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Industriekonzern Thyssen-Krupp verzeichnet Verluste – die Blitzanalyse

Update: 14.05.2019 - 08:53 Uhr Kommentieren
Thyssen-Krupp hat am vergangenen Freitag sowohl die geplante Stahlfusion mit Tata Steel als auch die vorgesehene Aufteilung des Konzerns abgesagt. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Thyssen-Krupp hat am vergangenen Freitag sowohl die geplante Stahlfusion mit Tata Steel als auch die vorgesehene Aufteilung des Konzerns abgesagt.

(Foto: dpa)

EssenDer Essener Industriekonzern hat nach einem turbulenten Strategieschwenk am Dienstag seine Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Der Ruhrkonzern schließt das zweite Quartal mit einem Fehlbetrag von 86 Millionen Euro ab.
  • Auch der Free Cashflow vor Zukäufen und Übernahmen hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert und sank von minus 1,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2017/18 auf nun minus 2,5 Milliarden Euro.
  • Deutlich schlechter lief es auch im Stahlgeschäft: Vor Zinsen und Steuern erzielte die Sparte im ersten Halbjahr einen Verlust von minus 84 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Sparte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Betriebsgewinn von 359 Millionen Euro erzielt.

Das fällt positiv auf:

Das Aufzugsgeschäft bleibt weiterhin der größte Gewinnbringer im Konzern. Mit einem Betriebsergebnis von 388 Millionen Euro im ersten Halbjahr konnte die Sparte Elevator Technologies ihren Gewinn trotz des schlechteren wirtschaftlichen Umfelds sogar leicht steigern (Vorjahr: 368 Millionen Euro).

Am Freitag hatte Vorstandschef Guido Kerkhoff angekündigt, die geplante Teilung von Thyssen-Krupp sowie das Stahl-Joint-Venture mit dem Konkurrenten Tata Steel Europe abzusagen. Für die strategische Neuausrichtung des Konzerns ist eine gesunde Aufzugsparte essenziell: Elevator Technology soll im Rahmen des Umbaus an die Börse. Mit dem Erlös will Kerkhoff Restrukturierungsmaßnahmen und Wachstumsinvestitionen in anderen Geschäftsbereichen finanzieren.

Gleichzeitig ist die Aufzugsparte auch der Bereich, der derzeit am stärksten wächst. So stieg der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten des Jahres von 3,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4,1 Milliarden Euro. Im Falle eines Börsengangs muss sich der Ruhrkonzern die Gewinnausschüttung von Elevator Technology mit anderen Investoren teilen. Experten schätzen den Wert des Geschäfts auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

Das fällt negativ auf:

Nach mehreren starken Quartalen mit deutlich positiven Ergebnissen entwickelt sich die Stahlsparte nun wieder zum Sorgenkind. Das liegt einerseits am sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfeld, aber auch am Niedrigwasser im Rhein. Auch gestiegene Personalkosten macht der Konzern für das schlechtere Betriebsergebnis von minus 84 Millionen Euro verantwortlich: Anfang des Jahres hatte der Arbeitgeberverband Stahl sich mit der IG Metall unter anderem auf eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent verständigt.

Eigentlich wollte Kerkhoff die Sparte Steel Europe in ein Joint Venture mit Tata Steel Europe auslagern. Doch am Freitag hatten die beiden Unternehmen mitgeteilt, dass sich der Deal angesichts der geforderten Zugeständnisse von der EU-Wettbewerbskommission nicht mehr rechne.

Nun muss der Manager das Geschäft selbst weiterentwickeln. Es sei abzusehen, dass Thyssen-Krupp bei der jetzigen Haltung der EU dauerhaft am Stahlgeschäft beteiligt bleibe, hatte Kerkhoff am Wochenende im Interview mit dem Handelsblatt gesagt.

Für die nun angekündigte strategische Neuausrichtung, im Rahmen derer der Ruhrkonzern von einem integrierten Industriekonglomerat zu einer schlanken Holding umgebaut werden soll, ist das schlechtere Abschneiden des Stahlgeschäfts eine schwere Hypothek.

Denn Stahl und auch der Materialhandel sollen die neuen Kerngeschäfte von Thyssen-Krupp werden. Doch auch der Werkstoffhandel ist leicht rückläufig: Hier sank der Umsatz um fast 100 Millionen auf nunmehr rund 7,1 Milliarden Euro.

So geht es jetzt weiter:

Noch muss der Aufsichtsrat den geplanten Konzernumbau genehmigen. Am 21. Mai kommen die Kontrolleure zusammen, um über die Strategie zu beraten. Ein positives Votum ist allerdings sehr wahrscheinlich: Mit Aufsichtsratschefin Martina Merz sowie der Kuratoriumsvorsitzenden der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, Cevian-Vertreter Jens Tischendorf sowie IG-Metall-Sekretär Markus Grolms haben die wichtigsten Kontrolleure bereits zugestimmt.

Für die Belegschaft bedeuten die Schritte zunächst einmal spürbare Einschnitte. Rund 6000 Jobs sollen in den kommenden zwei Jahren wegfallen, auch um die Kosten in der Essener Zentrale zu senken. Als Ziel hat der Vorstand am Freitag eine Senkung der jährlichen Verwaltungskosten auf unter 200 Millionen Euro ausgegeben. Die nun vorgelegten Zahlen verdeutlichen, wie ambitioniert das Ziel ist: Allein im ersten Halbjahr 2018/19 lag der Wert bereits bei 175 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr rechnet Kerkhoff mit einem bereinigten Betriebsgewinn zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,4 Milliarden Euro). Der Free Cashflow vor M&A soll im hohen negativen dreistelligen Millionenbereich ausfallen – eine deutliche Verschlechterung zum Vorjahr (minus 134 Millionen Euro). Belastet werden dürfte das Ergebnis auch durch eine hohe Kartellstrafe im Stahlbereich, für die Kerkhoff nun weitere Rückstellungen in Höhe von leicht über 100 Millionen Euro bilden muss.

Unterm Strich rechnet Thyssen-Krupp für 2018/19 mit einem Jahresverlust. Darin enthalten sind neben der Kartellstrafe auch Kosten für Restrukturierungen, mit denen Kerkhoff die Leistungsfähigkeit der einzelnen Geschäfte verbessern will. Das Ziel: Ab 2020/21 soll der Cashflow bei plus einer Milliarde Euro liegen.

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