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Industriekonzern Thyssen-Krupp senkt die Prognose – Aktie stark unter Druck

Thyssen-Krupp korrigiert seine Jahresprognose: Die Anlagenbau-Sparte verfehlt ihre Ziele. Die Nachricht kommt in einer Zeit größter Unsicherheit für den Konzern.
31.07.2018 Update: 01.08.2018 - 10:13 Uhr Kommentieren
Cevian will Thyssen-Krupp aufspalten – und erhöht den Druck Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Für das Geschäftsjahr 2017/18 grenzte der Industriekonzern seine Prognose nach einer Überprüfung des Projektportfolios bei der Sparte Industrial Solutions ein.

(Foto: dpa)

Wuppertal Während der Aufsichtsrat des Essener Industriekonzerns derzeit noch erfolglos nach einem Nachfolger für den am Dienstag ausscheidenden Chef-Aufseher Ulrich Lehner sucht, muss Vorstandschef Guido Kerkhoff den Anlegern weitere schlechte Nachrichten überbringen: Am Dienstagabend teilte der Konzern in einer Ad-hoc-Meldung mit, dass das bereinigte Ebit für das laufende Geschäftsjahr nur noch bei 1,8 Milliarden Euro liegen wird. Zuvor prognostiziert wurden 1,8 bis zwei Milliarden Euro. Die Aktie fiel zum Handelsstart am Mittwoch zeitweise um mehr als vier Prozent.

Der erwartete Rückgang geht vor allem auf schlechtere Ergebnisse der Anlagenbau-Sparte zurück, die im dritten Quartal – anders als erwartet – wohl ein negatives bereinigtes Ebit von rund 220 Millionen Euro erzielen wird. Verantwortlich dafür seien vor allem höhere Gesamtkosten bei verschiedenen Großprojekten, erklärte das Unternehmen – darunter bei einem Marineprojekt in der Türkei, einer Zement-Anlage in Saudi-Arabien sowie bei einem Bio-Heizkraftwerk in Australien.

Neben den gestiegenen Kosten sorgt gleichzeitig auch der sinkende Umsatz der Sparte für das negative Ergebnis. So sei auch der Auftragseingang unter den Erwartungen geblieben. Schon bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des vergangenen Quartals im Mai hatten zahlreiche Analysten das schlechte Abschneiden des Geschäftsbereichs kritisiert. Damals schrieb der Anlagenbau einen Verlust von elf Millionen Euro (bereinigtes Ebit).

Auch im dritten Quartal wäre das Ergebnis der Sparte ohne die gestiegenen Kosten wohl im niedrigen zweistelligen Millionenbereich negativ ausgefallen, hieß es am Dienstagabend von Thyssen-Krupp. Die verschlechterte Auftragslage führen die Essener vor allem auf Unsicherheiten in den Zielmärkten zurück. Die endgültigen Zahlen gibt der Konzern am Donnerstag in der kommenden Woche bekannt.

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    Für das Gesamtjahr rechnet Thyssen-Krupp indes weiter mit einem Jahresüberschuss, der „trotz dieser Entwicklungen signifikant besser ausfallen“ soll als im Vorjahr, so die Mitteilung. Im Geschäftsjahr 2016/17 betrug der Wert rund 271 Millionen Euro.

    Leiden dürften aber vor allem die Barmittel des Konzerns: So soll der Free Cashflow, also die Summe aller Mittel, die nach den Ausgaben für den Betrieb und Investitionen übrig bleiben, deutlich unter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben.

    Prognostiziert wurde hier ursprünglich ein Plus, nachdem der Free Cashflow (vor Übernahmen und Verkäufen) im abgelaufenen Geschäftsjahr mit minus 855 Millionen Euro tiefrot ausfiel. Thyssen-Krupp kündigte nun an, dass der Wert im laufenden Jahr zwar deutlich besser, aber immer noch negativ ausfallen wird.

    Schon im Juni hatte es aus Unternehmenskreisen geheißen, dass der Konzern eine Abspaltung seines Werftengeschäfts prüft, nachdem die Bundesregierung entschied, Thyssen-Krupp nicht am Bau des Mehrzweckkampfschiffs MKS 180 zu beteiligen. Dem Konzern ging dadurch ein Umsatz in Höhe von 3,5 Milliarden Euro verloren.

    Restrukturierung geplant

    Vorstandschef Guido Kerkhoff, der den Posten interimsweise vom vorherigen Vorstandschef Heinrich Hiesinger übernommen hatte, sagte am Dienstag: „Die Ergebnisse unserer Analyse bei Industrial Solutions sind alles andere als zufriedenstellend.“ Zudem setzte er eine Restrukturierung auf die Agenda: „Die Aufstellung des Anlagenbaus muss an die veränderten Marktbedingungen angepasst werden, um einen Turnaround zu schaffen und endlich wieder wettbewerbsfähig zu werden.“

    Demnach soll der Fokus der Sparte gezielt auf mittlere und kleine Projekte gelegt und stärker auf das Service-Geschäft mit Wartungen und Instandhaltungen ausgerichtet werden, weil dort höhere Margen erzielt werden. „Es gilt, Kosten und Komplexität zu verringern, die Effizienz, Flexibilität und Qualität in der Auftragsabwicklung zu verbessern“, hieß es.

    Die Korrektur der Prognose erwischt Thyssen-Krupp in einer Zeit der Unsicherheit: Nicht nur muss der Aufsichtsrat einen Nachfolger für den ehemaligen Vorsitzenden Ulrich Lehner finden.

    Mit René Obermann hat auch ein weiteres Mitglied seinen Rückzug aus dem Aufsichtsgremium angekündigt. Erst wenn die beiden Posten neu besetzt werden, kann sich der Aufsichtsrat auf die Suche nach einem Nachfolger für Kerkhoff machen, der das Amt des Vorstandschefs nur vorübergehend übernehmen soll.

    Gleichzeitig herrscht Unsicherheit über die weitere Strategie. Während die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat mehrheitlich darauf drängen, den Konzern als Einheit zu erhalten, fordert etwa der Großaktionär Cevian, dem 18 Prozent des Unternehmens gehören, mehr Flexibilität und Unabhängigkeit für die einzelnen Sparten.

    So erklärte Cevian-Gründer Lars Förberg zuletzt nach Hiesingers Rücktritt: „Um in Zukunft dauerhaft erfolgreich zu sein, müssen die Geschäftssparten von Thyssen-Krupp fokussiert, unternehmerisch und effizient aufgestellt werden – flexibel und frei von unverhältnismäßig hohen Kosten und Bürokratie.“ Die Diskussion dürfte angesichts der anhaltend schlechten Ergebnisse der Industriegüter-Sparte nun zunehmen.

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