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Industriekonzern Thyssen-Krupp schließt betriebsbedingte Kündigungen für Stahlkocher vorerst aus

Bis zum Jahresende sind Jobs und Standorte der Stahlsparte von Thyssen-Krupp sicher. Für die Zeit danach gibt sich die IG Metall kämpferisch.
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Der Industriekonzern hatte angekündigt, 6000 Stellen abzubauen. Quelle: dpa
Unternehmenszentrale von Thyssen-Krupp

Der Industriekonzern hatte angekündigt, 6000 Stellen abzubauen.

(Foto: dpa)

DuisburgDer Ort war nicht zufällig gewählt: In Duisburg-Rheinhausen, wo vor mehr als 30 Jahren Zehntausende Krupp-Stahlkocher gegen die Schließung ihres Werks protestierten, trafen sich am Dienstag die auch Betriebsräte des Nachfolgeunternehmens – der Stahlsparte von Thyssen-Krupp.

Es war das erste große Zusammentreffen nach dem großen Knall. Nur wenige Tage zuvor hatte Vorstandschef Guido Kerkhoff wegen des Scheiterns der Stahlfusion mit dem Konkurrenten Tata Steel Europe auch seine Teilungspläne für das Industriekonglomerat abgeblasen. 6000 Jobs sollen nun in den kommenden drei Jahren wegfallen, während Thyssen-Krupp zur reinen Holding umgebaut wird.

Besonders bitter war für die Arbeitnehmer die Nachricht, dass anders als bei früheren Umbauplänen diesmal wohl auch Kündigungen anstehen. Doch zumindest für die Stahlsparte konnten IG Metall und Betriebsräte eine kleine Erfolgsmeldung verbuchen: Bis zum Jahresende sind alle Jobs und Standorte im Traditionsgeschäft gesichert.

Noch am Montagabend hatten die Gewerkschafter um NRW-Bezirksleiter Knut Giesler und Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikkol mit dem Vorstand eine Zusatzvereinbarung geschlossen, derzufolge betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind, bis das Management eine neue Strategie für die zuletzt schwächelnde Sparte vorgelegt hat – oder aber bis zum 31. Dezember.

„Jetzt ist der Vorstand gefordert“, sagte Nasikkol bei dem Betriebsrätetreffen. „Ein neues Zukunftskonzept muss bis Ende des Jahres her. Dazu wird es einen neuen Tarifvertrag geben.“ Dabei sei klar, dass den Arbeitnehmern nichts geschenkt werde, so der Betriebsratschef.

Für ihre Zustimmung zum geplanten Joint Ventures mit Tata Steel Europe hatte die IG Metall seinerzeit umfangreiche Job- und Standortgarantien bis 2026 ausgehandelt, die mit der geplatzten Fusion hinfällig sind. Betriebsbedingte Kündigungen will die Gewerkschaft allerdings auch in Zukunft nicht akzeptieren.

So erklärte IG Metall-Bezirksleiter Giesler: „Betriebsbedingte Kündigungen im Stahl sind eine unumstößliche rote Linie.“ Für den Fall, dass der Vorstand diese überschreiten wolle, kündigte Nasikkol „harte und lange Auseinandersetzungen“ an.

Vorstandschef Kerkhoff indes reagiert gelassen auf die Forderungen. „Diese Erklärungen sind ein normaler Vorgang“, sagte der Manager in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Wenn die Arbeitnehmer wirklich dagegen wären, würden sie Fahnen schwenken.“

Zuletzt lief das Stahlgeschäft für Thyssen-Krupp nach einigen starken Jahren wieder spürbar schlechter. Das vergangene Quartal schloss die Sparte das erste Halbjahr mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern von 84 Millionen Euro ab. Die Stahlindustrie leidet derzeit an der schwachen Autokonjunktur, in Duisburg kam noch Niedrigwasser hinzu.

Nach der geplatzten Tata-Fusion bekommt der Stahl bei Thyssen-Krupp nun wieder ein größeres Gewicht. „Bei der aktuellen Haltung der EU-Kommission sehe ich da keine Möglichkeiten für große Zusammenschlüsse“, hatte Kerkhoff am Wochenende im Handelsblatt-Interview erklärt. „Deshalb werden wir da in einer Mehrheitsposition bleiben.“

Ähnlich äußerte sich nun auch Knut Giesler: „Die Politik, die EU und das Kartellamt müssen sich überlegen, ob das der richtige Weg ist, um europäische Champions zu formen.“ Auch nach der Fusion wäre Thyssen-Krupp Tata Steel nur der zweitgrößte Hersteller in Europa gewesen, so der Gewerkschafter.

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