinn für den Bundesstaat.

Insgesamt investiert Thyssen-Krupp rund 130 Millionen Dollar für den Bau. Anfang 2022 soll der Standort fertiggestellt werden. Etwa 900 Mitarbeiter sollen dann in Atlanta beschäftigt werden. Rund 15.000 Mitarbeiter zählt Thyssen-Krupp Elevator derzeit in Nordamerika.

Dass sich der Konzern für Atlanta als neuen Standort entschieden hat, ist kein Zufall. Bereits seit mehr als fünf Jahren arbeiten die Essener eng mit der dortigen Georgia Tech University zusammen, wo Thyssen-Krupp Elevator ein eigenes Forschungs- und Innovationszentrum betreibt.

Vor allem im Bereich Robotik sei die Zusammenarbeit sehr erfolgreich, teilte Thyssen-Krupp auf Anfrage mit. Künftig wolle das Unternehmen die Kooperation auf allen Ebenen noch weiter intensivieren. „Nicht zuletzt bauen wir in Atlanta mit dem Testturm auch Personal auf und hoffen, dass unter den Bewerbern auch Absolventen der Georgia Tech University sind.“

Während der Turm in Rottweil nahezu konkurrenzlos die Skyline des 25.000-Einwohner-Orts dominiert, gibt es in der US-Metropole mit einer halben Million Einwohnern einen starken architektonischen Wettbewerber in direkter Nachbarschaft. Quelle: Pressefoto
Entwurf für den Testturm in Atlanta

Während der Turm in Rottweil nahezu konkurrenzlos die Skyline des 25.000-Einwohner-Orts dominiert, gibt es in der US-Metropole mit einer halben Million Einwohnern einen starken architektonischen Wettbewerber in direkter Nachbarschaft.

(Foto: Pressefoto)

Mit dem seillosen Aufzug „Multi“, der dank Magnettechnologie kreuz und quer durch Gebäude fahren kann, hatte Thyssen-Krupp Elevator zuletzt eine vielversprechende Innovation in der Branche vorgestellt. Die Idee basiert auf der Technik der Magnetbahn Transrapid – und ermöglicht es Architekten, Hochhäuser ohne einen zentralen Schacht auf eine völlig neue Art zu konzipieren.

Erster Kunde ist der niederländische Immobilienentwickler OVG Real Estate, der den „Multi“ im Projekt „East Side Tower“ in Berlin-Friedrichshain einbauen lässt. Doch auch in den USA soll der Aufzug bald vermehrt Absatz finden. „Wir verzeichnen eine hohe Nachfrage von erfreulich vielen Architekten aus der ganzen Welt“, sagte eine Sprecherin.

Der Turm hat architektonische Konkurrenz

Ein Testexemplar soll auch im neuen Turm in Atlanta verbaut werden – ebenso wie das Aufzugmodell „Twin“, das den Betrieb von zwei Kabinen pro Schacht ermöglicht. Insgesamt 18 Schächte soll der Testturm enthalten. „Das bietet uns alle Möglichkeiten, neue Konzepte und Produkte zu testen und auch zertifizieren zu lassen“, hieß es. „Außerdem können im Testturm auch präzise Prüfungen im Hinblick auf die strengen Sicherheitsanforderungen durchgeführt werden.“

Einen „Twin“ gibt es in den USA übrigens schon – und zwar im Coda Building der Georgia Tech University.

„Das Weltwunder von Rottweil“
Lösungen für Megacitys
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Bis ins Jahr 2050 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Gebäude schießen deshalb in die Höhe. Anders ist der steigende Platzbedarf in den Megacitys der Welt gar nicht zu bewältigen. Nach einem Bericht des McKinsey Global Institute steigt die Geschossfläche von Gebäuden dadurch allein bis 2025 um schätzungsweise 85 Prozent. Die Menschen möglichst effizient von A nach B zu bringen, ist eine bauliche Herausforderung. Die Lösungen dazu entstehen ab 2016 in Rottweil – im Testturm von Thyssen-Krupp.

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Wachablösung nach 700 Jahren
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Unmittelbare Auswirkungen hat das für den Kapellenturm in Rottweil. Das mittelalterliche Bauwerk entzückt schon seit Jahrhunderten kulturhistorischer Besucher in der ältesten Stadt Baden-Württembergs – zudem war der 70 Meter hohe gotische Kirchturm gut 700 Jahre lang das höchste Gebäude der Stadt. Doch diesen Rekord ist er los.

