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Industriekonzern Thyssen-Krupp-Finanzchef schließt Staatsbeteiligung bei Stahl aus – Gewerkschaft empört

Der Konzern hält den Wirtschaftsstabilisierungsfonds für nicht geeignet, um den Stahlbereich zu unterstützen. Die IG Metall verweist auf andere Möglichkeiten.
11.12.2020 Update: 11.12.2020 - 20:05 Uhr Kommentieren
Thyssen-Krupp steht bei der Sanierung des Stahlgeschäfts unter Zeitdruck. Quelle: Imago
Stahlwerk

Thyssen-Krupp steht bei der Sanierung des Stahlgeschäfts unter Zeitdruck.

(Foto: Imago)

Essen Bei Thyssen-Krupp zeichnet sich ein schwerer Konflikt zwischen der Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretern um eine Beteiligung des Staates an der Stahlsparte des angeschlagenen Konzerns ab. Die IG Metall reagierte empört auf die Absage des Konzernvorstands an einen Einstieg des Staates.

Er halte das Nein für „unverantwortlich“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner. „Wir werden einen Staatseinstieg weiter mit Hochdruck verfolgen.“ Kerner ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG.

Thyssen-Krupp-Finanzvorstand Klaus Keysberg hatte der „Rheinischen Post“ (Samstag) gesagt: „Das Thema staatliche Beteiligung ist vom Tisch.“ Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds sei nicht das geeignete Mittel, um den Stahlbereich in der aktuellen Situation mit Eigenkapital zu unterstützen.

„In unserem Fall wäre eine solche Beteiligung aufgrund der Zinszahlungen und der Rückzahlungsmodalitäten mit so hohen Kosten für das Unternehmen verbunden, dass durch die zusätzliche Belastung die Zukunftsfähigkeit des Stahls ernsthaft gefährdet würde.“ Thyssen-Krupp hatte im vergangenen Geschäftsjahr mit der Stahlproduktion einen Verlust von fast einer Milliarde Euro gemacht.

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    Die Gewerkschaft warf dem Management vor, nicht alle Möglichkeiten für staatliche Hilfe ausgelotet zu haben. „Es gibt nicht nur den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, auch andere Lösungen sind möglich. Warum nicht eine echte Beteiligung des Landes NRW an Thyssen-Krupp Steel?“, sagte Kerner. Er verwies auf Niedersachsen, wo das Land am Stahlproduzenten Salzgitter beteiligt ist. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die NRW-Landesregierung hatten eine Beteiligung des Staats an Thyssen-Krupp wiederholt abgelehnt.

    Der Essener Konzern steht bei der Sanierung des Stahlgeschäfts unter Zeitdruck. Bis März soll nach Angaben von Konzernchefin Martina Merz entschieden werden, wie es mit dem Kernbereich des Unternehmens weitergeht. Thyssen-Krupp liegt ein Kaufangebot des britischen Konzerns Liberty Steel vor. Das sei eine „ernstzunehmende Option“. Alternativen mit anderen potenziellen Partnern hätten sich „zum jetzigen Zeitpunkt nicht hinreichend konkretisiert“, sagte Keysberg.

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    Ein Alleingang beim Stahl sei weiter eine Option. „Es geht uns nicht darum, den Stahl loszuwerden“, sagte Keysberg. Dann seien aber weitere Einsparungen erforderlich, „um den Stahlbereich sehr zeitnah wieder in die Spur zu bringen“. Bislang sollen im Stahlbereich von Thyssen-Krupp 3000 Stellen abgebaut werden.

    Die Arbeitnehmervertreter pochen auf einen im vergangenen Jahr abgeschlossenen Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 ausschließt. „Wir fordern die konsequente Vertragstreue, also die Freigabe dringend benötigter Investitionen in unsere Anlagen und Standorte ebenso wie die Einhaltung der Beschäftigungssicherung. Alles andere ruft unseren Widerstand hervor“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Thyssen-Krupp Steel, Tekin Nasikkol.

    Mehr: Thyssen-Krupp muss Milliarden auf Stahlsparte abschreiben

    • dpa
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