(Foto: dpa/picture-alliance)
Der Testturm überragt alles
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Die Ausnahmestellung ist dahin, weil Thyssen-Krupp in einem Industriegebiet am Rande der Stadt einen 246 Meter hohen Testturm gebaut hat, der alles überragt.

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40 Millionen für den Testturm
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In dem Riesenzylinder will der Industriekonzern seine modernsten Aufzüge testen, um damit im Konkurrenzkampf mit Otis, Schindler oder Kone punkten. 40 Millionen Euro hat Thyssen-Krupp in den Bau seines derzeit größten Testturms rund 90 Kilometer südlich von Stuttgart investiert. Am Montag, 12. Dezember, nahm das Unternehmen offiziell den Forschungsbetrieb auf

(Foto: dpa/picture-alliance)
Thyssens Ertragsperle
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Der Essener Traditionskonzern gehört zu den großen Aufzugsherstellern der Welt: Rund 7,2 Milliarden Euro setzte die Sparte zuletzt um und ist mit einer Marge in zweistelliger Höhe die Ertragsperle des Konzerns. Sie steuerte mit einem operativen Ergebnis von 860 Millionen Euro zuletzt mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei. Bis spätestens 2020 soll die Sparte die Marke von einer Milliarden Euro knacken.

(Foto: dpa/picture-alliance)
Neun Aufzugsschächte für Tests
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In Rottweil kann Thyssen Krupp seine Aufzüge unter ganz realen Bedingungen überprüfen. Zwölf Schächte sind in dem Testturm eingebaut, davon werden neun für die Tests mit Aufzügen benutzt, deren Höchstgeschwindigkeit 64,8 Kilometer pro Stunde beträgt. Herzstück des Rundturms ist ein aktiver Schwingungstilger – ein 240 Tonnen schwerer Betonblock, der an vier Doppelseilen in 190 Metern Höhe hängt. Dieser Block soll die vom Wind ausgelösten Schwingungen ausgleichen. Gleichzeitig kann er über Motoren aber so aktiviert werden, dass er das Gebäude selbst in Schwingungen versetzt. „Damit können wir das Verhalten eines jeden Gebäudes simulieren, bevor es gebaut wird“, sagte Andreas Schierenbeck, Chef von Thyssen-Krupp Elevator

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Aufzüge mit elektromagnetischem Antrieb
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Gleich drei Schächte sind für den „Multi“ reserviert. Bei dem neuen Aufzugskonzept wird auf ein Seil verzichtet, stattdessen bewegt sich der Multi dank eines elektromagnetischen Antriebs. Entlehnt ist das Prinzip aus dem Transrapid, den Thyssen-Krupp zusammen mit Siemens entwickelt hat. Angetrieben von eigenen Motoren können gleich mehrere Kabinen in einem Schacht computergesteuert auf- und abfahren. Der Aufzug fährt nicht nur vertikal sondern kann sich auch seitwärts über mehrere Schächte hinweg bewegen oder Gebäude miteinander verbinden. Bis zu 50 Prozent weniger Fläche erhofft sich Schierenbeck — bei deutlich höheren Kapazitäten.

(Foto: dpa)

Ob sich der Turm in Atlanta indes ebenso zu einer Touristenattraktion entwickeln wird wie der große Bruder in Deutschland, muss sich zeigen. Denn während der Turm in Rottweil nahezu konkurrenzlos die Skyline des 25.000-Einwohner-Orts dominiert, gibt es in der US-Metropole mit einer halben Million Einwohnern einen starken architektonischen Wettbewerber in direkter Nachbarschaft: das Baseball-Stadion der Atlanta Braves.

Von Neid ist dort allerdings bisher nichts zu spüren. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass das Gelände, auf dem Thyssen-Krupp baut, der Atlanta Braves Development Company gehört. Und deren CEO Mike Plant erklärte frei heraus: „Der neue Testturm wird die Skyline von Atlanta verändern. Und etwas schaffen, auf das die Region stolz sein kann.“ So wie die Rottweiler auf ihren Riesen.

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